Nachfolge ist weiblich!

Frauen in der Unternehmensnachfolge
Chancen und Potenziale!
Nationaler Aktionstag ‚Nachfolge ist weiblich!‘ am 21. Juni

Laut dem Nachfolge-Monitoring Mittelstand von KfW Research streben bis zum Ende des Jahres 2022 rund 230.000 KMU eine Nachfolge an. Die im Zuge der Corona-Pandemie zurückgestellten Nachfolgeplanungen rücken nun wieder in den Blick.

Konstatiert wird eine ‚Renaissance der Familie‘, denn das Interesse an Familiennachfolgen ist wieder gestiegen. Dennoch hat das das Grundproblem der Unternehmensnachfolge weiterhin Bestand: Ungünstige Demografie, Fachkräfte-Engpässe und der Mangel an Nachwuchs treiben die Lücke beim unternehmerischen Generationswechsel weiter auseinander.

Zum Anteil der Unternehmensnachfolgerinnen gibt es insgesamt nur wenige und sehr heterogene Daten. Je nachdem, welche Datenquelle zugrunde gelegt wird bzw. welche Einzelaspekte betrachtet werden, schwanken die Zahlen zwischen 13 und 25 Prozent.

Der Nachfolgemonitor 20211 beziffert den Anteil der Übernehmerinnen mit 21 Prozent und stellt fest, dass der Frauenanteil seit 2013 nahezu gleichgeblieben ist. EinGrund hierfür liegt darin, dass die Chancen, die in einer Unternehmensnachfolge liegen, zu selten erkannt werden. Auch die ungünstigen Rahmenbedingungen für Gründerinnen und Nachfolgerinnen dürften eine wesentliche Rolle spielen.
Dazu zählt auch die Bevorzugung des eigenen Geschlechts durch männliche Senior-Chefs bei der Besetzung von Leitungspositionen.

Die Wirtschaftszweige, in denen Frauen als Unternehmensnachfolgerinnen aktiv sind, konzentrieren sich auf Handel und Kfz (25,3 Prozent), freie, wissenschaftliche, technische und sonstige Dienstleistungen (16,7 Prozent), das Gastgewerbe (16,3 Prozent), das Gesundheits- und Sozialwesen (15,5 Prozent), das verarbeitende Gewerbe (8,6 Prozent) sowie Andere (17,6 Prozent).

Chefinnen gesucht! Chancen und Potenziale bei vakanten Nachfolgelösungen

Aus der Bildungsforschung ist bekannt, dass Frauen das Bildungssystem schneller und mit durchschnittlich besseren Abschlüssen durchlaufen als Männer: Unternehmerisch selbständige Frauen haben ein hohes Bildungsniveau und zeigen ein beeindruckendes Spektrum an Können, kreativen Ansätzen und innovativen Potenzialen. Sie beweisen Fach- und Führungsstärke, wollen eigene Ideen umsetzen und nach eigenen Qualitätsstandards arbeiten. Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens eröffnet Frauen spannende Karriere-Chancen und ermöglicht ihnen häufig auch eine adäquatere Verwertung ihrer Bildungsqualifikationen.

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„Diese beiden Pole – einerseits die strukturelle Nachfolgelücke beim unternehmerischen Generationswechsel, die gerade auch bei den mittleren und kleineren Betrieben ein großes Thema ist, und andererseits die am besten qualifizierte Frauengeneration aller Zeiten – gilt es, zusammenzubringen. Ziel ist es, diese Potenziale und Chancen in den Fokus zu rücken, damit die gut qualifizierten Frauen zukünftig aktiver in die unternehmerischen Nachfolgelösungen einbezogen werden. Die Übernahme eines Unternehmens erlaubt Frauen, ihre erworbenen Qualifikationen auf hohem Niveau einzubringen.

Deshalb engagiert sich die bundesweite gründerinnenagentur (bga) mit der Kampagne ‚Nachfolge ist weiblich!‘ dafür, Frauen die Karriere-Chancen, die mit einer Unternehmensnachfolge verbunden sind, näher zu bringen. Auch möchten wir Unternehmen, bei denen eine Nachfolge den Firmenfortbestand sichert, mit den gut qualifizierten Frauen von heute – sei es als Tochter, Schwiegertochter, Mitarbeiterin oder Externe – für eine erfolgreiche Betriebsnachfolge in Kontakt bringen“, erklärt Iris Kronenbitter, Leiterin der bundesweiten gründerinnenagentur (bga).

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Bundesweiter Aktionstag ‚Nachfolge ist weiblich!‘ am 21. Juni 2022
Mit rund 50 regionalen Akteurinnen und Akteuren in den 16 Bundesländern

Koordiniert von der bundesweiten gründerinnenagentur (bga) gestalten rund 50 Akteurinnen und Akteure zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen vor Ort analog, online oder hybrid und betreiben ein überregionales bga-Expertinnen-/ Expertentelefon. Sie beraten fachkundig zur Betriebsnachfolge, zeigen die Chancen auf, die in einer stärkeren Einbeziehung von Frauen in die Unternehmensnachfolge liegen und veranschaulichen zentrale Aspekte des Nachfolgeprozesses sowie Wege der Umsetzung.

Veranstaltet werden die Aktivitäten u.a. von den Partnerinnen und Partnern der nexxt-Initiative sowie den Expertinnen und Experten der Nachfolge, die in Kammern, Ministerien, in der freien Wirtschaft oder in der Forschung arbeiten. Die Angebote reichen von Sprechtagen und Sprechstunden, Podiumsdiskussionen und Vorträgen, Telefonaktionen und Beratungsgesprächen über Nachfolge-Walks, Frühstücksdates, Seminaren bis hin zu ganzen Seminar- bzw. Veranstaltungsreihen bzw. Artikelserien, Mentoring, Coaching, Workshops, Live-Talks und Chats. Die Akteurinnen und Akteure informieren regional über ihre Aktivitäten. Die Aktivitäten sind online zugänglich unter
https://www.existenzgruendungsportal.de

Weitere Veranstaltungen zum Thema Unternehmensnachfolge bieten die Projekte der Initiative „Unternehmensnachfolge – aus der Praxis für die Praxis“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie an. Informationen finden Sie dazu unter: http://rkw.link/aktionstagveranstaltungen
Mehr zum weiblichen Nachfolgegeschehen gibt es im bga-Faktenblatt Nr. 38 ‚Unternehmensnachfolge durch Frauen IV‘.

‚Nachfolge ist weiblich!‘ am 21. Juni 2022

Über die bundesweite gründerinnenagentur (bga)
Die bundesweite gründerinnenagentur (bga) ist ein deutschlandweites Kompetenz- und Servicezentrum zur unternehmerischen Selbständigkeit von Frauen mit Angeboten über alle Branchen zu Gründung, Festigung, Wachstum, Startups und Unternehmensnachfolge. Die bga ist Ansprechpartnerin für Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Medien sowie für Gründerinnen, Unternehmerinnen, Betriebsnachfolgerinnen und female Start-ups. Sie bündelt Kontakte und Informationen zu Expertinnen und Experten, Studien, Beratungseinrichtungen und Netzwerken in ganz Deutschland und wurde von der Europäischen Kommission als europäisches Erfolgsmodell ausgezeichnet. Die bga wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF).

INTELLI-ATHLETICS zum Thema Wachstumsfinanzierung

Gründerinterview: CEO von INTELLI-ATHLETICS

Finn Schütt, Gründer und CEO der Physiotherapie-Software INTELLI-ATHLETICS, im Interview zum Thema Zukunftsplanung und Wachstumsfinanzierung des Start-Ups:

Im letzten Jahr hat INTELLI-ATHLETICS seine Kundenansprache und Strategie neu mit dem Fokus auf Physiotherapie ausgerichtet. Was sind nun die nächsten Schritte, um das Unternehmen weiter voranzubringen?

„Aktuell ist unser nächster Schritt die Wachstumsfinanzierung. Dafür benötigt es einen handfesten Proof of Business und eine ausgereifte Go-to-market-Strategie. INTELLI-ATHLETICS hat hier bereits eine vielversprechende Grundlage geschaffen.“

Physiotherapie-Software Intelli-Athletics Vorschau
Physiotherapie-Software Intelli Athletics

Wie gestaltet sich diese Grundlage genauer?

„Durch die Fertigstellung unserer Software und erste Testkunden im letzten Jahr konnte wir wichtige Erfahrungen sammeln, auf deren Grundlage wir nun eine funktionierende Vertriebstrategie erarbeitet haben, mit der wir bereits erste Erfolge feiern können. Auf diesen Erfolgen möchten wir nun aufbauen und mit Hilfe einer Wachstumsfinanzierung unser Geschäftsmodell weiter skalieren.“

Haben Sie ein Beispiel für erste Erfolge des Unternehmens?

„Seit Anfang des Jahres konnten wir jeden Monat eine größere Umsatzsteigerung erzielen. Unsere Kunden geben uns positives Feedback und empfehlen uns an ihre Kolleg*innen weiter. So sagt Physiotherapeut und Kunde Timo Montag über seine Erfahrungen mit der App: „Die App ist zu 100% gut durchdacht und bietet all das, was ich bei meinen anderen Programmen in unserem Gesundheitszentrum vermisse. Die App bietet eine Kombination aus finanziellem und trainingswissenschaftlichem Mehrwert. Sowohl meine Mitarbeiter als auch meine Patienten und Selbstzahler-Kunden profitieren von der Software.““

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Wieso lohnt sich eine Wachstumsfinanzierung?

„Durch unsere Software sind wir First-Mover am deutschen Markt. Die Digitalisierung der Physiotherapie nimmt in Deutschland, wenn auch verspätet, an Fahrt auf. Während andere Anbieter auf die Digitalisierung der Verwaltung und die bereits bestehenden Prozesse konzentrieren, legen wir den Fokus auf die Einbindung der Patient*tinnen und deren aktive Beteiligung in die Therapieprozesse mit Hilfe von Technik. Sowohl kleinere Kunden, wie „C316“ als auch größere Praxen, wie z.B. „Handwerk-Therapie“ profitieren bereits von der App.“

Was passiert nach der Finanzierung?

„Im Anschluss an die Finanzierung streben wir zum Einen strategische Partnerschaften in der Branche an um den Bekanntheitsgrad zu steigern. Zum Anderen sind wir bestrebt, ein Vertriebsteam aufzubauen, was uns dazu verhilft unseren Entwicklungsfortschritt auszubauen und uns einen festen Platz im Markt zu sichern.“

Mehr über INTELLI-ATHLETICS

finden Sie auf https://intelli-athletics.com/

Vier Jahre Gründerplattform

Vor rund 4 Jahren wurde vom Bundeswirtschaftsministerium und der KfW die sogenannte Gründerplattform ins Leben gerufen. Seither verzeichnete die Plattform als Anlaufstelle für Gründungswillige sechs Millionen Besucherinnen und Besucher. Jährlich konnten mit ihrer Hilfe 12.000 Gründungen unterstützt und 29.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Gründerplattform bietet Gründungsinteressierten aller Branchen – vom klassischen Handwerk bis zur spezialisierten, digitalisierten Dienstleistung – Tipps, Tools und Beratung. Das Angebot reicht von digitalen Webinaren (z.B. über Social Entrepreneurship), über Möglichkeiten der Vernetzung mit Gründungsprofis im Partnernetzwerk der Gründerplattform, bis hin zu digitalen Werkzeugen, die das Gründen erleichtern. Zentrales Element ist dabei die digitale Erstellung von Businessplänen.

Vier Jahre Unterstützung für Gründerinnen und Gründer

Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und Beauftragter der Bundesregierung für den Mittelstand: „Vielfältige, dynamische Gründungen sind essenziell bei der Transformation der deutschen Wirtschaft hin zu einer digitalen und ökologischen Marktwirtschaft. Gründerinnen und Gründer zeigen eindrucksvoll, wie sie mit neuen Geschäftsmodellen auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren – insbesondere beim Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Die gemeinsam von der KfW und dem BMWK getragene Gründerplattform bietet hierbei umfangreiche Unterstützung für Gründerinnen und Gründer, die wir in Zukunft noch weiter ausbauen. So wollen wir die Plattform in Richtung eines „One Stop Shops“ weiter entwickeln, als Anlaufstelle für Gründungsberatung, -förderung und -anmeldung. Unser Ziel ist es, Gründungen binnen 24 Stunden zu ermöglichen.“

Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW: „Deutschland muss in den kommenden Jahren den Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft beschleunigen und sich gleichzeitig als Industrie- und Technologiestandort stärken. Ein dynamisches Gründungsgeschehen ist hierfür ganz entscheidend. Denn junge Unternehmen treiben mit neuen Geschäftsmodellen und technologischen Lösungen den Wandel voran. Der neue KfW-Gründungsmonitor sendet ermutigende Signale: Die Zahl der Existenzgründungen wächst deutlich, der Anteil von Gründerinnen steigt, digitale und internetbasierte Gründungen haben Rekordwerte erreicht. Diese Entwicklung gilt es zu fördern. Die von KfW und vom BMWK getragene Gründerplattform leistet einen wertvollen Beitrag, indem sie Gründungsinteressierten aus einer Hand ein Angebot unterbreitet, was für einen schnellen und erfolgreichen Start benötigt wird.“

Die Unterstützung für die Gründerplattform

Die Unterstützung für die Gründerplattform aus den Reihen der deutschen Gründungsförderer ist breit. Schon nahezu 700 Partner zählt die Plattform. Darunter sind alle Förderbanken und Bürgschaftsbanken der Länder, mehr als 50 Prozent aller Kammern, über 250 Sparkassen und Volksbanken sowie etliche private Banken und regionale Wirtschaftsförderer. Entsprechend breit ist die Palette der Unterstützung: über 600 Beratungsangebote und mehr als 900 Events und Wettbewerbe stehen Gründerinnen und Gründern zur Auswahl.

Um das Gründungsgeschehen weiter zu beleben, müssen Gründungshemmnisse weiter abgebaut werden; Finanzierungs- und Förderberatung gezielt ausgeweitet werden.

Eigener Chef statt Job-Center

Eine Studie von Autor Knut S. Pauli.

Die Pandemie wütet in den Innenstädten, auf dem Land und im ganzen Wirtschaftsraum. Die Folgen: Etliche Firmen und Geschäfte sind längst insolvent oder von der Insolvenz bedroht. So auch viele Franchise-Systeme. Trotzdem ist Franchising immer noch eine der sichersten Varianten, sich in Krisenzeiten selbständig zu machen.

Bedingt durch die noch längst nicht ausgebremste Pandemie vollzieht sich ein radikaler Wandel in der Wirtschaft. Im Konsumsektor zählen Gastronomie, Touristik und Einzelhandel allemal zu den vom Lockdown gebeutelten Branchen. Bis zu 50.000 Händler werden für immer den Rolladen unten lassen, befürchtet der Handelsverband Deutschland (HDE). Im industriellen Sektor schickten nahezu alle Konzerne einen Gutteil ihrer Leute zunächst in die Kurzarbeit, danach kommt eventuell der blaue Brief.
Noch federt die Arbeitsmarktpolitik die Gefahr explodierender Job-Verluste ab.

Im August 2025 erhielten 33.000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld.

Im Jahr 2023 waren laut BA durchschnittlich rund 240.800 Personen in Kurzarbeit. Die Anzahl der Kurzarbeiter fiel insbesondere in den Jahren 2020 und 2021 wesentlich höher aus: Aufgrund der Corona-Pandemie waren im April 2020 laut Angaben der Agentur für Arbeit rund sechs Millionen Personen in Kurzarbeit. Damit wurde der bisherige Rekordmonat Mai 2009, als 1,44 Millionen Menschen in Kurzarbeit waren, deutlich übertroffen. Im Durchschnitt des ganzen Jahres 2020 waren knapp 2,94 Millionen Menschen in Deutschland von Kurzarbeit betroffen.

Inmitten dieser düsteren Aussichten gibt es aber gerade auch Hoffnung, dass einige Anbieter weiterhin erfolgreich bleiben, andere als innovative Überflieger die Zeit überstehen, aber auch einige sehr schweren Zeiten entgegensehen. In der Folge versucht die Redaktion von Franchising.mag und franchising-network.de eine Analyse der Chancen und Risiken, der Gewinner und Verlierer.

Krisenzeiten sind Unternehmerzeiten! So werden tausende Freigesetzte und Arbeitslose auf den Markt strömen, deren einzige Chance auf eine sichere Zukunft im Sprung in die Selbständigkeit besteht. Hier setzen wir an und werden das Geschehen am Markt für Franchise-Systeme unter die Lupe nehmen. Dort, wo Standorte von Franchise-Partnern frei werden, werden sich neue, zeitgemäßere System mit ihren Partnern etablieren. Die arrivierten Systeme wie im Immobilienbereich oder IT-Service werden sich die Rosinen herauspicken. In systemrelevanten Dienstleistungen, in der Technik oder im Health-Care-Bereich, den Pet-Stores oder dem Bau-/Handwerk sind die Chancen weiterhin gut. Aber auch Geschäftsideen mit höherem Risiko und neuer Ausrichtung wie im Lieferservice oder Green-Food-Sektor haben gute Erfolgsaussichten.

Letzter Strohhalm Franchising

Der dritte Bereich sind die Restarter, die mit Aufnahme der ersten Lockerung von Präsenzmöglichkeiten profitieren wie Nachhilfe und seriöse Fitnessanbieter. Alles in allem aber eine schwierige Situation der Abwägung für ein Investment des Einzelnen, aber auch eine riesige Chance, den Markt für Franchise-Systeme neu aufzurollen und umzukrempeln. Die dabei von allzu cleveren Existenzgründungsberatern als Strohhalm angepriesene Zahl von 1.000 Franchise-Geschäftsidee dürfte sich bei Ansicht der harten Fakten auf allenfalls 400 Franchise-Systeme abschmelzen, die tatsächlich zukunftsfähig und dazu expansiv sind.

Bei der nun anstehenden Besetzung der verbliebenen weißen Flecken auf der Vertriebs-Landkarte sowie die Nachfolgesuche für frei werdenden Plätze von Franchisenehmern, denen noch eine Schonfrist gewährt ist, um ihre Insolvenz beim Amtsgericht anzumelden, müssten Franchise-Manager Nachtschichten einlegen, um aus dem Leads-Traffic in den sozialen Medien die Treffer unter den Kandidaten auszufiltern.

Eigener Chef – Run auf Geschäftsideen

Denn mangels eigener Geschäftsideen des Gros der Gründer21 wird ein Run auf Franchising einsetzen, vorausgesetzt der Weg dahin ist bekannt und die Offerten seriös. Welches Potenzial Franchising als Jobmaschine hat, zeigt sich in den USA, dem Mutterland des modernen Franchisings mit seinen rund 5.000 Systemen. Das Department of Commerce in Washington schwört auf das arbeitsmarktpolitische Instrument, mit dem es immer wieder gelingt, Jobsucher mir einer „Franchise“ in Arbeit und Brot zu bringen.

Aktuell könnte die amerikanische Franchise-Industrie laut einer Wirtschaftsprognose der Internationalen Franchise Association (IFA) mehr als 26.000 Standorte hinzufügen und damit die Rückgänge gegenüber dem Vorjahr ausgleichen sowie fast 800.000 neue Arbeitsplätze schaffen. “Durch schnelle Anpassungsfähigkeit, skalierbare Technologie und den Fokus auf nachgefragte Produkte und Dienstleistungen hat der Franchise-Sektor immer wieder seine Widerstandsfähigkeit bewiesen”, so Robert Cresanti, Präsident und CEO von IFA.

Franchise unterm Radar

In Deutschland entwickelt sich diese Form der Kooperation noch weitgehend unter dem Radar der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitiker. Nach einem stürmischen Wachstum in den 90ziger Jahren des letzten Jahrhunderts oszilliert die deutsche Franchise-Industrie um 1.000 Systeme. Durch die Corona-Krise kam es aktuell aber zu einem Aderlass. Nach Einschätzung von Reinhard Wingral steht rund ein Drittel der Franchise-Systeme auf tönernen Füßen. In der Gastronomie und in der Fitness-Branche, zwei der Franchise-Domänen, sind Partner-Pleiten absehbar. Beim harten Kern von soliden Franchisesystemen dürfte der Abschmelzprozess mit einer deutlich geringeren Quote von fünf Prozent zu Buche schlagen – also 15 bis 20 Franchise-Systeme, prognostizierte Reinhard Wingral zu Beginn der Corona-Krise.

Im Jahr 2024 zeigte sich die Franchise-Wirtschaft in Deutschland robust mit einem Wachstum bei Betrieben, Umsatz und Beschäftigung. Die Anzahl der Franchisebetriebe stieg um 2,0 % auf rund 193.920, während der Gesamtumsatz um 1,1 % auf 149,2 Milliarden Euro anwuchs. Der Sektor beschäftigte 829.700 Mitarbeiter, was seine Stabilität unterstreicht. 

Erfolgsaussichten im Franchising

Der Deutsche Franchiseverband (DFV) „Franchising dürfte künftig weiter an Bedeutung gewinnen, schließlich kristallisiert sich aktuell heraus, dass das Modell Franchise der Krise, dank des stabilen Netzwerkes, vergleichsweise gut gewachsen ist“, erläuterte Torben Leif Brodersen, Ex-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Franchiseverbandes, und folgert: Einmal mehr zeigt sich, dass sich der System- und Netzwerkgedanke auch in wirtschaftlich turbulenten Zeiten bewährt hat und Verlass ist auf diese Form der Solidargemeinschaft. Das macht das bewährte Konzept Franchising zu einer verlässlichen Zukunftsstrategie für die Post-Corona-Zeit.“ Von den oft zitierten 1.000 Franchise-Systemen hierzulande sind etwa ein Drittel im DFV organisiert und haben somit den Tauglichkeitstest des Verbandes in Zusammenarbeit mit dem Institut F&C bestanden.

Zu den Erfolgsaussichten im Franchising gibt es viele blumige Versprechen aber bislang nur wenige harte Daten. Eine Studie des wissenschaftlichen Instituts F&C mit Sitz in Münster aus dem Jahr 2016 zeigt, dass Franchise-Gründer im Durchschnitt nach einem Jahr noch zu 94 Prozent aktiv sind; bei unabhängigen Gründungen haben sich dagegen etwa 85 Prozent der Unternehmer behauptet. Zwei Jahre nach der Gründung existieren noch 90 Prozent der Franchise-Nehmer und 75 Prozent der „allgemeinen Existenzgründer“. Im 3. Jahr sind noch 83 Prozent der Franchise-Unternehmer aktiv und 68 Prozent der übrigen Selbständigen. Damit liefert das mit dem Deutschen Franchise Verband (DFV) zusammenarbeitende Institut einen belastbaren Wert für die Performance der Gründer21 im Franchising.

Quo vadis Franchising

Mehr denn je kommt es aber auf eine gründliche Analyse der Franchise-Möglichkeiten an. Denn bislang gab es schon viel zu viele Partner, die nicht annähernd so gut verdienen wie der eine oder andere Franchisegeber verkündet und die von daher kein finanzielles Polster aufbauen konnten. Die immer wieder lauthals beschworene Win-Win-Situation erweist sich immer wieder als Fata Morgana. – „Franchising ist halt kein Allheilmittel, um unreife Geschäftsmodelle zum Laufen zu bringen“, kommentiert Consultant Wingral.

Ergo: Franchising nach dem Management ist durchaus eine solide Option, falls das Geschäftsmodell und das Trainings-und Betreuungs-Konzept, das Manager zu Franchisenehmer mutieren lässt, den Stresstest über Corona hinaus erfolgreich absolviert hat. Allerdings setzt dies nach der Schulung und Hospitation bei einem bestehenden Franchise-Partner den vollen Einsatz der Gründer21 an der Verkaufsfront mit ihrem eigenen Geschäft voraus.

KI-Startups unter der Lupe

Studie beleuchtet das Startup-Ökosystem in Deutschland: Analyse von Branchen, Produkten, regionaler Verteilung und Finanzierung, Vergleich des Standorts Deutschland mit dem Best-Practice Ökosystem Israel, Impulse für die Debatte um ethische Fragen und Grenzen beim Einsatz von KI.

Startups bringen Künstliche Intelligenz (KI) in die Anwendung: Gut 40 Prozent der deutschen Startups sagen, dass KI einen (sehr) großen Einfluss auf ihr Geschäftsmodell hat – eine Steigerung um knapp 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt ein großer Teil der deutschen Gründer*innen und Gründer auf KI.

KI ist eine der Schlüsseltechnologien für die digitale Zukunft. Startups treiben diese Innovationen maßgeblich voran und nehmen eine wichtige Rolle bei der Stärkung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit ein.

Grund genug, genauer hinzuschauen und herauszufinden, wo deutsche Startups bei KI wirklich stehen. Daher veröffentlichen der Bundesverband Deutsche Startups e.V. und hubraum, der Tech-Inkubator der Deutschen Telekom die Studie „Künstliche Intelligenz – wo stehen deutsche Startups?“. Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Startup-Verbandes, dazu: „Mit dem Rettungspaket für Startups hat die Politik zwar kurzfristig reagiert – doch nun braucht es Visionen für neue Wachstumsimpulse. Künstliche Intelligenz muss dabei ein fundamentaler Bestandteil sein.“Unterstützt wurde das Projekt zudem vom Institute for Applied AI der Hochschule der Medien in Stuttgart und dem KI Bundesverband. Die sechs Kernergebnisse der Studie sind:

  1. KI-Startups sind Innovatoren für die deutsche Wirtschaft: 74 Prozent kooperieren mit etablierten Unternehmen – im allgemeinen Durchschnitt sind es nur 67 Prozent.
  2. Transfer aus der KI-Forschung in die Praxis ist ausbaufähig: Der Vergleich mit dem Top-Ökosystem Israel zeigt, dass es in Deutschland trotz eines hohen Forschungsoutputs im Bereich KI noch zu wenige KI-Startups gibt.
  3. Fokus auf B2B aber viele unbesetzte Anwendungsfelder: 63 Prozent der deutschen KI-Startups haben einen klaren Fokus auf Geschäftskunden und richten sich stark an den Bedürfnissen der heimischen Industrie aus. So sind viele wichtige Anwendungsfelder wie Bildung oder Cybersecurity bisher kaum besetzt.
  4. Technik im Mittelpunkt: Während sich israelische Startups stark auf die Entwicklung von Lösungen in konkreten Branchen oder Funktionsbereichen (Vertrieb, Personalwesen) konzentrieren, werden hierzulande Geschäftsmodelle häufiger ausgehend von den technischen Möglichkeiten der Datenanalyse entwickelt.
  5. KI-Startups benötigen mehr Kapital: Weit mehr als jedes zweite KI-Startup (58 Prozent) möchte sich durch Venture Capital finanzieren – bisher haben aber nur 21 Prozent Wagniskapital erhalten. In Israel sind die Investitionen in KI-Startups pro Kopf etwa 30 Mal so hoch wie in Deutschland.
  6. Startups plädieren für stärkeren Praxisbezug ethischer Debatten: Das Thema Ethik und die Grenzen des Einsatzes von KI spielen für das Startup-Ökosystem in Deutschland eine wichtige Rolle. Startups wünschen sich dabei vor allem eine Versachlichung der Debatte und einen stärkeren Fokus auf konkrete Anwendungsfelder.

Privates Geld vom Investor

Die Achterbahnfahrt des Christoph Gerlinger: Die von Politikern in Sonntagsreden stets hochgelobte Startup-Szene erweist sich bei genauerer Betrachtung oftmals als große Blase, aufgebläht von Sprüche klopfenden Youngsters, den die Strategen in den Family-Offices der Milliardärs-Klasse lieb gern ihr Geld anvertraut, das bei den Hoffnungsträgern der zukünftigen Wirtschaft – vor wie in der Corona-Krise – in beste Hände zu liegen scheint. Doch nun verkündet ein Insider und eifriger Akteur der deutschen Startup-Szene seinen Ausstieg: Christoph Gerlinger. Seine „German Startups Group“ wechselt vom börsennotierten Wagniskapitalgeber zu einem Private-Equity-Investor. Fortan spielt der Ex-Gründer in der Champions Liga der Investment-Branche mit, deren Namen die Schlagzeilen in der internationalen Finanzpresse zieren: KKR, Blackstone, Permira oder EQT zählen unter vielen anderen dazu. Von EQT ist der Deal mit Enchilada oder BackWerk noch in bester Erinnerung der Franchise-Szene. Auch künftige dürften die Scouts etwa der Partners Group in der Schweiz den Büros den Analysten weitere zur Beteiligung reifen Franchise-Systemen sowie den übrigen Hidden Champions im Mittelstand geben, wie es unlängst mit KAMPS oder Nordsee passierte.

Berlin, Singapur, Frankfurt

Auf solche Deals will sich nunmehr auch Christoph Gerlinger kaprizieren. Die 2012 gegründete German Startups Group (GSG), bislang ein führender Venture Capital-Investor in Deutschland, fusioniert vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Hauptversammlung am 7. August 2020 mit SGT Capital Pte. Ltd., einem globalen Alternative Investment- und Private Equity-Asset Manager mit Hauptsitz in Singapur und Ländergesellschaft in Frankfurt am Main. mehr

Notgründungen steigen sprunghaft

Millionen Deutsche bangen um ihren Job und müssen sich in Folge von Pandemie und Lockdown beruflich völlig neu orientieren. Bereits jetzt steigt die Anzahl der Notgründungen sprunghaft. Das Problem: Eine Existenzgründung bedarf eines gründlichen Businessplans, entsprechenden Startkapitals, professioneller Beratung und einer erfolgversprechenden Geschäftsidee. Aber die Masse der Gründer versucht es immer noch auf eigene Faust, übernimmt bestenfalls ein etabliertes Geschäft oder dreht als Startup mit Blick auf die Börse am großen Investoren-Rad.

Dass Deutschland sich aber jetzt in ein Gründerland verwandelt, bleibt alternativlos: Experten erwarten bis Ende 2021 die größte Pleitewelle in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf bis zu 21.000 Fälle könnte die Zahl der Insolvenzen ansteigen, so aktuell das Handelsblatt. mehr

Gründerwelle in Deutschland

Millionen Deutsche bangen um ihren Job und müssen sich in Folge von Pandemie und Lockdown beruflich völlig neu orientieren. Bereits jetzt steigt die Anzahl der Notgründungen sprunghaft. Die Nachfrage nach bewährten Geschäftsideen vermag aber die darauf spezialisierte Franchise-Industrie nur bedingt befriedigen und verpasst womöglich eine Jahrhundert-Chance. Denn die Masse der Gründer versucht es immer noch auf eigne Faust, übernimmt bestenfalls ein etabliertes Geschäft oder dreht als Startup mit Blick auf die Börse am großen Investoren-Rad. Ob sich so Deutschland in ein Gründerland verwandelt, steht dahin, bleibt aber alternativlos.

Alice Schmidt ist seit dem Jahreswechsel 2019 / 2020 ihr eigener Chef. Statt weiter bei den Ford-Werken in Köln als Disponentin zu wirken, lebt sie ihren Traum von der Selbständigkeit. Bei der Suche nach einem Geschäftskonzept wurde die passionierte Teetrinkerin mit der Übernahme eines bereits eingeführten Fachgeschäftes in dem 45.000 Einwohner zählenden Städtchen Monheim am Rhein fündig. Anfang März 2020 wurde das neu drapierte Teehaus am Rathaus wieder geöffnet. Dann folgte der Lockdown und die Ladentür blieb für Wochen zugesperrt. Seit dem 20 April ist das Teehaus wieder geöffnet. Unter Beachtung des strikten Distanz-Kodex im Kundenkontakt spricht Jungunternehmerin Schmidt die Kundschaft mit ihrem Sortiment an: „Erlesene Teesorten, leckere Pralinen, Feinkost etwa Jordan Olivenöl und regionale Spezialitäten und schöne Accessoires rund ums Thema Tee. Auch der besondere Kaffee darf ebenso nicht fehlen wie nun auch erlesene Weinsorten. Ein kleines Schlaraffenland für Connaisseurs im Herzen der Stadt. Die kreative Geschäftsfrau suchte sie aber auch in der geschäftlichen Zwangspause ihre Chance. „Die Corona-Krise hat uns vor besondere Aufgaben gestellt, die uns auf neue Ideen gebracht haben. Der Lieferdienst mit einem extra für das Geschäft erworbenen Fahrrad hat sehr gut innerhalb Monheims funktioniert, sodass wir schöne Tees, Geschenksets oder Feinkost bis vor die Haustür unserer lieben Kunden liefern konnten.“

Millionen mit Geister-Restaurants

Während Alice Schmidt im klassischen Einzelhandel ihre Zukunft sieht, haben Sebastian Klein und Robin Steps aus dem Startup-Mekka Berlin mit Honest Food hochfliegende Pläne und scheffeln bereits Millionen mit Restaurants, die gar nicht existieren. Ihr Erfolgsgeheimnis: Das Startup beliefert sogenannte Ghost Restaurants. Hungrige Kunden können die Gerichte dieser Lokale auf Lieferplattformen wie Foodora und Lieferando bestellen. Zu Honest Food gehören Marken wie Blattgold, Baba Noni und Beste Freunde. In großen Produktionsküchen abseits der City werden die Gerichte unter optimierten Produktionsbedingungen vorbereitet und tiefgekühlt an Partnerrestaurants verschickt. Kommt bei einem der Gastro-Partner eine Bestellung für eine der Marken ein, tauen diese Saucen oder Fleisch auf und richten die Salate, Burritos und Burger mit frischen Zutaten an, um die Menüs anschließend auszuliefern.

Steps und Klein haben sich im Studium an der Uni Mannheim kennengelernt. Steps hat bereits diverse Food-Startups gegründet, darunter den Weinshop Vino24.de. Sein Mitgründer Klein hat zuvor für Alexander Samwer, einer der Lieferando-Mitgründer, dessen Photovoltaik-Startup Voltaro mit aufgebaut. Seit der Gründung von Honest Food im April 2017 haben die Unternehmer einen mittleren siebenstelligen Betrag von der Beteiligungsgesellschaft Good Brands und dem Vapiano-Gründer Gregor Gerlach aufgenommen. Zwei Jahre weiter: Der Berliner Lieferdienstvermittler Delivery Hero, der gerade erst den koreanischen Wettbewerber Woowa übernommen hat, kauft nun den Berliner Ghost Restaurant-Betreiber Honest Food. In der damit fälligen Ad-Hoc-Mitteilung heißt es. „Die Good Brands AG veräußert ihre Beteiligung an der Honest Food Company GmbH. Der Verkauf erfolgt im Rahmen einer vollständigen Übernahme aller Geschäftsanteile durch die Delivery Hero SE. Die Unterzeichnung der Kaufverträge erfolgte am 20. Dezember 2019.“ Noch im Sommer dieses Jahres investierten Index Ventures und der schwedische Kapitalgeber Creandum einen Millionenbetrag in den Ghost Restaurant-Betreiber.

Zwei Erfolgsgeschichten aus dem Kosmos der Gründer in Deutschland kurz vor der Corona-Krise Eine reibungslos vollzogene Übernahme eines etablierten Einzelhandelsgeschäftes im Zuge der Nachfolge und ein mit viel Profit-Fantasie ins Rennen um die Gunst von Anlegern und Kunden gelangtes Startup aus Berlin belegen den im Gründer-Kosmos angesagten Spagat. Der Trend ist ungebrochen. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden 300 Tech-Unternehmen in Deutschland gegründet – mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Jahr 2018 gab es 70.000 Start-ups und damit rund 10.000 mehr als im Jahr zuvor. Zum Vergleich der Deutsche Franchise-Verband e.V. (DFV) ermittelte, dass im Jahr 2019 in Deutschland etwa 133.424 (+4,2 Prozent) Franchisenehmer in 960 Franchise-Systemen selbständig sind.

Die Startup-Szene liegt im Fokus der Großinvestoren und ihrer Berater in den Family-Offices der bekannten Milliardärs Familien wie die den Quandts, Reimanns, Albrechts, aber auch bei Maschmeyer, Toeller oder Breuninger. Das Fashion- und Lifestyle-Unternehmen Breuninger wurde 1881 von Eduard Breuninger gegründet und zählt heute zu den führenden Multichannel-Department-Stores in Europa. Jüngst hat das Traditionsunternehmen aus Stuttgart in einen Startup investiert, das sich auf automatisierte Bildverarbeitungsprozesse im Modesegment spezialisiert hat: autoRetouch. Hinfort unterstützt Breuninger das Gründerteam des Startups bei der Weiterentwicklung und Verbreitung einer effizienten Technologiesoftware mit globaler Relevanz für den E-Commerce. „Mit der Entscheidung, autoRetouch als eigenständiges Unternehmen auszugründen und uns wirtschaftlich an einem Technologie-Startup zu beteiligen, entwickeln wir Breuninger als Unternehmen weiter und erschließen neue Themenfelder „, so Breuninger CEO Holger Blecker.

Angst vor dem Sprung ins Wasser

In den guten Zeiten der Vollbeschäftigung bis zur Corona-Krise zählten Existenzgründer abseits der High-Tech-Szene wie bei Breuninger eher zu den Exoten. Die auf ihre Work-Life-Balance fixierte Generation Y – im englischen Sprachgebrauch „why“ – scheute den Sprung ins kalte Wasser einer Selbständigkeit. Mehr noch: der Anteil an Gründern in Deutschland schmolz dahin wie Eis in der Mittagssonne. Die Fakten: Von 2001 bis 2018 sank die Anzahl der Gründer in Deutschland kontinuierlich. Im Jahr nach dem Millennium wagten es noch 1.538.000 Millionen Gründer. Zehn Jahre später (2011) hatte sich die Gründerszene nahezu halbiert: 835.000 Erstgründer. Im Jahr 2018 waren es mit 547.000 Gründern nur noch ein Drittel des Langzeit-Hochs von 2001 mit rund anderthalb Millionen Existenzgründern im Lande. Die Ursachen des dramatischen Rückgangs an Gründungswilligen, aber auch – fähigen jungen deutschen spürte der „Gründerreport 2018“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) auf. Danach sind Unausgereifte Geschäftsideen mit schwammigen Vorstellungen über die künftige Kundengruppe, unausgereifte Produkte und überhöhte Umsatzerwartungen häufig die Ursachen, dass Unternehmensgründungen nicht wie geplant zustande kommen oder die entsprechenden Firmen in der Frühphase scheitern.

Notgründungen liegen im Trend

Eine Wende im Gründergeschehen dokumentiert indes der aktuelle KfW-Gründungsmonitor 2020. Im Schatten der Pandemie registriert die mit der Finanzierung von Existenzgründern betraute Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erstmals seit fünf Jahren einen Anstieg der Gründungstätigkeit in Deutschland 2019.Die Zahl der Existenzgründungen ist auf 605.000 gestiegen (+58.000). Maßgeblich dafür war ein deutliches Plus bei den Nebenerwerbsgründungen, bei den Vollerwerbsgründungen ging es dagegen abwärts auf einen neuen Tiefpunkt. Dabei konnte die Zahl der Chancengründungen auf 439.000 überproportional zulegen. Auch internetbasierte und digitale Gründungen gab es deutlich mehr. Der Ausblick für die Gründungstätigkeit 2020 war positiv – die Corona-Pandemie verändert aber einiges. Viele Gründungspläne, von denen es erneut mehr gab, dürften nun verschoben werden. Allerdings sind krisenbedingt jedoch deutlich mehr Notgründungen zu erwarten.

Schwarzer Freitag reloaded

Mit der Pandemie wird spätestens zur Jahreswende die globale Wirtschaftskrise spürbar, die den Schwarzen Freitag an der New Yorker Börse (NYSE) vom 25. Oktober 1929 als Auslöser der Weltwirtschaftskrise in den Schatten stellen könnte. Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), schenkte anlässlich seiner monatlichen Pressekonferenz Anfang Juli wenn auch klausuliert reinen Wein ein, was letztlich droht:„Die Arbeitslosenzahl ist von Mai auf Juni infolge der Corona-Krise deutlich gestiegen, wenn auch erneut schwächer als im Vormonat. Mit 2.853.000 liegt sie 40.000 höher als im Vormonat. Saisonbereinigt entspricht das einem Zuwachs um 69.000. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Arbeitslosenzahl um 637.000 erhöht. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent und verzeichnet im Vergleich zum Juni des vorigen Jahres ein Plus von 1,3 Prozentpunkten.“

Die versteckte Arbeitslosigkeit trägt den Namen Kurzarbeit, die nach den Hiobsbotschaften aus vielen Konzernen – vom Mittelstand ganz zu schweigen – nahtlos im Jobverlust endet, wenn die Entlass-Ankündigungen von Karstadt bis zur Lufthansa auch alle zum Jahresende umgesetzt werden. Laut Scheele wurde vom 1. bis einschließlich 25. Juni für 342.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt, nach 1,14 Millionen im Mai und zusammen: 10,66 Millionen im März und April. „Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag damit weit über den Werten zur Zeit der Großen Rezession 2008/2009“, so Scheele.

Comeback der ICH-AG

Mit Auslauf der Kurzarbeit und Umsetzung der möglichst sozialverträglichen Entlass-Wellen im Handel, Tourismus und Automobil-Branche dürfte die Arbeitslosenquote auf 15 Prozent hochschnellen Dann stünde ein Millionenheer bestens ausgebildeter Angestellter, dank eigener Rücklagen und Vermögen sowie einer satten Abfindung finanziell für den Moment abgesichert, letztlich aber doch auf der Straße. Was nun? Job suchen oder selbst gründen, so heißt die Alternative.

Notgründungen zählen dann zur neuen Normalität. Denn die vom „Shakeout“ nach dem „Lockout“ gebeutelten Branchen werden gemessen an den Jobs weiter schrumpfen und bieten ihren bisherigen Mitarbeitern keine Chance. Die Masse der Entlassenen muss sich völlig neu orientieren. Jetzt gilt es die Ärmel hochkrempeln und sich aus der Wohlfühlt-Oase den großen Konzernen endgültig zu verabschieden und einen Neuanfang im Kleingewerbe und in der Solo-Selbständigkeit zu suchen. Nach dem Brüssler EU-Marathon zur Krisenbewältigung der von der Pandemie gebeutelten Mitgliedsstaaten, stellt sich auf nationaler Ebene schon für Wirtschaftsminister Peter Altmaier und seinem für Arbeit und Soziales zuständigen Ministerkollegen Hubertus Heil alsbald die nächste Herkulesaufgabe. Wie soll mit dem sich ankündigenden Heer an Arbeitslosen umgegangen werden?

Die beiden Bundesminister könnten auf ein Comeback der ICH AG setzen, Relikt aus der einst von Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Leben „Hartz – Kommission“. Zwischen 2003 und 2006 half das Förderprogramm rund 400.000 Existenzgründern über die ersten Hürden. Denn die Gründung eines eigenen Unternehmens ist vor allem für Arbeitslosengeldempfänger oft mit vielen Hürden verbunden. Daher unterstützt die Bundesagentur für Arbeit mit verschiedenen Förderprogrammen Arbeitslose auf dem Weg in die Selbständigkeit. Die Förderung wurde nur bei einem Gewinn bis max. 25.000 Euro pro Jahr gewährt. Wurde diese Einkommensgrenze überschritten so entfiel eine zukünftige Förderung. Bereits gewährte Förderungen mussten nicht zurückgezahlt werden. Seit 2006 gibt es nur noch Geld vom Staat, wenn der Gründer tatsächlich arbeitslos ist, noch einen Restanspruch von 150 Tagen Arbeitslosengeld hat und ein geprüftes und hinreichend erfolgversprechendes Unternehmenskonzept vorweisen kann. An einer aussichtsreichen Gründungsidee herrscht aber durchweg Mangel.

Nachtschichten für Franchise-Manager

Dennoch müssen sich mindestens 10 Millionen Deutsche beruflich völlig neu orientieren und einen soliden Businessplan entwerfen, die die Banker letztlich überzeugt und dann erst den Hahn öffnet für die staatlichen Fördermittel. Die Zahl der jetzt schon einsetzenden Notgründungen dürfte ab Herbst förmlich explodieren Die von cleveren Existenzgründungsberatern ohne Franchise-Kenntnis derzeit schon als Strohhalm angepriesene Zahl von 1.000 Franchise-Geschäftsidee dürfte sich bei einem harten Faktencheck als Fata Morgana erweisen – allenfalls 400 Franchise-Systeme sind zukunftsfähig und dazu expansiv. Das Geschäft mit den Geschäftsideen dürfte wie schon zu den hohen Zeiten des Multi-Level-Franchisings unseriöse Marktakteure in den 80ziger Jahren des letzten Jahrhunderts anlocken.

Für den weitaus größeren seriösen Teil der Franchisewirtschaft heißt es somit, die Spreu vom Weizen unter den Franchise-Aspiranten schnell und zielsicher zu trennen, und zu klären ob die Interessenten wirklich das Zeug zu einem haben, der das Rad nach vorn drehen und nicht erst neu erfinden will. Bei der anstehenden Besetzung der verbliebenen weißen Flecken auf der Vertriebs-Landkarte oder die Neubesetzung freiwerdender Standorte von Franchisenehmern, denen nur bis Oktober eine Gnadenfrist verbleibt, um ihre Insolvenz beim Amtsgericht anzumelden, müssten Franchise-Manager deshalb wohl Nachschichten einlegen. Denn mangels solider Geschäftsideen wird ein Run auf Franchising einsetzen, um die Notgründung zu optimieren. Die Leads werden also sprunghaft steigen und die Qualifizierung der Kandidaten wird die personellen Ressourcen in den revitalisierten Franchise-Zentralen vielfach überfordern. Dann gilt es, ob sich die bittere Erfahrung der IHK´s und Gründerzentren mit ihren tausendfach im Sande verlaufenden Kontaktgesprächen wiederholt. Die Franchise-Wirtschaft würde damit allerdings den jetzt möglichen großen Sprung nach vorn verpassen. Feststeht: Die nächste Jahrhundert-Chance für einen nationalen Franchise-Boom wird so schnell hoffentlich nicht wiederkommen.

Alles Facebook, oder was?

Kolumne von Emil Hofmann

Es ist schier zum Verzweifeln. So wie die Schüler langsam das normale Schreiben und das Denken in Zusammenhängen verlernen, ignorieren immer mehr Gründer die analogen Medien, wenn es um die Frage der Kundengewinnung geht. „Läuft heute alles über Facebook und Instagram“ – so die wörtliche Aussage eines angehenden Betriebswirts im IHK-Seminar. Wirklich? Sind die Follower gleichbedeutend mit wertschöpfenden Kunden oder muss man sie nicht (bestenfalls) als Interessenten sehen? Ist ein schnelles „Like“ gleich der Start in eine Wertschöpfungskette?

Natürlich muss man die „sozialen Medien“ nutzen, gerade wenn sich die anvisierte Zielgruppe hier aufhält. Nur: Damit sind Anzeigen, Flyer oder Präsentationsmappen noch lange nicht out. Und auch der alte, bodenständige Brief verfehlt keinesfalls seine Wirkung, wenn er den Nutzen für den Kunden in den Mittelpunkt stellt. Im Gegensatz zu Facebook & Co. ist der Brief das mit Abstand respektvollste Medium überhaupt. Das vergessen viele Gründer, sie sehen selbst das Telefon als Relikt aus früheren Zeiten, in denen man noch mit dem Interessenten und Kunden gesprochen und sich persönlich ausgetauscht hat. Erschreckend ist auch die Feststellung, dass Gründer viel Geld für eine Website und einen Shop ausgeben und sich keine Gedanken darüber machen, wie diese Seiten gefunden werden. Dann geistern Begriffe wie SEO oder Google Adwords durch die Diskussionen, wobei auch hier wieder die „old economy“ völlig vergessen wird. Kaum einer denkt an die Veröffentlichung eines Fachaufsatzes, der die Leser auf die Homepage führt, geschweige denn an einen Messestand, an dem nicht selten tausende kontaktfördernde Visitenkarten den Besitzer wechseln. Dabei gilt heute mehr denn je der Claim einer österreichischen Bank, bei dem das erste Wort im übertragenen Sinn zu sehen ist: „Reichtum entsteht durch Gespräche mit Menschen“. Und der wahre Reichtum sind nicht die Likes auf dem Smartphone, sondern das, was man stabile Kundenbeziehungen nennt. Das gilt gottseidank auch morgen noch, wie zahlreiche Beispiele eindrucksvoll beweisen.

„The sky is no longer the limit!“

Peter Fricke, Chef des Start-up Ökosystems Deutsche Börse Venture Network, zur aktuellen Lage während und nach der Corona-Krise:“Die Corona Krise ist so umfassend, wie keine Krise vorher. Selbst sehr gut etablierte Start-ups kommen zum Teil an die Grenzen – da geht es diesem Bereich der Wirtschaft nicht anders als anderen Playern in Industrie und Mittelstand. Das, was in den letzten Jahren geschaffen wurde, ist es aber definitiv wert, erhalten zu bleiben. Wir sollten nicht den gleichen Fehler machen, den wir in und nach der Dotcom-Krise begangen haben. Denn da haben wir es verpasst, in Deutschland einen Nährboden für innovative Technologieunternehmen zu schaffen. Nun sind einzelne amerikanische Tech-Giganten mehr wert als der gesamte DAX und US-Start-ups fliegen Nasa-Astronauten ins All. Das sind die Dimensionen, in denen wir denken müssen. Wir müssen das vorhandene Potential jetzt nutzen und fördern – the sky is no longer the limit!“

Das Interview in voller Länge hier.