Insolvenz in der Krise

Wann muss ein Unternehmen Insolvenzantrag stellen? Der Berliner Rechtsanwalt Jörg Franzke

berät ausschließlich zum Insolvenzrecht und schildert die Lage im aktuellen Corona-Krisenfall und wie Sie ihre Zahlungsunfähigkeit erkennen und richtig handeln, zum Beispiel mit einem Schutzschirmverfahren.

Obwohl die Bundesregierung mit Zuschüssen, Krediten und Gesetzesänderungen sämtliche Hebel zur Rettung von Unternehmen in Bewegung setzt, wird es nicht gelingen, alle vor der Insolvenz zu bewahren. Seit 27. März 2020 gilt das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie, das die Insolvenzantragspflicht aussetzt.

Bei vielen Unternehmern stellt sich indessen die Frage, in welchen Fällen dieses neue Gesetz Anwendung findet und wann man tatsächlich insolvenzantragpflichtig ist. Immerhin ist Insolvenzverschleppung kein Kavaliersdelikt und die Verantwortlichen müssen mit hohen Strafen rechnen. Um dies zu vermeiden, hat Jörg Franzke, Rechtsanwalt für Insolvenzrecht, ein Prüfungsschema entwickelt, an dem man ablesen kann, wann Insolvenzantragspflicht besteht und was die Zahlungsunfähigkeit infolge der Coronakrise für Unternehmen bedeutet.

So überwachen Geschäftsführer die Insolvenzantragspflicht:

  1. In der aktuellen Krise müssen Geschäftsführer täglich die Liquidität überwachen und dokumentieren. Insbesondere mit der Dokumentation der finanziellen Situation verfahren Geschäftsführer oft etwas nachlässig, dabei kann sie in der späteren Situation entlasten. Die tägliche Kontrolle entscheidet über das richtige Timing für einen Insolvenzantrag: Wird er zu früh eingereicht, haftet der Geschäftsführer gegenüber den Gesellschaftern für die falsche Entscheidung. Beantragt er die Insolvenz zu spät, haftet er gegenüber dem Insolvenzverwalter wegen Insolvenzverschleppung. Zum eigenen Schutz ist es also wichtig, den richtigen Zeitpunkt genau abzupassen.
  2. BWA und übliche Liquiditätsplanung allein entlasten Geschäftsführung nicht. Die tägliche Überwachung der verfügbaren Liquidität und fälligen Forderungen entscheidet über die Insolvenzreife. Da die betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) die meisten Geschäftsführer erst mit zweimonatiger Verspätung erreicht und sie auf die steuerliche Abschöpfung abzielt, eignet sie sich zur Ermittlung der Insolvenzreife nicht. Daher sollte man sein Augenmerk eher auf die Liquiditätsplanung richten.
  3. Geschäftsführung muss täglich einen Finanzstatus aufstellen. Hierbei handelt es sich um eine Momentaufnahme, der folgende Fragen zugrunde liegen: Wie ist der heutige Stand des Unternehmens? Wie viel Geld steht heute zur Verfügung? Welche Rechnungen müssen heute bezahlt werden? Am einfachsten ist es, hierfür eine T-Tabelle anzulegen.

Sind die fälligen Forderungen kleiner als die liquiden Mittel beziehungsweise liegen sie nur geringfügig darüber, ist ein Unternehmen zahlungsfähig und es besteht keine Insolvenzantragspflicht. Liegen indessen die fälligen Forderungen um 10% höher als die liquiden Mittel, besteht ein Verdacht auf Zahlungsunfähigkeit. Lässt sich dann die Deckungslücke langfristig nicht (mehr) schließen, ist ein Unternehmen im Sinne der Insolvenzordnung zahlungsunfähig.

Tritt die Zahlungsunfähigkeit erst nach der Gesetzesänderung ein, gilt es folgende Punkte zu prüfen:

War das Unternehmen am 27.03.2020 noch zahlungsfähig? Anhand des oben genannten Verfahrens muss geprüft werden, ob das Unternehmen am Stichtag liquide war. Kommt man zu dem Ergebnis, dass die Firma bereits vorher zahlungsunfähig war, bleibt einem keine andere Wahl, als einen Schutzschirm zu beantragen, um das Unternehmen zu retten – Kredite und staatliche Liquiditätshilfen kommen hierfür nicht mehr infrage.

Ist die nach dem 27.03.2020 eintretende Insolvenzursache eine Folge der Covid-Pandemie? Ist die Zahlungsunfähigkeit erst danach eingetreten, ist die Insolvenzantragspflicht bis zum 30.09.2020 ausgesetzt. Ab diesem Zeitpunkt wird die Pandemie grundsätzlich als Insolvenzursache angenommen, sodass der hierfür zu erbringende Nachweis keine Schwierigkeit darstellt.

Alle Unternehmen, die bis zum Stichtag noch nicht zahlungsunfähig waren, müssen keine Insolvenz beantragen und können Liquiditätshilfen und Kredite beantragen. Allen anderen Unternehmen rät Rechtsanwalt Franzke: „Ein Schutzschirmverfahren beziehungsweise eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Auch mit diesem Verfahren lässt sich ein Betrieb noch retten.“

Redaktion im Nirwana

Die klassischen Arbeitswelten befinden sich in einem strukturellen Wandel – weg vom Konferenztisch mit Handouts in Papierform hin zu virtuellen Work Spaces. Die Anforderung: Mehr Mobilität und Transparenz, schnellere Kommunikation und der Wunsch, das Knowhow und den Workforce noch effektiver nutzbar zu machen. GründerMagazin stellt den Aachener „Verlag um die Ecke“ vor.

„Beim Jonglieren unserer Projekte und Tasks müssen wir heute nicht mehr um die Ecke denken – dafür haben wir Taskworld“, bringt Inhaberin und Herausgeberin Birgit Franchy beim „Verlag um die Ecke“ ihre Erfolgsformel auf den Punkt. Seit nunmehr 19 Jahren betreibt Birgit Franchy ihren kleinen Verlag um die Ecke, der unter anderem diverse Familien-Ratgeber und das Aachener Familienmagazin „KingKalli“ im monatlichen Turnus herausgibt. Die Abstimmung mit den bis zu 15 involvierten externen Mitarbeitern und Freelancern forderte den Prozessbeteiligten zwar eine enge Kommunikation, aufwändige Koordination und höhere Dokumentationsanforderungen ab.

Doch der Betrieb und das Arbeitspensum war mit den klassischen Bordmitteln eines regionalen Verlagshauses auch ohne professionelle Redaktions- und Projektmanagement-Systeme noch händelbar. Aber 2016 übernahm die Inhaberin Birgit Franchy mit dem Kultur- und Stadtmagazin „Movie“ dann schließlich ein neues Projekt größeren Umfangs, was auch die Einbindung von 10 neuen Mitarbeitern und eine zuverlässige und effiziente Projekt-Koordination erforderte. „Mir war schon von Beginn an klar, dass sich ein neues Projekt dieser Größenordnung auf Basis der bisherigen Organisationsstrukturen schlicht nicht realisieren lässt“, erläutert Birgit Franchy. Sie sich daher nach einem professionellen Tool um, das die komplexen Abstimmungsprozesse im Projektteam erleichtert und bei allen Projektbeteiligten Transparenz über Projektfortschritte, Verantwortlichkeiten und Fristen schafft.

Schwierigkeiten bei der Arbeitsorganisation

Laut einer aktuellen Unternehmensbefragung der KFW Bankengruppe zur „Digitalisierung im Mittelstand 2017“ haben 33 Prozent der deutschen Unternehmen noch Schwierigkeiten bei der Anpassung der Arbeitsorganisation auf eine stärker digitalisierte Arbeitsweise. Ein Grund: Statt mit einer zentralen Plattform für Task-Management, Team-Kommunikation und Projektmonitoring zu arbeiten, jongliert die Mehrzahl der deutschen Betriebe heute mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Lösungen, um die eigene Arbeitsorganisation zu vereinfachen, wie E-Mail-Client, Projektmanagement-Software, Collaboration-Software, Konferenz-Systeme, Instant Messaging Dienste, ERP-Software oder Office-Tools wie Excel.

Die Qual der Wahl

Auf konkrete Empfehlungen im Bekanntenkreis konnte das Team um Birgit Franchy nicht zurückgreifen. Die Recherche nach geeigneten Lösungen erfolgte daher zunächst in Eigenregie über das Internet. So wurde zunächst eine Projektmanagement-Lösung speziell für die Verlagsbranche auf ihre Eignung hin geprüft, schaffte es jedoch nicht über die Präsentationsphase hinaus in die engere Wahl. Die neue Lösung sollte intuitiv bedienbar sein und einen Zugriff über Webbrowser oder Mobile-App erlauben. Der Vorteil: so dass Projektbeteiligte oder neue Mitarbeiter konnten schnell und ohne lange Einarbeitung mit dem System produktiv arbeiten.

Schließlich testete Birgit Franchy die Projektmanagement-Lösungen Trello und Taskworld, die dem Anforderungsprofil von am nächsten kamen. Die Lösungen sind mit ihren individualisierbaren Projekt-Listen und Task-Boards im Kanban-Stil sehr ähnlich aufgebaut. Entscheidend für Franchy waren aber am Ende diverse Komfort-Funktionen wie die übergeordnete Kalenderansicht, die Möglichkeit, Projekte komfortabel auch über längere Zeiträume anzulegen und etwa wiederkehrende Abläufe per drag&drop auf einfache Weise zu duplizieren. „Die Arbeitsweise ist in Taskworld unterm Strich einfach besser gelöst, was für uns am Ende den Ausschlag gab“, resümiert Birgit Franchy den Entscheidungsprozess.

Arbeitsprozesse komplett durchorganisiert

Seit Ende 2016 bewährt sich die neue Lösung im Tagesgeschäft beim Verlag Um die Ecke.

Auch nach einem Jahr im Praxiseinsatz zeigt sich die Verlagschefin mit der Entscheidung, Taskworld als zentrales Projektmanagement-Tool zur Unterstützung der Arbeitsorganisation zu nutzen. Dokumente, an denen gerade gearbeitet wird, können direkt hochgeladen, mit den Prozessbeteiligten geteilt und mit Tasks, Fristen oder Prioritäten versehen werden. Liegen dann im Ergebnis die bearbeiteten Texte vor, werden diese einfach „rübergeschoben“ in den Korrektur- und später in den Grafik-/Layout-Ordner, wo die jeweiligen Mitarbeiter über entsprechende Workflows in den Prozess mit eingebunden werden. So wird jeder einzelne Arbeitsschritt durchorganisiert, ohne dass etwas vergessen oder übersehen wird, bis jeder einzelne Task des Projektes abgearbeitet ist. „Sämtliche Prozessschritte sind für jeden Prozessbeteiligten dabei jederzeit nachvollziehbar und transparent. Damit können wir den gesamten Hefterstellungsprozess steuern, auch ganz ohne eigenständiges Redaktionssystem“, so Birgit Franchy. Ihr Fazit: „Die smarte Projektsteuerung und Arbeitsorganisation erlaubt uns eine hohe Arbeitsproduktivität, was die Basis dafür bildet, heute das doppelte Arbeitspensum zu leisten und unsere Projekte sehr strukturiert zu realisieren.“

Info-Kasten

Warum sollten Abteilungen und Arbeitsgruppen heute zu virtuellen Teams werden? Der Vorteil der Virtualisierung von Tätigkeiten – nicht nur außerhalb fester Arbeitsstrukturen – liegt vor allem in der Fähigkeit, für jeden Prozessbeteiligten „gläserne“ Prozesse zu schaffen sowie Planungs- und Steuerungsmechanismen besser handhabbar zu machen. Aufgaben und Meilensteine lassen sich per Mausklick erstellen, beliebigen Mitarbeiter zuweisen, mit Fristen versehen oder mit Dokumenten verknüpfen, so dass jeder Prozessbeteiligte weiß, wer was wann zu tun hat. Fällt ein Mitarbeiter krankheitsbedingt aus, wird die Aufgabe per Drag+Drop einfach einem anderen Mitarbeiter zugeordnet. Aufgaben geraten nicht wie so häufig in der Email-Flut in Vergessenheit und Mitarbeiter können ihre Tasks jederzeit über Priorisierungen, Rückmeldungen oder Delegierungen organisieren, so dass „Arbeits-Peaks“ oder Fristüberschreitungen wirksam vermieden werden.

Taskworld wurde im Jahr 2012 in New York, USA, von Serial-Entrepreneur Fred Mouawad gegründet und ist eine Cloud-basierte Task- und Projektmanagement-Software, die von Tausenden von Solo-Nutzern, Teams und Firmen in mehr als 80 Ländern genutzt wird. Taskworld kombiniert visuelles Task-Management, Team-Kommunikation sowie Projektmanagement in einer vollständig integrierten, leistungsstarken Web- und Mobile-App. Unter dem Dach der Taskworld Deutschland GmbH in Berlin bündelt das Unternehmen die Bereiche Support, Partnerbetreuung, Beratung und Vertrieb für das gesamte Europa-Geschäft.

Smartes Food-Start-up

Mit Mahlzeiten in Getränkeform will das Münchener Food-Start-up YFood im Food-Markt punkten. Ein französischer Investor steigt jetzt mit großen Ambitionen ein. Doch das Geschäft im Regal ist hart umkämpft.

Wieder mal zu oft den Snooze-Button gedrückt und ohne Frühstück aus dem Haus gestürzt? Mit knurrendem Magen von Termin zu Termin gehetzt oder stundenlang ohne Pause an den Schreibtisch gefesselt? Das ging YFood-Gründerteam Noël Bollmann (25) und Benjamin Kremer (28) gehörig auf den Nerv. Statt ausgewogener Ernährung gehören Döner, Schokoriegel und Co. zu den besten Freunden vieler Hipster.

Leider auch den YFood-Gründern. „Vor YFood waren wir in der Finanzindustrie tätig und einem sehr stressigen Arbeitsalltag ausgesetzt. Ungesundes Fast Food stand bei uns an der Tagesordnung“, so die Food-Start-ups. Als nach einiger Zeit ihre Gesundheit darunter zu leiden begann beschlossen sie nach Lösungen zu suchen. „Wir wollten uns einfach nicht damit abfinden, dass schnelles Essen immer ungesund sein muss. Wir kündigten beide unsere Jobs und widmeten uns unserem neuen Projekt mit voller Leidenschaft.“ Gemeinsam mit führenden Lebensmitteltechnologen entwickelten sie monatelang ein Getränk, das Abhilfe schaffen sollte: Eine vollwertige, ausgewogene Mahlzeit in Getränkeform, die den Hunger ohne Mittagstief stillt und den Körper mit konstanter Energie versorgt: YFood war geboren.

Food-Start-up auf der Überholspur

Jetzt erhalten die beiden Gründer Benjamin Kremer und Noel Bollmann schon einmal Unterstützung von Investoren. 4,2 Millionen Euro fließen von Risikokapitalgebern. Angeführt wird die Runde von dem französischen Investor Five Seasons Ventures und der amerikanische Kapitalgeber New Ground Ventures. Der hatte vor einem Jahr einen Fonds über 60 Millionen Euro geschlossen, mit dem gezielt in junge europäische Lebensmittel-Start-ups investiert werden soll.

Unter anderem Nestlé hatte dabei Geld eingezahlt. Inzwischen gibt es YFood seit einem knappen Jahr und wir zählen zufriedene Kunden in über 25 Ländern Europas. Vom gestressten Außendienstler, über den OP-Arzt, bis hin zum Investment-Banker – alle vereint durch den Wunsch nach einer gesunden, erschwinglichen Ernährung an hektischen Tagen. „Um YFood so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen, sind wir mittlerweile ebenfalls im stationären Handel verfügbar. In Deutschland und Österreich schmücken wir die Regale von Rewe, Kaufland, Globus, tegut.., HIT und Müller“, berichtet das Duo stolz. In Zukunft wollen sie weiter ihre Produktpalette ausbauen und damit die Food-Branche grundlegend umkrempeln. Ob Banane, Apfel-Zimt oder eine Beerenmischung: Mit einem halben Liter Flüssigkeit will das Start-up YFood den Hunger für drei bis fünf Stunden stillen. Mit diesem Konzept konkurriert das Münchener Unternehmen mit jungen und etablierten Wettbewerbern um die Gunst von gestressten Berufstätigen – und um wertvolle Regalmeter in Supermärkten.

yfood Produkt

Riegel und Pulver

Mit dem ehrgeizigen Partner an der Seite will YFood nun in den Heimatmärkten punkten und zudem international wachsen. Für eine erste Orientierung war dabei die Teilnahme am US-Programm des German Accelerators hilfreich. Zudem sollen neben den Getränken auch Riegel und Pulver zur Produktpalette kommen. Damit erweitert YFood sein Geschäft, trifft allerdings auch dort auf große Konkurrenz, insbesondere von Anbietern für Fitness-Ernährung. Das Team soll im Laufe des Jahres von aktuell 35 auf über 60 Mitarbeiter anwachsen. Man sei begeistert von dem Engagement der Gründer auf dem „großen, aber unerschlossenen deutschsprachigen Markt“, heißt es vonseiten des französischen Risikokapitalgebers. Gegründet wurde YFood vor zwei Jahren – heute ist man nach eigenen Angaben bereits in 6000 Supermärkten und Drogerien vertreten. Laut Five Seasons Ventures wurden bereits zwei Millionen Drinks verkauft.

Neues Flugtaxi am Himmel

Das bayerische Start-up Lilium will einen Flugtaxiservice per App anbieten. Der vollelektrische Lilium Jet hat jetzt seinen Erstflug absolviert. Nun sollen weitere Testflüge stattfinden. Die Gründer-Crew plant, schon ab 2025 in mindestens zwei Städten einen kommerziellen Flugtaxibetrieb anzubieten. Gründermagazin hat exklusiv hinter die Lilium-Kulissen geschaut.

Wir haben einen riesigen Schritt für die Realisierung einer individuellen urbanen Flugmobilität“, so Lilium-Firmengründer Daniel Wiegand in weniger als zwei Jahren sei es gelungen, „ein Luftfahrzeug zu entwerfen, zu bauen und erfolgreich zu fliegen, dass uns nun als Grundlage für die geplante Massenproduktion dienen wird“. Tendenziell sei das Flugzeug „günstiger als ein Hubschrauber, weil fast keine Mechanik drinsteckt und es nur ein Zehntel der Energie verbraucht“.

Der Lilium Jet ist eines von nahezu unüberschaubar vielen Projekten im Bereich der Elektroflugzeuge. Die Unternehmensberatung Roland Berger schätzt, dass Firmen seit 2009 die Entwicklung von etwa 100 solcher Maschinen weltweit angekündigt haben. Alleine 2017 sind demnach etwa 40 neue Vorhaben hinzugekommen. Lilium jedoch glaubt, einen Entwurf gefunden zu haben, der den anderen technisch überlegen ist und das Einsatzgebiet dramatisch erweitert: Der Lilium Jet soll innerhalb von Großstädten, aber auch für Regionalflüge eingesetzt werden. Das erst 2015 gegründete Unternehmen beschäftigt derzeit rund 300 Mitarbeiter. Wiegand kündigte an, vier Fabriken und einige Hundert Stellen in Deutschland aufzubauen.

Der chinesische IT-Konzern Tencent und andere Investoren wie die Investmentgesellschaften Atomico von Skype-Gründer Niklas Zennström und Freigeist Capital des Investors Frank Thelen haben Lilium bereits mehr als 100 Millionen US-Dollar (aktuell 89,3 Mio. Euro) zur Verfügung gestellt. „Ein Börsengang wäre ein interessanter Weg für uns, aber heute ist das noch überhaupt kein Thema“, sagte Wiegand. Zwar seien weitere Finanzierungsrunden nötig, das Geld reiche nicht bis 2025, aber das sei kein Problem, denn „unsere Investoren sind begeistert, es kommen auch neue dazu“.

Auch andere Unternehmen arbeiten an ähnlichen Flugzeugen. Das Karlsruher Start-up Volocopter hat beispielsweise schon seit 2016 die deutsche Verkehrszulassung für ein zweisitziges elektrisches Flugtaxi. Anfang Mai hat der elektrische City- Airbus des Flugzeugbauers Airbus seinen Erstflug geschafft, auch der US-Konkurrent Boeing arbeitet an einem autonomen

Preise wie mit einem Taxi

Das Flugzeug mit 36 elektrischen Jet-motoren in den Tragflächen sei leise und„wird mit 300 Stunden kilometern eine Stunde lang fliegen können“, sagte Wiegand über den fünfsitzigen Lilium Jet. „Tendenziell ist das Lilium-Flugzeug günstiger als ein Hubschrauber, weil fast keine Mechanik drinsteckt und es nur ein Zehntel der Energie von 2.000 PS verbraucht.“ Mit 300 Stundenkilometern könne man eine Stunde lang fliegen. Passagiere sollen über eine App den nächstgelegenen Landeplatz finden und die Reise planen können. Damit sei der Lilium Jet „sehr effizient“, der Energieverbrauch entspreche dem eines Elektroautos über die gleiche Strecke. So könne man nicht nur Vororte an Stadtzentren und Flughäfen an Hauptbahnhöfe anbinden, sondern auch bezahlbare Hochgeschwindigkeitsverbindungen über ganze Regionen hinweg bereitstellen.

In Fachartikeln wurde allerdings schon wiederholt in Frage gestellt, ob die angestrebten Zielparameter des Lilium Jets mit heutiger oder in naher Zukunft erreichbarer Batterietechnologie technisch realisierbar sind: Der Journalist Eric Adams vertrat 2016 in einem Artikel des Magazins Wired den Standpunkt, dass entweder nur eine deutlich geringere Reichweite möglich ist, oder wesentlich schwerere Batterien nötig seien. Im August 2018 erschien im selben Magazin ein Artikel, der vorrechnete, dass unter den gegebenen Randbedingungen nur wenige Minuten Nettoflugzeit verfügbar wären. Laut

Wikipedia bezeichnete im US-Magazin The Drive im Oktober 2018 der Journalist Eric Adams das Konzept als „weit jenseits der Möglichkeiten, die über 100 Firmen bei ihren Versuchen, ein Elektroflugzeug zu entwickeln, bisher erreicht hätten.“Bei den Testflügen wird der Prototyp ferngesteuert, im Betrieb soll er zunächst von Piloten geflogen werden. „Das vereinfacht die Lizenzen und Zulassungen“, sagte Wiegand. „In zehn Jahren vielleicht soll es aber auch autonom fliegen können.“ Von Audi sei der ehemalige Leiter des autonomen Fahrens zu Lilium gewechselt. Zusätzlich gab Lilium auch die Einstellung von drei neuen Führungskräften, darunter Carlos Morgado, ehemaliger Chief Technology Officer (CTO) von Just Eat, Anja Maassen van den Brink als Chief People Officer und Luca Benassi als Chief Development Engineer verpflichtet. Benassi verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Luft- und Raumfahrtbranche. Zuletzt war er nach Tätigkeiten bei der NASA und Boeing als Senior Expert und Head of Acoustics and Vibration bei Airbus tätig.Das Unternehmen will alle Maschinen selbst betreiben. „Dass wir das Flugzeug an reiche Privatleute oder Firmen verkaufen, schließe ich aus“, sagte Wiegand. Ziel sei, dass viele Bürger Flüge „für Preise wie mit einem Taxi“ buchen. Indes: Trotz Brexit wollen die Münchener ihre Software-Engineering-Basis tatsächlich in London aufbauen. Vielleicht sollte das Lilium-Team darüber nochmals ein Brainstorming veranstalten.

Lilium-Firmengruender Daniel Wiegand
Lilium-Firmengruender Daniel Wiegand

Zulassung und Reichweite

2024 will lilium die zulassung der Flugsicherheitsbehörden bekommen. doch bis dahin ist es noch ein langer weg. Für die erste Version mit piloten sind keine aufwändigen Regeländerungen nötig, es gelten im wesentlichen die Gesetze für Hubschrauber und Flugzeuge. das vollautonome Fliegen ist hingegen noch wirkliche zukunftsmusik, zu viele Fragen rund um Flugsicherung sind ungeklärt. Vorerst steht aber sowieso etwas anderes im Vordergrund: emissionsfreies Fliegen. „das Flugzeug ist hinsichtlich der Anteile am Gesamtgewicht quasi eine fliegende Batterie“, verrät Gründer wiegand. die zellen stammen von lieferanten, aber der Batteriepack ist eine interne Entwicklung. „Er ist extrem leicht und hat viele zellen. das ermöglicht uns große Reichweiten“, sagt er.

Die Batterie an Bord hat eine Leistung von mehr als einem megawatt, Genaueres will wiegand aber nicht verraten. Sie soll groß genug sein für sieben bis acht kurze Flüge innerhalb einer Großstadt, vier bis fünf minuten ladezeit seien dann für 60 bis 70 Kilometer zusätzliche Reichweite nötig. „in der praxis wird es keine wartezeiten wegen des Aufladens geben und auch keine Batteriewechsel“, so Wiegand.

Das Recht der Limited

Die britische Kapitalgesellschaft „Private Company Limited by Shares“, besser bekannt als Limited, war über viele Jahre hinweg eine beliebte Option für Gründer in Deutschland. Mit geringen Gründungskosten, schneller Registrierung und beschränkter Haftung versprach diese Rechtsform viele Vorteile. Doch seit dem Brexit hat sich das rechtliche Umfeld erheblich verändert. Welche Möglichkeiten bestehen noch, und welche Alternativen gibt es für deutsche Unternehmer?

Was ist eine Limited?

Die Limited ist eine Kapitalgesellschaft nach britischem Recht, die vergleichbare Eigenschaften mit einer deutschen GmbH teilt, sich aber durch einige wesentliche Merkmale abhebt:

  1. Niedrige Anforderungen an das Startkapital: Bereits ein britisches Pfund genügt, um eine Limited zu gründen.
  2. Beschränkte Haftung: Gesellschafter haften nur in Höhe ihrer Einlagen, was die persönliche Haftung reduziert.
  3. Einfache und schnelle Gründung: Der Eintrag ins britische Handelsregister erfolgt online und ohne Notartermine.
  4. Internationale Einsetzbarkeit: Die Rechtsform eignet sich besonders für Unternehmen mit grenzüberschreitendem Fokus.

Vor dem Brexit konnten deutsche Gründer diese Vorteile dank der EU-weiten Niederlassungsfreiheit auch in Deutschland voll nutzen.

Veränderungen durch den Brexit

Mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union haben sich die Rahmenbedingungen für britische Gesellschaften erheblich geändert.

1. Anerkennung eingeschränkt

Die Niederlassungsfreiheit, die Unternehmen erlaubte, britische Gesellschaften problemlos in Deutschland zu betreiben, ist entfallen. Für Limiteds bedeutet dies, dass sie nicht mehr automatisch als Kapitalgesellschaften anerkannt werden.

2. Haftungsfragen

In Deutschland ansässige Limiteds riskieren, als Personengesellschaften wie eine GbR oder OHG eingestuft zu werden. Dadurch können Gesellschafter persönlich mit ihrem Vermögen haften.

3. Doppelter Verwaltungsaufwand

Unternehmen, die als Limited agieren, müssen sowohl britische als auch deutsche Vorschriften einhalten. Dazu zählen die Einreichung von Jahresabschlüssen in Großbritannien und zusätzliche Anforderungen in Deutschland.

4. Umwandlungsbedarf

Viele Unternehmer haben ihre Gesellschaftsform geändert, um den rechtlichen Unsicherheiten zu entgehen. Die häufigsten Alternativen sind die Gründung einer GmbH oder UG.

Vorteile der Limited

Auch nach dem Brexit gibt es Szenarien, in denen die britische Gesellschaftsform sinnvoll sein kann:

  • Geringe Gründungskosten: Ideal für Start-ups mit kleinem Budget.
  • Flexibilität bei internationalen Geschäften: Besonders attraktiv für Unternehmen, die auch in Großbritannien oder global tätig sind.
  • Schnelligkeit: Die Registrierung erfolgt digital und spart Zeit im Vergleich zu deutschen Verfahren.

Nachteile und Herausforderungen

Für Unternehmen, die ausschließlich in Deutschland tätig sind, überwiegen jedoch die Nachteile:

  1. Rechtliche Unsicherheiten: Die Haftungsbeschränkung ist ohne Umwandlung nicht garantiert.
  2. Zusätzliche Bürokratie: Unternehmen müssen Anforderungen in zwei Ländern erfüllen, was Kosten und Aufwand erhöht.
  3. Eingeschränkte Reputation: In Deutschland wird die Limited oft als weniger seriös angesehen, was das Vertrauen von Banken und Geschäftspartnern beeinträchtigen kann.

Alternativen zur Limited

Deutsche Unternehmer haben zahlreiche Alternativen, die sicherer und einfacher zu handhaben sind:

1. UG (haftungsbeschränkt): Die Unternehmergesellschaft bietet ähnliche Vorteile wie die Limited, darunter ein geringes Mindestkapital ab einem Euro. Sie ist jedoch speziell auf deutsche Gegebenheiten ausgelegt.

2. GmbH: Die GmbH ist eine etablierte Gesellschaftsform in Deutschland und überzeugt durch ihre Seriosität. Trotz der höheren Kapitalanforderungen (25.000 Euro) bietet sie langfristig mehr Vertrauen und Stabilität.

3. Einzelunternehmen: Für kleinere Vorhaben ohne komplexe Geschäftsstrukturen kann ein Einzelunternehmen eine einfache und kostengünstige Wahl sein.

Umwandlung bestehender Limiteds

Für Unternehmer, die ihre britische Gesellschaft in Deutschland weiterführen möchten, ist die Umwandlung in eine deutsche Rechtsform der sicherste Weg. Der Prozess umfasst:

  1. Beratung durch Experten: Ein Anwalt oder Steuerberater kann den Wechsel reibungslos gestalten.
  2. Gründung einer neuen Gesellschaft: Meist erfolgt die Umwandlung in eine UG oder GmbH.
  3. Übertragung von Vermögen und Verbindlichkeiten: Alle rechtlichen und finanziellen Verpflichtungen der Limited gehen auf die neue Gesellschaft über.
  4. Abwicklung der ursprünglichen Limited: Sobald die Umwandlung abgeschlossen ist, wird die alte Gesellschaft formell liquidiert.

Schlussbetrachtung

Die britische Gesellschaftsform ist für deutsche Gründer nach dem Brexit weniger attraktiv geworden. Für Unternehmen mit lokalem Fokus bieten die UG oder GmbH rechtliche Sicherheit und mehr Vertrauen bei Geschäftspartnern. Internationale Geschäftsmodelle können jedoch weiterhin von der Flexibilität und den geringen Einstiegshürden der Limited profitieren.

Eine umfassende rechtliche Beratung ist in jedem Fall entscheidend, um die beste Entscheidung für Ihre Unternehmensziele zu treffen.

Erfolgreich mit Schülerhilfe

Schülerhilfe-Partnerin Katharina Wind realisiert in kürzester Zeit ihre erfolgreiche Selbständigkeit im System. Franchising.mag hat sie getroffen.

Eine der erfolgreichsten jungen Partner/innen des Franchise-Systems Schülerhilfe ist derzeit Katharina Wind (30) aus Troisdorf, am Rande des Siebengebirges zwischen den Metropolen Köln und Bonn gelegen. Sie entschied sich 2016 für das Franchise-System Schülerhilfe, um als selbstständige Unternehmerin ein attraktives Einkommen zu erzielen und gleichzeitig einen sinnstiftenden gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Denn wie sie recherchierte, gehört der Nachhilfesektor zu einem Markt, der ein enormes Wachstumspotenzial bietet. Schon jeder vierte Schüler in Deutschland und Österreich erhält mittlerweile Nachhilfe, und die Nachfrage nach qualifizierter Bildung und effizienter Nachhilfe steigt.

„Viele Kinder kommen im Unterricht nicht mit oder ihnen fehlt die richtige Anleitung, besonders in Mathematik“, berichtet Wind aus der Praxis. Gute Voraussetzungen also, um gemeinsam mit über 350 Partnern an über 1.000 Standorten in Deutschland den Erfolg im System zu suchen. Denn die Marke „Schülerhilfe“ ist mit einem Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent eines der führenden Systeme im Nachhilfesektor. Zudem verspricht das Unternehmen, dass engagierte Partner bereits im dritten Geschäftsjahr einen Ertrag von über 100.000 Euro erzielen können.

Mit aktuell schon zwei Standorten in Rösrath und Bonn-Duisdorf freut sich Wind heute über ihren Entschluss, den Schritt in die Selbständigkeit gewagt zu haben. Die Troisdorferin studierte nach ihrem Abitur in Bonn Psychologie, erlangte 2014 ihren Abschluss als Master of Science im besagten Fach und arbeitete danach zunächst als Projektleiterin für Berufswahlorientierung an Schulen im Rhein-Erft-Kreis. Nach Auslauf dieser befristeten Stelle bewarb sie sich anschließend auf verschiedene Job-Angebote, unter anderem auch beim Lebensmitteldiscounter Aldi. Letztendlich kam aber der Wunsch nach der Selbstständigkeit, den Wind schon zu Studienzeiten hegte, wieder auf und so suchte sie nach Alternativen.

Eher zufällig stieß die Troisdorferin im Internet auf den Bereich „Franchise“ und als eines der erfolgreichsten Franchise-Unternehmen auf die Schülerhilfe. Durch ihre bereits gesammelte Erfahrung im pädagogischen Bereich schloss sie diese Möglichkeit nicht aus und kontaktierte die die Schülerhilfe zwecks erster Infos. „Und dann ging alles ziemlich schnell“, kommentiert Wind. Der unkomplizierte Kontakt zur Zentrale des Gelsenkirchener Franchise-Unternehmens gab schnell den Weg frei, eine passende Location in Rösrath stand schon leer und war sofort verfügbar, was letztendlich die Hauptgründe für ihre damalige Entscheidung waren.

Nun galt es natürlich noch ein paar Hürden im Gründungsgeschehen zu nehmen, die mit Unterstützung aus Gelsenkirchen und durch besonderen, persönlichen Einsatz jedoch problemlos überwunden werden konnten. Denn: „Selbst die beste Planung kann nicht alle Eventualitäten vorhersagen. Daher war es mir wichtig, auf den reichen Erfahrungsschatz eines etablierten Systems zurückgreifen zu können.“ Durch ihr Studium waren ihr einige betriebswirtschaftliche Zusammenhänge bereits klar. Winds Expertise in Sachen Kalkulieren und Programmieren machten sich hier außerdem extrem bezahlt: In kürzester Zeit erstellte sie mit den Unterlagen der Schülerhilfe-Zentrale selbständig einen tauglichen Businessplan zur Vorlage bei der Bank und sparte sich so den Finanzierungsberater. Die örtliche Wirtschaftsförderung und die Kreissparkasse, wo die zuständige Beraterin bereits zuvor schon einmal ein Projekt „Schülerhilfe“ finanziert hatte, waren schnell überzeugt.

Das Unternehmerschicksal nahm jetzt seinen Lauf. „Das war schon ein bisschen verrückt“, erinnert sich Wind heute, die so immerhin ein Investment von fast 60.000 Euro gestemmt hatte. Ab der Finanzierungszusage wurden dann mit Unterstützung der Familie die Räumlichkeiten in Eigenleistung innerhalb von sechs Wochen umgebaut, renoviert und eingerichtet. Kaum ein halbes Jahr dauerte also insgesamt die Vorbereitung von erster Kontaktaufnahme bis zur Eröffnung, die am 1. Oktober 2016 stattfand. Seitdem haben Katharina Wind und ihr Team in Rösrath schon einigen Schülerinnen und Schülern wieder zu schulischem Erfolg verholfen. Zu Spitzenzeiten waren bereits im dritten Geschäftsjahr über 100 Schüler/innen zum Unterricht angemeldet. „Da geht noch ein bisschen was“, ist sich Wind sicher.

Nachdem Rösrath gut angelaufen war, sei es der jungen Unternehmerin „fast ein wenig langweilig“ geworden. Anfang des Jahres ergab sich dann die Gelegenheit, einen zweiten Standort von einer langjährigen Franchise-Partnerin zu übernehmen. Eine gute Gelegenheit, befand sich der Standort doch im beliebten Bonner Stadtgebiet. Auch hier standen umfangreiche Renovierungsarbeiten und die Erstellung eines Businessplans auf der Agenda, doch konnte Wind ja nun bereits auf Erfahrung zurückgreifen. Seit Juli 2019 leitet sie nun ihren zweiten Schülerhilfe-Standort in Bonn-Duisdorf. „Die Schülerhilfe war für mich die Gelegenheit, in kürzester Zeit sehr erfolgreich zu sein. In keinem anderen Job in meinem ursprünglichen Bereich hätte ich mich derart selbst verwirklichen können.“

Katharina Wind hat es geschafft, auch entgegen einiger Skeptiker aus ihrem Umfeld, mit ihrem Engagement zwei erfolgreiche Unternehmensstandorte zu gründen. Allen, an der Selbstständigkeit Interessierten, rät sie, sich stets treu zu bleiben und „unbedingt aufs Bauchgefühl zu hören“! Sollte es keine unvorhergesehene Katastrophe geben, so schließt sie einen dritten Standort in den nächsten Jahren nicht aus.

Die richtige Unternehmensform

Ein Überblick:

Die Wahl des Unternehmenstyps folgt verschiedenen Kriterien. Je nach Unternehmensgröße und Kapital kommt ein Einzelunternehmen, eine Personengesellschaft oder eine Kapitalgesellschaft in Betracht.

Die Unternehmensform ist abhängig vom Kapital. Für die Gründung einer GmbH, also einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, werden beispielsweise 25.000 € Stammkapital und für eine AG, also eine Aktiengesellschaft, sogar 50.000 € Kapital benötigt.

Ein Einzelunternehmen und Personengesellschaften hingegen braucht kein Startkapital nachweisen.

Zu den Personengesellschaften zählen die Personengesellschaften sowie die Personenhandelsgesellschaften:

  1. GbR – Gesellschaft bürgerlichen Rechts: Personengesellschaft, perfekt für Starter und Kleingewerbetreibende unter einem Jahresumsatz von 22.000 €.
  2. KG – Kommanditgesellschaft: Die KG ist wie die OHG eine Handelsgesellschaft – nur Gründerteams die ein Gewerbe betreiben, können daher eine KG gründen. Im Unterschied zur GbR ist die persönliche Haftung auf den Komplementär beschränkt, der Kommanditist haftet nur mit seiner Kapitaleinlage.
  3. OHG – Offene Handelsgesellschaft: Die OHG ist ebenfalls eine Handelsgesellschaft und muss sich daher ins Handelsregister eintragen lassen.
  4. Partnergesellschaft: Die Partnergesellschaft eignet sich als Zusammenschluss von Freiberuflern.

Die Kapitalgesellschaft

Der Vorteil einer Kapitalgesellschaft liegt darin, dass die Haftung auf das Firmenvermögen beschränkt ist. Kapitalgesellschaften zeichnen sich durch folgende Kriterien aus: Mindestkapitaleinlage für die Gründung erforderlich, Beschränkte Haftung auf das Firmenvermögen, Rechtliche Selbstständigkeit als juristische Person und Vertretung durch den Geschäftsführer / Vorstand.

Als Kapitalgesellschaft gelten folgende Unternehmensformen:

  1. UG – Unternehmergesellschaft: Prinzipiell ist eine UG eine Sonderform der GmbH. Mit dem Unterschied, dass zur Gründung nicht 25.000€, sondern nur 1€ nötig sind.
  2. GmbH – Gesellschaft mit beschränkter Haftung: Die GmbH gilt als klassische Kapitalgesellschaft mit einer Mindestkapitaleinlage von 25.000€.
  3. AG – Aktiengesellschaft: Die Aktiengesellschaft ist der geeignete Unternehmenstyp für börsennotierte Unternehmen. Das Mindestkapital beträgt 50.000€.

Warum Gründer sich spezialisieren sollten

Soll ich mich als Gründer möglichst breit aufstellen um viele Marktteilnehmer anzusprechen? Oder hängt der Erfolg meines Unternehmens von der richtigen Spezialisierung ab? Schon die Fragen muten seltsam an spricht man mit Verfechtern der Engpass konzentrierten Strategie EKS. Einer Managementlehre, die sich ganz der professionellen Spezialsierung verschrieben hat. Unser Gründermagazin-Experte Emil Hofmann hat sich auf den Weg in das unterfränkische Giebelstadt gemacht und sich dort mit Udo Vonderlinden unterhalten, Berater und Coach für Internetmarketing, Mitgründer der Werbeagentur medioton und ordentliches Mitglied der Beratergruppe Strategie e. V.

GM: Gründer sind beseelt von ihren Leistungen und Produkten. Sie sollen nun bei der Markteroberung helfen. Welche Fragen stellen Sie dem Jungunternehmer als erste?

Udo Vonderlinden: Ganz klar die nach seinen erklärten Wunschkunden. An der Art wie mein Gegenüber mit dieser wichtigen Frage umgeht, erkenne ich schnell wes Geistes Kind er oder sie ist.

GM: Die Frage nach der Zielgruppe ist nicht gerade neu bzw. eher banal, oder?

Udo Vonderlinden: Sollte man meinen. Allerdings haben gerade Gründer oft vom Bankkredit über die Steuererklärung bis hin zur eigenen Leistung alles im Blick, nur nicht den individuellen Zielmarkt. Irgendwie ist das verständlich, genauer betrachtet aber ebenso absurd. Denn es sind ausschließlich die zahlenden Kunden, die über die unternehmerische Existenzberechtigung entscheiden. Und Kunden überzeuge ich am besten durch einen klaren Nutzen, den ich mit meiner Leistung stifte und kommunizieren kann.

GM: Warum empfehlen Sie dabei die Spezialisierung auf ein Kompetenzfeld? Ist es in der Gründungsphase nicht sinnvoll das eigene Angebot breit zu definieren, dass möglichst viele Kunden auf mich und meine Leistung aufmerksam werden?

Udo Vonderlinden: Es geht gar nicht um ein spezielles Kompetenzfeld. Spezialisierung oder auch Strategie – im Sinne der EKS, wie sie ihr Begründer Wolfgang Mewes versteht – beschreibt den optimalen Einsatz der eigenen und der aus Kooperationen entstehenden Kräfte. Und zwar zum Nutzen einer definierten Zielgruppe. Wer für seine Kunden subjektiven Nutzen und damit Mehrwert stiftet, vergrößert automatisch die eigenen Marktchancen.

GM: Nun haben ja die Kunden sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Sollen Unternehmer denn ständig dem Markt hinterher laufen?

Udo Vonderlinden: Im Gegenteil, es geht nicht um das passive Nachlaufen sondern um das pro-aktive Innovieren. Wohl die wichtigste Unternehmertätigkeit überhaupt. Sehen Sie sich die Entwicklung mit den Smartphones an. Ich kann mich gut erinnern, als es noch gar keine Handys gab. Wenn Du heute nicht Terminkalender, Kamera, Diktiergerät und Deine komplette Musiksammlung per mobilem Endgerät mit Dir führst, bist Du out.

GM: Das sind doch Extreme. Was ist mit Malern oder Heizungsbauern, ganz normale, bodenständige Berufe. Müssen die auch ständig innovieren.

Udo Vonderlinden: Die Dynamik ist wohl eine andere, aber selbstredend müssen auch diese Unternehmer ständig mit den Bedürfnissen Ihrer Zielgruppen mitwachsen. Nehmen wir Ihren Heizungsbauer Max Muster. Wenn der sich nicht mit Blockheizkraftwerken, Solarthermie oder Fördermöglichkeiten für seine Kunden auseinandersetzt: wie lange glauben Sie wird der sich noch an der Spitze seiner Zunft halten können?

GM: Das klingt nach viel Hektik …

Udo Vonderlinden: Mitnichten. Es gibt nämlich eine „magische Konstante“, die wie ein verlässlicher Fixstern für mein Geschäft genutzt werden kann. Das Zauberwort heißt „konstantes Grundbedürfnis“. Der exemplarische Heizungsbauer darf sich nur nicht singulär als Fachmann für Gasheizungen sehen. Wer den Zielmarkt im Auge hat, der formuliert die eigene Expertise aus Kundensicht und lebt danach. Dann ist der Max Muster in eigener Sicht der Spezialist für „wohlig-warmes Raumklima“. Wenn das sein Selbstverständnis ist, dann ist er der erste, der sich auf der nächsten Messe über neue Entwicklungen in der Solarthermie informiert.

GM: Birgt ein solches Vorgehen nicht die Gefahr sich zu verzetteln? Welchen Tipp geben Sie einem Gründer, der sagt, dass er nicht „auf allen Hochzeiten tanzen“ kann?

Udo Vonderlinden: Dem sage ich, dass er oder sie vollkommen Recht hat. Dort wo ich mit meiner Expertise nicht hin kann oder will, muss ich mir Unterstützung suchen. Die EKS sieht hier Kooperationen vor, sei es im Unternehmen in Form von Mitarbeitern oder Partnern. Oder extern mit anderen Spezialisten. Im Fokus steht immer nur eines: der zufriedene, wenn möglich begeisterte Kunde im Sinne seiner ureigenen Bedürfnisse.

GM: Wie komme ich denn an gute Kooperationspartner? Soll heißen zuverlässige, integere und fachlich versierte Experten, die meine Sprache sprechen und ggf. noch meine Unternehmens-Philosophie teilen?

Udo Vonderlinden: Wichtig bei der Wahl von Kooperationspartnern ist weniger die persönliche oder unternehmerische Freundschaft. Obwohl gute Chemie freilich hilfreich ist. Entscheidend ist, dass man sich fachlich ergänzt und das gleiche Ziel vor Augen hat: den optimalen Kundennutzen. Gerne empfehle ich zu dem Thema das Buch meines Beraterkollegen Christian Görtz „Mehr Umsatz durch Marketing-Kooperationen“, der sich auf rund 140 Seiten ausschließlich und umfassend den Business-Kooperationen annimmt.

GM: Was raten Sie einem Gründer, der jetzt Blut geleckt hat und sich weiter für das Thema EKS interessiert?

Udo Vonderlinden: Da gibt es nur einen Tipp: Der Besuch der EKS Sommerschule. Das Seminar leitet Dr. Kerstin Friedrich, eine ganz außergewöhnliche Beraterkollegin. Nach diesem Wochenende sehen Sie Ihren Business-Alltag und Ihre unternehmerischen Pflichten aus anderen Augen.

Sieben Phasen, EKS für Gründer*

  1. Stellen Sie Ihre eigene Ist-Situation fest und ermitteln Sie eigene Stärken gegenüber dem Wettbewerb.
  2. Erarbeiten Sie Ihr Erfolg versprechendstes Geschäftsfeld. Schnüren Sie aus Ihren speziellen Stärken ein optimales, einzigartiges Nutzenpaket.
  3. Wer ist die Zielgruppe, die zu Ihrem Nutzenpaket am besten passt? Und: Wer passt am besten zu Ihnen im Sinne sozialer Affinität?
  4. Ermitteln Sie den größten Engpass dieser Zielgruppe und versuchen Sie diesen Engpass für den Kunden optimal zu lösen.
  5. Innovation: Ihre intensive Arbeit mit dem Kunden zeigt neue Engpässe auf. Deren erneute Lösung stiftet weiteren Nutzen, macht den Kunden erfolgreicher und führt zu einem engen Vertrauensverhältnis.
  6. Die Konzentration auf die eigene Expertise macht in der Regel Kooperationen notwendig, um neu auftretende Kunden-Engpässe zu lösen. Suchen Sie hierzu Partner und achten Sie darauf nur synergetische Kooperationen einzugehen.
  7. Sobald das konstante Grundbedürfnis Ihrer Zielgruppe umfassend und dauerhaft gelöst ist: Systematisieren Sie Ihre Lösungskompetenz und ermitteln Sie neue Zielgruppen.

*Die sieben Phasen der Engpass konzentrierten Strategie beschreiben einen Prozess, den zu durchlaufen eine dauerhafte Unternehmer-Aufgabe darstellt.

Gründerpreis NRW 2019: Internet der Dinge

Insgesamt 60.000 Euro Preisgeld erhalten PHYSEC, Ch. Batsch und StoneTec.

Zum achten Mal haben das Wirtschafts- und Digitalministerium und die NRW.BANK den mit insgesamt 60.000 Euro dotierten GRÜNDERPREIS NRW 2019 für besonders innovative und kreative Geschäftsideen vergeben. Die drei Sieger: Die Kryptographie-Experten PHYSEC aus Bochum setzen sich gegen starke Konkurrenz durch. Ch.Batsch Verfahrenstechnik aus Meckenheim belegt den zweiten Platz, der Fliesenlegebetrieb StoneTec aus Bocholt wird Dritter.

Die PHYSEC-Gründer Dr. Heiko Koepke und Dr. Christian Zenger können sich über ein Preisgeld von 30.000 Euro freuen. Die IT-Experten entwickeln sichere Lösungen im Internet der Dinge (eng. Internet of Things, IoT) und bieten unter anderem eine Security-Plattform an. Eine echte Erfolgsgeschichte: 2016 gegründet, beschäftigt das Unternehmen heute bereits mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben dem starken Wachstum hat die Jury vor allem beeindruckt, dass auch Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen ihre Fähigkeiten in das multikulturelle Team einbringen. Die Frage erhebt sich allerdings, was in diesem Zusammenhang Multikulti und Inklusion in der Bewertung zu suchen hat.

Platz zwei und 20.000 Euro Preisgeld sichert sich die Ch.Batsch Verfahrenstechnik aus Meckenheim. Das Unternehmen um Gründerin Christine Batsch ist spezialisiert auf den Bau und die Entwicklung von Destillationsanlagen für Lösungsmittel. Außerdem werden Reinigungsanlagen für die metallverarbeitende Industrie gefertigt. Diese verbrauchen deutlich weniger Energie als viele vergleichbare Anlagen am Markt und helfen dabei, Ressourcen zu schonen.

StoneTec aus Bocholt, landete auf Platz drei. Der Fliesenlegebetrieb aus dem Münsterland nutzt Virtual-Reality-Technologie bei der Projektplanung mit seinen Kunden. Gleichzeitig gehen die Gründer Tim Dunkerbeck und Peter Hagdorn neue Wege, was die Bezahlung und Ausstattung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betrifft. Mit Geld- und Sachspenden unterstützt die Firma außerdem örtliche Sportvereine und eine Musikschule. Damit ist StoneTec ein hervorragendes Beispiel dafür, wie modernes Handwerk heute in Nordrhein-Westfalen aussehen kann.

„Als Förderbank für Nordrhein-Westfalen stehen wir Unternehmensgründern mit Beratung und Förderung zur Seite. Und wir geben ihnen mit dem GRÜNDERPREIS NRW eine Bühne, um ihre guten Ideen zu präsentieren“, erklärt Eckhard Forst, Vorstandsvorsitzender der NRW.BANK. „Stonetec zeigt, wie man durch Digitalisierung und moderne Unternehmensführung eine traditionelle Branche wie das Fliesenlegerhandwerk weiterentwickeln kann.“

Die weiteren Nominierten: A4VR GmbH The Agency for Virtual Reality (Düsseldorf), Bergstation GmbH & Co. KG (Hilden), FamCare Erziehungshilfe & Reittherapie (Viersen), INperfektion GmbH (Wegberg), (logarithmo GmbH & Co. KG (Dortmund), medmehr GmbH (Dortmund) sowie RIMASYS (Köln).

GRÜNDERPREIS NRW 2019 – 60.000 Euro für die Besten

GRÜNDERPREIS NRW 2019 – 60.000 Euro für die besten Gründerinnen und Gründer des Landes

Das Wirtschafts- und Digitalministerium Nordrhein-Westfalen und die NRW.BANK fördern mit dem GRÜNDERPREIS NRW bereits zum achten Mal die kreativsten und erfolgreichsten Geschäftsideen des Landes mit insgesamt 60.000 Euro. Für den diesjährigen Preis haben sich mehr als 150 Gründerinnen und Gründer beworben. Diese zehn Unternehmen stehen in der Endauswahl:

  • A4VR GmbH The Agency for Virtual Reality, Jan Thiel aus Düsseldorf
  • Bergstation GmbH & Co. KG, Justin Bohn aus Hilden
  • CH. Batsch Verfahrenstechnik GmbH, Christine Batsch aus Meckenheim
  • FamCare Erziehungshilfe & Reittherapie, Lena Henke aus Viersen
  • INperfektion GmbH, Carsten Finke aus Wegberg
  • logarithmo GmbH & Co. KG, Dr. Felix Friemann aus Dortmund
  • medmehr GmbH, Dr.-Ing. Mandana Banedj-Schafi aus Dortmund
  • PHYSEC, Dr. Heiko Koepke u. Christian Zenger aus Bochum
  • RIMASYS, André Passon aus Köln
  • StoneTec GmbH, Tim Dunkerbeck aus Bocholt

Welche drei Preisträgerinnen und Preisträger die Fachjury aus den zehn nominierten Jungunternehmen ausgewählt hat, erfahren Sie und die Finalisten bei der feierlichen Preisverleihung in Düsseldorfer am 18.11.19.

Top-Makler für den besten Nachfolger

Glaubt man den Aussagen der IHK und der HWK, nimmt die Zahl der Betriebsübergänge mit Nachfolger rapide zu. Gleichzeitig sinkt die Bereitschaft der Gründer, in ein bestehendes Unternehmen einzusteigen und es weiterzuführen. Selbst in Familienbetrieben ist eine geregelte Nachfolge alles andere als sicher und selbstverständlich. Unser Gründermagazin-Experte Emil Hofmann hat ein Paradebeispiel gefunden, bei dem man getrost sagen kann: Alles richtig gemacht.

GM: Herr Lederbauer, Sie haben im Jahr 1998 ein Maklerbüro für Finanzen und Versicherungen gegründet. Rückblickend: War es aus heutiger Sicht die richtige (Lebens-) Entscheidung?

Thomas Lederbauer: Das war die beste berufliche Entscheidung, die ich treffen konnte! Als freier Makler ist man unabhängig und kann seinen Mandanten die bestmöglichen Produkte anbieten. Aber eigentlich verkaufen wir keine Produkte, sondern bieten Lösungen für den Bedarf unserer Mandanten. Das ist ein wunderschönes Arbeiten. Und das Beste daran ist, dass mir auch der Kundenstamm wirklich gehört. Ich kann frei bestimmen, wie ich meine Nachfolge regele.

GM: Wann war einigermaßen klar, dass Ihr Sohn Thomas Martin in den elterlichen Betrieb einsteigen würde?

Thomas Lederbauer: Wenn man weit zurückblickt, hat er mit fünf Jahren schon davon gesprochen, einmal Versicherungsmakler zu werden. Das war damals sehr schmeichelhaft und schön zu hören, aber zu hundert Prozent darauf verlassen wollte ich mich da noch nicht darauf. Je näher aber das Ende seiner Schulzeit kam, desto konkreter wurde auch sein Berufsziel. Und schon bald war klar, dass Thomas eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherung und Finanzen machen möchte, danach evtl. noch studiert und anschließend zu uns in den Betrieb geht.

GM: Fragen wir doch gleich den Sohn. Gab es zu diesem Zeitpunkt nicht auch noch andere Berufswünsche? Es muss ja nicht der Lokführer sein.

Thomas Lederbauer: Ich hatte zum Abschluss des Abiturs ein Praktikum in der Gastronomie absolviert und mich über diverse Berufe informiert. Der einzige Effekt aus diesem Vorgehen war, dass ich mir immer sicherer wurde, es sei die richtige Entscheidung diesen Beruf zu erlernen und in den Betrieb einzusteigen. Um eine reflektierte Entscheidung zu treffen und sich wohlzufühlen lohnt sich immer ein Blick über den Tellerrand, egal ob bei Versicherungsfragen oder im Berufsleben.

GM: Nun sind Sie ja das, was man einen „echten Familienbetrieb“ nennt. Man sitzt jeden Tag zusammen im Büro. Kann man da am Abend abschalten, oder nimmt man die Fälle mit nach Hause?

Isolde Lederbauer: Beides ist der Fall. Da es im Büroalltag oft hektisch ist, macht es manchmal durchaus Sinn, Fälle in einer ruhigen Umgebung, zum Beispiel bei einem gemeinsamen Abendessen zu besprechen. Ich denke, wir sehen das in der Familie nicht als Belastung, sondern eher als Bereicherung.

GM: Als Mutter waren Sie ja in die Entscheidung Ihres Sohnes eingebunden, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. Gab es da auch Vorbehalte oder Ängste? Sie kennen ja die Belastungen am besten, denen man als Unternehmer Tag für Tag ausgesetzt ist.

Isolde Lederbauer: Als Mutter war mir die schulische Bildung meines Sohnes sehr wichtig, damit ihm bei der Berufswahl alle Türen offenstehen. Er erlebte in seiner Kindheit, dass die Selbstständigkeit viel Arbeit bedeutet, aber auch viel Freude und Entscheidungsfreiheit mit sich bringt. Natürlich möchte ich als Mama, dass es meinem Sohn immer gut geht, und ich bin überzeugt, er hat für sich den richtigen Weg gewählt.

GM: Versicherungen und Finanzen. Zwei eigentlich strohtrockene Themen aus der Sicht eines Außenstehenden. Welche Ausbildung brauchten Sie, um in die Fußstapfen Ihrer Eltern zu treten und später das Büro alleine führen zu können?

Thomas Martin Lederbauer: Ich habe die Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen (IHK) bei einem großen Münchner Versicherer abgeschlossen und mich als Versicherungs- und Finanzmakler registrieren lassen. Während meiner Tätigkeit bildete ich mich auf Schulungen fort, um meinen fachlichen Horizont zu erweitern und zu festigen. Die Branche hat meiner Meinung nach zu Unrecht einen „trockenen“ Ruf. Egal ob es der stetige Kundenkontakt, der Austausch mit Kollegen, oder die Suche nach dem perfekten Produkt für die Mandanten ist: Jeder Tag ist anders, vielseitig und abwechslungsreich.

GM: Nun ist Ihr Sohn ja neben Ihnen Geschäftsführer. Merken Sie, dass er manchmal andere Vorstellungen hat, manche Dinge anders machen will oder einen anderen Kommunikationsstil pflegt?

Thomas Lederbauer: Jeder von uns ist natürlich sein eigener Typ. Und das ist auch gut so. Aber in grundlegenden Dingen, wie Kundenberatung, Lösungsfindung, weitere Entwicklung des Betriebes usw. sind wir überwiegend einer Meinung und ziehen an einem Strang. Die Firmenphilosophie hat einen „roten Faden“. Wir diskutieren auch, wie schon oben kurz erwähnt, oft abends noch zu dritt zusammen mit meiner Frau Isolde Geschehnisse und Planungen für den Betrieb. Das kann dann auch öfter mal etwas später werden.

GM: Nun sind Sie mit Ihrem Büro in ein bewährtes Netzwerk eingebunden und können sich mit vielen Makler-Kollegen aus dem vfm-Verbund austauschen. Sehen Sie diese Vernetzungen für sich als Modell der Zukunft oder eher als Einschränkung der persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten als junger Unternehmer?

Thomas Martin Lederbauer: Über den Verbund bestehen für mich keinerlei Einschränkungen. Jedes Maklerunternehmen kann frei entscheiden wie und welche Produkte es nutzt. Die Vernetzung ist jedoch ein enormer Vorteil, der im Alltagsgeschäft für uns und unsere Kunden täglich spürbar ist. Egal ob Sonderrabatte, Deckungskonzepte, Verhandlungen mit Versicherern, Unterstützung im IT-Bereich durch ein eigenes Kundenverwaltungssystem oder Weiterbildungsmöglichkeiten, die Liste ist lang und umfangreich.

GM: Die Betriebsnachfolge wurde bei Ihnen sehr frühzeitig eingeläutet. Noch sind Sie ja „mitten drin“ und können die sukzessive Übergabe der Alleinverantwortung an Ihren Sohn steuern. Ist dieser eher lange Prozess von Vorteil?

Thomas Lederbauer: Eine längere überschaubare Zeitspanne ist meiner Ansicht nach optimal. So können wir uns über viele Dinge ständig austauschen, wir unterstützen uns gegenseitig und mein langjährig aufgebauter Erfahrungsschatz steht ihm (hoffentlich) noch lange zur Verfügung. Eine echte Win-win-Situation für jeden von uns.

GM: Gab es Alternativen, die innerhalb Ihrer Familie diskutiert wurden? Wäre auch ein Unternehmensverkauf an einen externen Interessenten irgendwann ein Thema gewesen?

Isolde Lederbauer: Wenn eine familieninterne Unternehmensnachfolge nicht möglich wäre, stünde ein Unternehmensverkauf in einigen Jahren aus Altersgründen sicher zur Debatte. Die jetzige Lösung freut uns natürlich unglaublich und ist wesentlich schöner.

GM: Was macht für Sie den Reiz aus, den eigenen Betrieb in absehbarer Zeit komplett an Ihren Sohn zu übergeben? Gehen Sie dann zum Angeln oder genießen Sie mit Ihrer Frau die Freizeit auf einem Kreuzfahrt-Dampfer?

Thomas Lederbauer: Etwas mehr Zeit für gemeinsame Unternehmungen mit meiner Frau und sportliche Aktivitäten wird auf alle Fälle sein. Aber mein Sohn möchte selbst, dass ich ihm noch längere Zeit im Betrieb wenigstens beratend zur Seite stehe. Ein genauer Stichtag steht noch nicht fest. Wir lassen das auf uns zukommen. Wichtig ist, dass er bald schon auch ohne mich in der Lage ist, die Geschicke der Firma zu leiten. Da sind wir auf einem sehr guten Weg.

GM: Würden Sie einem Gründer vorbehaltlos denselben Schritt empfehlen, also in den elterlichen Betrieb einzusteigen, auch wenn man dann nicht von einem Acht-Stunden-Tag reden kann?

Thomas Martin Lederbauer: Eine vorbehaltlose Empfehlung spreche ich hierfür nicht aus. Der gegenseitige Respekt, die frühe Einbindung in unternehmerische Entscheidungen, das Heranführen an die Übernahme von Verantwortung und der vertraute, lockere Umgang sind nicht in jedem Familienunternehmen selbstverständlich. Diese Punkte sind jedoch der Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft. Ich will auch erwähnen, dass ein Einstieg in das Unternehmen nie einen Plan B darstellen sollte. Der Schritt muss wohlüberlegt und bewusst getroffen werden. Dann ist er auch von Erfolg gekrönt.

GM: Vielen Dank für das Gespräch.

Info

Die Lederbauer GmbH & Co. KG ist Partner im VFM-Verbund und kümmert sich um die Absicherung im geschäftlichen sowie im privaten Bereich. Der passende Versicherungsschutz, der gerade auch für Gründer immens wichtig ist, muss nicht zwingend teuer sein. Der Makler sichtet die Angebote im „Tarif-Dschungel“ und nimmt dabei grundsätzlich eine neutrale Stellung ein.

www.lederbauer.de

Von der Küchenkundin zur Studiochefin

Europaweit setzen über 700 Betreiber eines SCHMIDT-Partnerhauses auf Franchise-Basis den Maßstab in der Küchenbranche. Das vertikale Vertriebsmodell des deutsch-französischen Familienbetriebes aus der Möbelindustrie ist in 27 Ländern etabliert. Mit der Eröffnung in Mainz schloss die Jungunternehmerin Olga Weber als Franchise-Partner eine Lücke im bundesweiten Vertriebsnetz des international erfahrenen Franchisegebers.

2016 eröffnete Olga Weber (Jahrgang 1980) ein SCHMIDT-Partnerhaus im Herzen von Mainz. Ihr Küchenstudio liegt für den Publikumsverkehr extrem günstig – zentral in der Altstadt. In die eine Richtung ist das Rheinufer nur 100 Meter entfernt, in die entgegengesetzte befindet sich Luftlinie 350 Meter der Dom. Das Fachgeschäft hat seinen Platz Ecke Fischtorplatz und Rheinstraße, die eine hochfrequentierte Straße ist und das Studio von der beliebten Fußgängerzone trennt. Rund 40.000 Fahrzeuge fließen hier täglich durch und entdecken das neue Geschäft im Stadtbild. Ein Topstandort für die in Deutschland noch als Geheimtipp geltende international erfolgreiche Marke. Mit zwei Konzeptverkäufern und einer Mitarbeiterin im Back-Office startete die im Schwarzwald aufgewachsene Quereinsteigerin ihre unternehmerische Karriere: individuelle Beratung und präzise Möblierung nach Maß. Denn alle Möbel ob für Küche, Wohnraum oder Bad werden erst nach der exakten Vermessung der Räumlichkeiten bei den Kunden in den Werken von SCHMIDT Küchen und Wohnwelten individuell passend in der „Losgröße Eins“ produziert.

Vom Aschenbuttel zur Managerin

Das Rüstzeug für die Selbständigkeit im umkämpften Küchenmarkt erarbeitet sich Olga Weber mit ihrer bisherigen Ausbildung und beruflichen Karriere als Angestellte. Und dies geschah Schritt für Schritt. Die frischgebackene Jung-Unternehmerin absolvierte zuerst eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei einem regionalen Energieversorger im Schwarzwald. Durch die Fusion ihres Arbeitsgebers und der nachfolgenden Verlagerung der Firmen-Zentrale kam sie ins Rhein-Main-Gebiet. Berufsbegleitend schloss sie nun noch ein BWL-Studium ab und arbeitete zunächst bei der Netztochter des Energieversorgers in Frankfurt, danach im Vertrieb. Zum Schluss war sie Abteilungsleiterin im Controlling – Abteilung Funktionalcontrolling. Eine Karriere wie im Bilderbuch. Während der 18 Jahre im Konzern verwandelte sie sich quasi „vom Aschenbuttel zur Managerin“, wie Olga Weber im Rückblick vermerkt.

Kein Ende der Fahnenstange in Sicht

Der Wunsch sich selbständig zu machen, um Grenzen aus eigener Kraft zu verschieben, reifte jedoch über die Jahre mit. Nach ihrer Ausbildungszeit und schon in der Phase ihrer Weiterbildung wusste Olga Weber, dass bei ihrem beruflichen Weg das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sei. Sie hegte den Wunsch nach Selbstverwirklichung und Autarkie – einfach mehr Gestaltungsmöglichkeiten haben als in ihrem Job machbar war. Dies war in einem konzerngesteuerten Unternehmen schwierig und kam ihr daher zu kurz. Statt Stillstand drängte sie nach Fortentwicklung. Und darauf wollte sie nicht ewig warten, sondern handeln. Hinzu kam ihr großes Interesse an Kunst, was in ihrer bisherigen Arbeitswelt kaum Beachtung fand. „In meiner Seele wohnt ein kleiner Künstler“, sagt sie und diese kreative Ader wollte sie ebenso ausleben. Mit damals 35 Jahren beendete sie das Grübeln darüber, ob sie, die beruflich mit den Aufgaben gewachsen und sich parallel dazu ständig fortgebildet hatte, tatsächlich schon am Ziel ihrer Träume sei. Ihre innere Stimme riet: „Nein, es gibt ein Leben nach dem Konzern.“ mehr

Letzte Chance für Gründer auf 60.000 Euro

Letzte Chance auf 60.000 Euro Preisgeld für die besten Gründerinnen und Gründer in Nordrhein-Westfalen

Bewerbungen für den GRÜNDERPREIS NRW 2019 noch bis 13. September möglich

Nur noch kurz können sich Gründerinnen und Gründer aus Nordrhein-Westfalen für den GRÜNDERPREIS NRW 2019 anmelden. Mit einem Preisgeld von 60.000 Euro ist er eine der bundesweit höchstdotierten Auszeichnungen für junge Unternehmen und Nachfolgen. Zusätzlich zum Preisgeld (1. Platz 30.000 Euro, 2. Platz 20.000 Euro, 3. Platz 10.000 Euro) öffnet der Preis Türen und schafft eine hohe mediale Aufmerksamkeit für junge Geschäftsideen aus Nordrhein-Westfalen.

Anna Yona, Gründerin des Unternehmens Wildling Shoes und Vorjahressiegerin, sagt: „Die Auszeichnung mit dem GRÜNDERPREIS NRW bedeutet für das ganze Team eine ungeheure und motivierende Anerkennung. Neben dem Geld profitierten wir stark von der großen Aufmerksamkeit. Der Preis hilft uns sehr bei der Ansprache neuer Mitarbeiter, Partner und natürlich Kunden. Es öffneten sich viele Türen zu Netzwerken und Förderern.“

Nordrhein-westfälische Jungunternehmer, Freiberufler oder Nachfolger aus den Bereichen Handwerk, Industrie und Dienstleistungen, die zwischen 2014 und 2017 an den Start gingen, können sich noch bis zum 13. September bewerben. Mit dem Preis zeichnen Wirtschaftsministerium und NRW.BANK junge Unternehmen aus, die in Kriterien wie wirtschaftlicher Erfolg, Innovationskraft oder ökologische/soziale Verantwortung überzeugen. Wichtig für die Unternehmer: der Anmeldeprozess ist gründerfreundlich konzipiert und in rund einer Stunde erledigt.

Nach Ende des Bewerbungsprozesses ermittelt eine unabhängige Jury zunächst zehn Nominierte, die ihr Konzept in Düsseldorf persönlich vorstellen dürfen. Am Ende teilen sich die drei besten Geschäftsmodelle das Preisgeld.

Interessierte Gründerinnen und Gründer sowie Nachfolgerinnen und Nachfolger finden alle Infos sowie die Teilnahmeunterlagen unter www.gründerpreis.nrw.

Über die NRW.BANK

Die NRW.BANK ist die Förderbank für Nordrhein-Westfalen. Sie unterstützt ihren Eigentümer, das Land NRW, bei dessen struktur- und wirtschaftspolitischen Aufgaben. In ihren drei Förderfeldern „Wirtschaft“, „Wohnraum“ und „Infrastruktur/Kommunen“ setzt die NRW.BANK ein breites Spektrum an Förderinstrumenten ein: von zinsgünstigen Förderdarlehen über Eigenkapitalfinanzierungen bis hin zu Beratungsangeboten. Dabei arbeitet sie wettbewerbsneutral mit allen Banken und Sparkassen in NRW zusammen. In ihrer Förderung berücksichtigt die NRW.BANK auch bestehende Angebote von Bund, Land und Europäischer Union.



Keiner gewinnt für sich allein!

Wer sich allein oder im Team selbständig macht, hat zu Anfang mit vielen Problemen zu kämpfen, um als Existenzgründer erfolgreich zu sein. Dabei gibt es jedoch sinnvolle Strategie-Tipps, die einem den Start erleichtern. Unser Autor Emil Hofmann zeigt einmal auf, warum sich Kooperationen für Gründer lohnen.

Es gibt sie immer noch. Die Einzelkämpfer und Solisten, die ein Produkt oder eine Dienstleistung an den Kunden bringen wollen und dafür mehr als 30 Prozent ihrer Zeit für die Akquisition aufwenden. Viele sehen das als „notwendiges Übel“ und kennen keine Alternativen. Durchbeißen also oder über sinnvollere Wege in den Markt nachdenken?

Kooperationen sind Marketing-Turbos

Man kann es auch Joint Venture Marketing nennen oder Marketing-Allianzen. In den deutschen Gründerstuben kommen diese Begriffe so gut wie nicht vor. Dabei zeigen die Großen, wie einfach es geht: ALDI und die Deutsche Bahn etwa oder Shell und McDonald‘s. Der ADAC kooperiert mit einem Reifenhersteller oder einer Versicherung, ein Küchenstudio mit der EDEKA. Es beginnt schon beim gegenseitigen Verteilen von Flyern oder dem Verlinken auf den jeweiligen Websites. Aber viele Existenzgründer denken noch immer an „Wettbewerber“ statt an „Verbündete“. Dabei ist die Rechnung extrem einfach: Durch diesen „Cross-Ansatz“ erschließt man sich das Kundenpotenzial des jeweils anderen, kommt also an zusätzliche Kontakte und steigert seinen Bekanntheitsgrad. Es entstehen keine weiteren Kosten, allein das Hirn ist gefragt und der Mut, einfach mal neue Wege zu gehen. Auch für den Kunden entsteht ein Mehrwert, weil er durch den Zusammenschluss zweier Anbieter zusätzliche Produkte oder Dienstleistungen angeboten bekommt, denen er vertraut.

Verbände sind Multiplikatoren

Letztlich bringt auch die Kooperation mit einem Verband eine echte win-win-Situation. Angenommen, ein Gründer hat eine Software für kleine und mittlere Betriebe entwickelt. Nun kann er die über die bekannten sozialen Medien oder analog via Anzeigen und Flyer anbieten. Er kann auch intelligenter vorgehen und den Kontakt zu einem Verband suchen.

Bewährt haben sich dabei Rahmenverträge. Mit denen entsteht sogar eine dreifache „Win-Situation“: Der Verband zeigt sich seinen Mitgliedern als fürsorgliche Institution, die neben einem Verbandsmagazin oder einem Newsletter auch zählbare monetäre Vorteile bietet. Das Mitglied bekommt einen Nachlass von fünf oder zehn Prozent, vielleicht einen VIP-Status beim Service. Und der Gründer? Der erschließt sich mit einem einzigen Kontakt tausende möglicher Kunden und spart sich einen Riesen-Akquisitionsaufwand, der am Ende weit teurer wäre als der minimale Rabatt auf das Angebot.

Medien-Kooperationen sind das Sahnehäubchen

Genau genommen sind auch diese Modelle ein Joint Venture. Der Partner ist eine Tageszeitung oder ein Magazin. Sie bieten als Gründer PC-Einstiegskurse an oder sind als Therapeut unterwegs in der Betrieblichen Gesundheitsförderung? Dann bringt Ihnen die Zeitung mit ihrer zum Teil enormen Reichweite die Kunden fast automatisch. So hatte die Würzburger Main-Post PC-Seminare „exklusiv für die Leser“ ausgeschrieben. Dass die Termine in kürzester Zeit ausgebucht waren, ist ein Zeichen dafür, dass es funktioniert. Wir reden auch hier von einer dreifachen win-win-Situation, denn der Verlag stärkt die Leser-Blatt-Bindung, der PC-Trainer wird allein schon durch die Ankündigungen im Blatt bekannt, bekommt sein Honorar und baut auf den Bekanntheitsgrad der Heimatzeitung. Natürlich klappt das auch, wenn das Medienhaus seine treuen Geschäftskunden einlädt zu einem Gesundheits-Vortrag. Folgegeschäfte sind fast schon zwangsläufig die Folge.

Fazit: Die klassische Kaltakquisition in die Tonne treten

Zugegeben: So ganz ohne geht es nicht immer. Auch die Kontaktanbahnung mit einem Verband, einem klassischen Kooperationspartner oder Zeitungshaus ist schließlich ein akquisitorischer Kraftakt. Nur: Klappt der, multipliziert sich das Ergebnis. Man darf nur einen Kardinalfehler nicht machen.

Der Partner, mit dem man ins Boot steigen will, sollte seinen eigenen Nutzen erkennen. Es macht keinen Sinn, nur die eigenen Vorteile im Blick zu haben. Ein Vorstand eines Verbandes muss stolz mitteilen können, dass es ihm (!) gelungen ist, eine vorteilhafte Kooperation zum Wohle der Mitglieder abzuschließen. Er muss in die Sonne gestellt werden, dann funktioniert das Spiel fast schon mit Garantie.

Info

  • Sie profitieren von den Kontakten und Kundenbeziehungen Ihres Partners.
  • Sie minimieren den eigenen Werbeaufwand mehr als deutlich und senken so Ihre Kosten.
  • Sie erschließen sich neue Märkte auf eine sehr elegante Art und Weise.
  • Sie minimieren Streuverluste und erreichen Ihre Kunden künftig viel zielsicherer.
  • Sie reduzieren Ihren Aufwand für die Akquisition entscheidend und auf Dauer.

Literatur-Empfehlung:

Christian Görtz: „Mehr Umsatz durch Marketing-Kooperationen“, GABAL-Verlag.

Marketing für Gründer

Es gibt sie immer noch. Die Einzelkämpfer und Solisten, die ein Produkt oder eine Dienstleistung an den Kunden bringen wollen und dafür mehr als 30 Prozent ihrer Zeit für die Akquisition aufwenden. Viele sehen das als „notwendiges Übel“ und kennen keine Alternativen. Durchbeißen also oder über sinnvollere Wege in den Markt nachdenken?

Kooperationen sind Marketing-Turbos

Man kann es auch Joint Venture Marketing nennen oder Marketing-Allianzen. In den deutschen Gründerstuben kommen diese Begriffe so gut wie nicht vor. Dabei zeigen die Großen, wie einfach es geht: ALDI und die Deutsche Bahn etwa oder Shell und McDonald‘s. Der ADAC kooperiert mit einem Reifenhersteller oder einer Versicherung, ein Küchenstudio mit der EDEKA. Es beginnt schon beim gegenseitigen Verteilen von Flyern oder dem Verlinken auf den jeweiligen Websites. Aber viele Existenzgründer denken noch immer an „Wettbewerber“ statt an „Verbündete“. Dabei ist die Rechnung extrem einfach: Durch diesen „Cross-Ansatz“ erschließt man sich das Kundenpotenzial des jeweils anderen, kommt also an zusätzliche Kontakte und steigert seinen Bekanntheitsgrad. Es entstehen keine weiteren Kosten, allein das Hirn ist gefragt und der Mut, einfach mal neue Wege zu gehen. Auch für den Kunden entsteht ein Mehrwert, weil er durch den Zusammenschluss zweier Anbieter zusätzliche Produkte oder Dienstleistungen angeboten bekommt, denen er vertraut. mehr

Datev-Ratgeber Gehaltsextras

In der 5. Auflage des Ratgebers, der über die wichtigsten Sachbezüge mit steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Vorteilen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer informiert, wurden sämtliche sich durch Gesetzesänderungen, Verwaltungsanweisungen und Rechtsprechung ergebenden Neuerungen berücksichtigt.

Darüber hinaus zeigt der Ratgeber auf, wie Mitarbeiter nicht nur gefunden, sondern unter anderem durch steuerfreie Leistungen und pauschalbesteuerte Lohnbestandteile an das Unternehmen gebunden werden können.

Diese Entgeltoptimierungsmaßnahmen, deren Voraussetzungen für Steuerfreiheit, eventuelle Sozialversicherungsfreiheit und die Ermittlung der Pauschalsteuer im Rahmen der Lohnabrechnung werden mit Hilfe zahlreicher Beispiele, Hinweise und Übersichten abgebildet. Zusätzlich ergänzen Ausführungen zum Verfahren der Anrufungsauskunft, Abfindung und Pfändung die Thematik.

Bei all den genannten Aspekten stehen stets der Nutzen und der Vorteil der Zusammenarbeit mit einem Steuerberater im Fokus der Ausführungen.

Autorin:
Birgit Ennemoser

5. Auflage, Erscheinungstermin Mai 2019,
198 Seiten

Preis: 19,99 Euro brutto
ISBN Print: 978-3-96276-010-6
ISBN E-Book: 978-3-96276-011-3

KfW Award: 35.000 Euro für innovative Unternehmen

Bis zum 1. August können sich Start-ups noch für den KfW Award Gründen 2019 bewerben. Die KfW zeichnet mit diesem renommierten Wettbewerb junge Unternehmen aus ganz Deutschland aus, die für ihre Ideen und ihren Mut öffentliche Anerkennung erhalten sollen. Der Wettbewerb richtet sich an Unternehmen bzw. Unternehmensnachfolger ab dem Gründungsjahr 2014. Insgesamt wird ein Preisgeld in Höhe von 35.000 Euro vergeben.

Pro Bundesland wird ein Unternehmen ausgezeichnet. Diese 16 Landessieger erhalten je 1.000 Euro. Die Auszeichnung findet am 17. Oktober in Berlin statt. Aus den Landessiegern wird ein Bundessieger gewählt und auf der Prämierung bekanntgegeben. Dieser erhält weitere 9.000 Euro. Außerdem vergibt die Jury einen Sonderpreis für Social Entrepreneurship. Er ist mit 5.000 Euro dotiert. Die Gäste der Preisverleihung wählen per Live-Abstimmung einen Publikumssieger (zusätzliches Preisgeld 5.000 Euro).

Alle Preisträger sind vom 17. bis 19 Oktober 2019 nach Berlin eingeladen – Hotelaufenthalt und Besuchsprogramm inklusive. Bei der Veröffentlichung ihrer Erfolgsgeschichte unterstützt sie eine PR-Agentur. Der TV-Sender n-tv berichtet zudem in einer Sondersendung über den Bundessieger und ausgewählte Preisträger.

Ausgewählt werden die Preisträger von einer Jury, die mit erfahrenen Vertreterinnen und Vertretern aus der KfW, der Politik, Wirtschaftsverbänden, Landesförderinstituten sowie mit Medienvertretern besetzt ist. Sie bewerten die Unternehmen nach Innovationsgrad sowie Kreativität und prüfen, ob soziale Verantwortung übernommen wird. Maßgeblich ist auch, wie umweltbewusst die Umsetzung erfolgt und ob Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen oder erhalten werden.

Unternehmen aller Branchen können sich bis zum 1. August online unter www.kfw-awards.de bewerben.

Einfach gründen mit Startup-Initiative

Ein Förderprogramm begleitet Jungunternehmer beim Aufbau ihrer Firma. lexoffice hält Startups in Sachen Buchhaltung ein Jahr lang kostenlos den Rücken frei. Mit einer Förderinitiative stellt lexoffice jungen Unternehmern ein kompetentes Team zur Seite, das sie bei der Unternehmensgründung unterstützt.

Ein erfolgreiches Startup beginnt mit einer innovativen Idee. Und dann? Dann beginnt der harte Unternehmeralltag: Aufträge müssen abgewickelt, Rechnungen geschrieben und die Finanzen überblickt werden. Und das häufig von unterwegs. Damit die Buchhaltung den Gründerflow nicht bremst, gibt es lexoffice, die cloudbasierte Buchhaltungssoftware von Lexware, die für Jungunternehmer ein Jahr lang kostenlos ist. Und damit nicht genug: Das lexoffice-Gründerteam rund um den Startup-Manager Florian S. hilft Firmen schon in einem frühen Stadium der Existenzgründung mit kostenlosen Workshops, topaktuellen Blogs und Videos sowie Co-Working-Spaces auf dem Weg zum Erfolg.

Startup des Monats professionell unterwegs

Jedes frisch gegründete Unternehmen kann sich als „Startup des Monats“ bewerben und ein professionelles Servicepaket vom lexoffice-Team erhalten. Wer ausgewählt wird, erhält eine passgenaue Unterstützung vom Startup-Manager Florian S.: „Ich kümmere mich darum, den Firmen unsere bestehende Infrastruktur verfügbar zu machen und begleite sie zu wichtigen Gründer-Events. Das Ziel ist es, Jungunternehmern schon früh unter die Arme zu greifen und langfristig zum Erfolg zu führen.“ Mit Kreatize, Pacemo und Liwo haben schon drei Startup-Projekte das Gründerförderprogramm genossen und sich auf wichtigen Summits, Events und Plattformen präsentiert.

Am Puls durch Integrationspartnerschaften

lexoffice führt die Startup-Kooperationen aber noch weiter: Durch verschiedene Integrationspartnerschaften kombiniert lexoffice seine Buchhaltungskompetenzen mit den neuen Features der Startups. So ist die automatische Buchhaltung beispielsweise in die neue Software AdBill integriert, einer Backoffice-Software für Agenturen, mit der Kunden ihre Online-Werbekampagnen plattformübergreifend und vollautomatisiert abrechnen können. Die Software verfügt über eine Anbindung an lexoffice, mit der die Buchhaltung automatisch läuft. Diese Kombination ermöglicht Kunden einen reibungslosen und medienbruchfreien End-to-End-Workflow.

Ein weiteres Schmankerl für Existenzgründer: In Kürze soll das Online-Tool Lexware businessplan in lexoffice integriert werden. Bereits jetzt können die Jungunternehmer ihren Business- und Finanzplan unter businessplan.lexware.de kostenlos erstellen.

Mehr Informationen zu lexoffice Startups finden Sie unter lexoffice.de/gruendungsangebot und www.lexoffice.de/blog/

KfW-Gründungsmonitor 2019: Ende der Talfahrt

Alljährlich ermittelt die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW die Gründertätigkeit hierzulande. Nach rückläufigen Jahren scheint jedoch die Talfahrt nun gestoppt: Die gute Konjunktur sorgt für Impulse.

Gestützt durch die gute Binnenkonjunktur hat sich die seit Jahren rückläufige Gründungstätigkeit in Deutschland 2018 stabilisiert: Mit 547.000 Existenzgründungen wagten kaum weniger Personen den Schritt in die Selbständigkeit als im Vorjahr (-10.000 bzw. -2 %). Die Gründerquote (Gründer pro 100 Erwerbsfähige) liegt kaum verändert bei 1,06 % und hält sich somit weiterhin knapp oberhalb der 1 %-Marke, wie der aktuelle KfW-Gründungsmonitor zeigt.

Das Ergebnis:

  • 547.000 Personen machten sich 2018 selbständig, Gründerquote stabil bei 1,06 %
  • Neugründungen dominieren, Übernahmen legen zu
  • Beschäftigungsbeitrag durch Gründungen steigt auf 219.000 Vollzeitstellen
  • Im Länderranking Berlin weiter auf Platz 1, Brandenburg stößt in Top 3 vor
KfW-Gründungsmonitor 2019 _ KFZ-Logo

„Die gute Konjunktur hat der Gründungstätigkeit im vergangenen Jahr positive Impulse gegeben und die negativen Effekte der weiterhin hervorragenden Lage am Arbeitsmarkt abgebremst. Die Zahl der Gründer konnte sich so stabilisieren“, sagt Dr. Georg Metzger, Gründungsexperte bei KfW Research. „Kurzfristig ist eine Trendwende hin zu wieder steigenden Gründerzahlen aber fraglich. Zwar sehen wir im KfW-Gründungsmonitor wieder mehr Personen, die eine Gründung ernsthaft planen – was ein gutes Omen ist. Die Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung senden in Summe aber ein negatives Signal. Welchen Kurs die Gründungstätigkeit 2019 nimmt ist daher ungewiss.“

Neugründungen dominieren die Gründungstätigkeit seit jeher. Im Jahr 2018 waren es so viele wie nie: 8 von 10 Existenzgründern machten sich selbstständig, indem sie unternehmerische Strukturen erstmalig aufbauten. Aber auch bei Existenzgründungen durch Übernahmen bestehender Unternehmen gibt es seit einiger Zeit eine positive Entwicklung: Ihr Anteil ist sukzessive gestiegen und lag 2018 bei 13 % (Vorjahr: 10 %). „Angesichts der hohen Zahl an Mittelständlern, bei denen in absehbarer Zeit eine Nachfolge ansteht, ist das eine gute Nachricht“, sagt Metzger, „denn für sie wird die Nachfolgesuche leichter.“

In der Rangliste der Gründungstätigkeit nach Bundesländern bleibt Berlin souverän an der Spitze. Dort haben im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2018 von 10.000 Erwerbsfähigen jährlich 193 Personen eine selbstständige Tätigkeit begonnen. Hamburg liegt mit 146 Gründern auf Platz zwei. Neu in der Spitzengruppe ist im Jahr 2018 das Land Brandenburg, das seine positive Entwicklung fortsetzt und mit 134 Gründern je 10.000 Erwerbsfähigen Platz drei erobert. Vermutlich profitiert Brandenburg hierbei von der überdurchschnittlichen Gründungstätigkeit in Berlin, die in die Peripherie der Hauptstadt ausstrahlt. Auf den Plätzen vier und fünf liegen nach wie vor Bayern und Nordrhein-Westfalen, mit 126 und 118 Gründern je 10.000 Erwerbsfähige.

Weitere zentrale Ergebnisse des KfW-Gründungsmonitors 2019:

  • Der Anteil von Gründern mit Mitarbeitern ist von 21 % im Jahr 2017 auf 26 % im Jahr 2018 gestiegen. Im Vollerwerb legte er von 36 % auf 42 % zu, im Nebenerwerb von 9 % auf 13 %. Existenzgründer, die sich durch Übernahmen oder tätige Beteiligungen selbstständig machen, haben besonders häufig Mitarbeiter, weil bei den bestehenden Unternehmen oft schon zuvor Mitarbeitern angestellt sind: 2018 war der Anteil mit 63 % außergewöhnlich hoch. Bei Neugründern hatten 19 % Mitarbeiter, sie haben 2018 somit 219.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze geschaffen. Inklusive der eigenen Stellen der Neugründer betrug der Beschäftigungseffekt im vergangenen Jahr 481.000 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze.
  • Nachdem der Anteil von Frauen an allen Gründungen unerwartet zwei Jahre in Folge verlor, kletterte er 2018 wieder auf 40 % (2017: 37 %). Die Zahl der Existenzgründungen durch Frauen stieg auf 216.000. Dagegen ging es bei der Gründungstätigkeit von Männern weiter leicht bergab. Im Jahr 2018 haben 331.000 Männer eine Existenzgründung realisiert, das sind 5 % weniger als im Jahr davor. Ein Blick auf die Motivlage zeigt, dass für Frauen Unabhängigkeit eine große Rolle spielt: Rund die Hälfte nennt dies als wichtigstes Motiv, bei Vollerwerbsgründungen sogar knapp zwei Drittel. Frauen sehen die Selbstständigkeit hinsichtlich ihrer Anforderungen an Unabhängigkeit offenbar häufig als die bessere Alternative an – insbesondere wenn es um eine Vollerwerbstätigkeit geht oder minderjährige Kinder zu versorgen sind (‚Mompreneurs‘).
  • Die Mehrheit der Existenzgründer setzt für die Realisierung ihrer Gründung Finanzmittel ein (2018: 67 %). Dabei griffen 2018 mit 44 % mehr Gründer als im Vorjahr ausschließlich auf eigene Mittel zurück (2017: 39 %). Knapp ein Viertel der Gründer (23 %) mobilisierte externe Mittel von dritten Kapitalgebern. Davon waren 14 % Mikrofinanzierungen (höchstens 25.000 EUR externes Kapital) und 9 % Makrofinanzierungen (mehr als 25.000 EUR externes Kapital). Bei Mikrofinanzierungen sind meist Familie und Freunde Kapitalgeber, bei Makrofinanzierungen dagegen eher Kreditinstitute.
  • Der Anteil von Gründern mit Finanzierungsschwierigkeiten ist 2018 auf 17 % gestiegen (2017: 14 %). Bei Gründungsplanern, die ihr Vorhaben wieder aufgegeben haben, hatten sogar 57 % Finanzierungsschwierigkeiten (2017: 52 %). Die Barrierewirkung von Finanzierungsschwierigkeiten ist folglich etwas stärker geworden: Finanzierungsprobleme bringen geplante Gründungsvorhaben bereits vor der Realisierung am häufigsten aller Gründungshemmnisse zum Scheitern.

Erfolgreich starten mit Power im Web

Das Glück, so sagt ein russiches Sprichwort, liegt in der Stube, das Pech wartet im Flur. Erfolg und Mißerfolg liegen auch im Geschäftsleben oft eng beeinander. Das muss aber nicht ins Stammbuch eines jungen Unternehmens geschrieben sein. Denn bei einer Umfrage unter Marketingfachleuten zur Effizienz von Kommunikationsmaßnahmen im Marketing-Mix gaben die Befragten an, dass Printwerbung zu 62 Prozent als (sehr) effizient einzuschätzen ist (Marketagent). Zu über 80 Prozent waren die Auguren sich aber sicher, dass Internet und Social-Media das Geschäft turbomäßig anheizen. Ein wichtiges Mosaiksteinchen ist dabei auch nachhaltige Werbung via Google-Adwords. GründerMagazin hat exklusiv nachgeforscht, wie die Hotspots am Markt erfolgreich agieren.

“Wir möchten einfache, kundenorientierte Lösungen anbieten. Da unser Dienst zu einem Großteil auf Vertrauen basiert, ist uns eine persönliche Beziehung zu unseren Kunden unglaublich wichtig, weshalb wir in sozialen Netzwerken sehr präsent sind”, erläuterte der Shooting-Star und Book a Tiger-Mitgründer Claude Ritter auf einem Google-Meeting in Brüssel.

Ob Putzhilfen, niederländische Clogs oder gar Kuckucksuhren, selbst kleine und mittelständische Unternehmen, die heute auf die Vermarktung ihrer Produkte oder Dienstleistungen im Internet setzen, können sich mit Google neue Märkte erschließen und rasant durchstarten. „Unser Ziel ist es, Unternehmen bei ihrem Wachstum zu unterstützen“, postuliert Birte Teufel, Head of SMB Marketing DACH bei Google (siehe Interview). Über Titel läßt sich bekanntlich schön streiten, aber wichtig ist, auf dem Platz! Um Start-ups mal kräftig anzuschieben, packt Google ein Programm aus, um sage und schreibe eine Million Europäer im digitalen Bereich zu schulen und hierfür 25 Millionen Euro zu investieren.

Im Rahmen des Growth Engine Event im Frühjahr in Brüssel kündigte Matt Brittin, President EMEA Business & Operations, an, in die digitale Weiterbildung von Unternehmen investieren zu wollen ‒ zum Beispiel durch den Aufbau einer Trainingsplattform auf die Betriebe in ganz Europa zugreifen können. Zudem präsentierte er vor Vertretern aus Wirtschaft und Medien auch eine neue Initiative, die hunderte von europäischen Unternehmen vorstellt. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie Google-Produkte als Wachstumsmotor für ihr Geschäft einsetzen.

Innerhalb kürzester Zeit enorm wachsen

Zu diesen Unternehmen gehört auch der Berliner Online-Putzdienstvermittler Book a Tiger. Claude Ritter, Mitgründer mit Nikita Fahrenholz, war von Google nach Brüssel eingeladen worden, um die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens zu erzählen. Ritter erklärte dabei, warum das Internet heute so wichtig für Betriebe wie den seinen ist. Und er präsentierte Book a Tiger als typisches Beispiel, wie ein junges Start-up mit Hilfe des Internets innerhalb kürzester Zeit enorm wachsen konnte.

Zitat:

Google hilft uns, das Interesse von Neukunden zu wecken“

Book a Tiger-Mitgründer Claude Ritter

So setzt das Start-up bei seiner Vermittlung von Reinigungskräften zu 90 Prozent auf Online-Werbung. Vor allem zu Beginn hat das im April 2014 gegründete Unternehmen zur Gewinnung von Kunden verstärkt Googles Werbeprogramm AdWords eingesetzt. Laut Ritter helfe das Marketing-Instrument dabei, das Interesse von Neukunden zu wecken und es schnell in eine nachhaltige Stammkundenbeziehung umzuwandeln. Um seine Markenbekanntheit zu stärken und die persönlichen Beziehungen zu Kunden zu festigen, nutzt Book a Tiger zudem vor allem Social Media. Dass bei Book a Tiger alles dafür getan wird, es dem Kunden so einfach wie möglich zu machen, zeigt auch die unternehmenseigene App im Google Play Store. Sie ermöglicht Nutzern, eine Reinigungskraft auch ganz einfach via App zu ordern.

Und die Strategie von Book a Tiger geht auf: Erst im vergangenen Jahr gegründet, beschäftigt das Start-up schon heute 50 Mitarbeiter, hat 30.000 Facebook-Fans und sieht sich als starke Konkurrenz zu vergleichbaren Anbietern auf dem Markt der Putzdienst-Vermittler. “Wir sind überzeugt davon, dass wir den Vergleich mit der Konkurrenz absolut nicht scheuen müssen und sind auf einem guten Weg, Book a Tiger als führende Plattform zu etablieren ‒ auch über Deutschlands Grenzen hinaus”, so Claude Ritter.

20 Millionen Euro Risikokapital

Ganz schlecht scheint es seitdem nicht gelaufen zu sein: Book A Tiger hat bei Investoren einen zweistelligen Millionenbetrag eingeworben, insgesamt steckt nun 20 Millionen Euro Risikokapital in dem Unternehmen, wie Chef Nikita Fahrenholz dem Handelsblatt erklärt. Neben Alt-Investoren investiert in dieser Runde auch ein Private-Equity-Fonds. Zudem beteiligt sich der German Media Pool in einem Media-for-Equity-Deal an Book A Tiger. Für zehn Millionen Euro in Werbeleistungen erhält der Investor laut Handelsregister 0,5 Prozent am Unternehmen.

Mit dem Geld soll der Umbau des Unternehmens zur Reinigungsfirma für Büros fortgesetzt werden. „Wir konnten bereits 500 Unternehmen gewinnen“, erklärt Mitbegründer Nikita Fahrenholz. Darunter seien Start-ups wie Deliveroo, aber auch große Anwaltskanzleien.

Zitat:

Mit AdWords kann man Kunden ansprechen, die sich gerade in der Kaufentscheidungsphase befinden. Mit nur einer Kampagne konnten wir den Umsatz innerhalb von vier Wochen um mehr als 200 Prozent steigern.“Daniel Haglage, Gründer, Makeke

Im Netz gibt es viele Onlineplattformen, über die der Kunde Interieur einkaufen kann. Im April 2014 gründete Daniel Haglage einen weiteren: Makeke. Doch seine Möbel- und Einrichtungs-Webseite verfolgte von Beginn an ein neues Konzept: Makeke bietet Nutzern die Möglichkeit, basierend auf dem eigenen Geschmack und Einrichtungsstil nach Produkten zu suchen. Auf Makeke findet er zum Beispiel unter der Kategorie „Landhaus“ eine umfassende Produktübersicht zu dieser Stilrichtung. Doch eine gute Geschäftsidee reicht nicht aus, wenn niemand das Unternehmen kennt. Onlinemarketing verhalf auch dem ehemaligen Startup schließlich zum Erfolg. Auch mit Hilfe von Google AdWords konnte der Umsatz von Makeke um 200 Prozent gesteigert werden. Daher will Daniel Haglage auch in Zukunft auf AdWords setzen und rechnet wieder mit einer Umsatzsteigerung von 50 Prozent.

Daniel Haglage war von Anfang an überzeugt von seiner Geschäftsidee. Doch der große Erfolg ließ zunächst auf sich warten. Wie viele Jungunternehmen hatte auch Makeke zunächst Startschwierigkeiten und sah sich mit Problemen wie geringer Reichweite und Sichtbarkeit konfrontiert. „Anfangs kamen nur wenige Besucher auf unsere Webseite“, sagt der Makeke-Chef. „Um Erfolg zu haben, müssen die Leute das Konzept kennen.“ Im August 2015 nahm Haglage dann an einem kostenfreien Training von Google teil, in dem ihm vermittelt wurde, wie man erfolgreiche Digitalmarketingkampagnen fährt – einschließlich Erstellung, Anzeigenplatzierung und Kontrolle. Wenig später setzte er das dort Gelernte in die Praxis um und startete seine erste Google AdWords Kampagne.

Deutlicher Traffic-Anstieg zu verzeichnen

Auch zur Steigerung der Bekanntheit der einzelnen Kategorie-Segmente, wie zum Beispiel Landhaus, Maritim oder Alpenstil, waren die Kampagnen effizient. Die Umsätze zogen an. Die steigende Bekanntheit, vor allem durch AdWords-Platzierungen, brachte nicht nur zusätzliche Kunden, sondern machte Makeke auch attraktiver für potentielle Shop-Partner zur Integration in die Plattform.

Seitdem ist AdWords für Haglage das bevorzugte Tool für die Bewerbung neuer Produkte. „AdWords ist ein sehr geeigneter Ansatz, um viele Besucher auf die eigene Webseite zu leiten.“ Die Zielgruppenansprache ist äußerst genau möglich. Wenn der Kunde in der Google-Suche Begriffe eingibt, werden neben den Suchergebnissen entsprechende Anzeigen platziert. Diese sind genau zugeschnitten auf den Kunden, und werden ihm exakt zum Zeitpunkt der Kaufentscheidung gezeigt. Auch wenn der Kunde auf anderen Webseiten unterwegs ist, werden ihm extra auf ihn zugeschnittene Anzeigen offeriert, so Haglage. Dadurch wird er an einen Besuch auf der Webseite erinnert – und so die Marke und das entsprechende Produkt im Gedächtnis des Kunden verankert.

Haglage will auch in Zukunft auf AdWords setzen. Derzeit empfiehlt Makeke vor allem Produkte auf anderen Web-Shops. Doch bald will Haglage die Produkte auch über einen eigenen Makeke-Shop verkaufen. Spätestens zum Weihnachtsgeschäft wird der Geschäftsführer dann wieder AdWords-Kampagnen schalten.

Zitat:

Wir freuen uns, das Google-Produkte Wachstumsmotoren für all diese Unternehmen sind.”

Google-Chef Matt Brittins

Durch seinen effektiven Einsatz digitaler Tools und der daraus folgenden rasanten, positiven Entwicklung des Unternehmens, sind Book a Tiger und Makeke ein Vorbild für zahlreiche andere europäische Unternehmen. Das Berliner Putz-Start-up ist der beste Beweis dafür, dass selbst kleine Unternehmen sehr schnell wachsen können, wenn sie auf “online” setzen. Und bei solch’ innovativen Unternehmen wie Book a Tiger ist es leicht verständlich, dass auch Google-Chef Matt Brittins Blick in die Zukunft der europäischen Wirtschaft positiv ausfiel. “Manche Menschen blicken auf die europäische Wirtschaft und sind pessimistisch. Wir sehen etwas anderes: Eine riesige Bandbreite an kreativen, ambitionierten und talentierten Unternehmen und Unternehmern. Wir erleben aus erster Hand, wie sie das Internet nutzen und freuen uns, das Google-Produkte Wachstumsmotoren für all diese Unternehmen sind.”

Info Kasten

Mobile succes!

Im Auftrag von Google hat das Institut eye square die Anzeigenwirkung auf Mobilgeräten analysiert. Hierfür wurden in einem Test Teilnehmern Anzeigen der Studien-Kooperationspartner Conrad, Gravis, HRS, Stepstone und VW gezeigt und auf ihre Werbewirkung untersucht. In einem zweiten Schritt wurde mittels Eye-Tracking-Technologie die Wahrnehmung von Anzeigen und organischen Ergebnissen auf dem Smartphone verglichen.

Schnell das Wetter checken, die Öffnungszeiten vom nächstgelegenen Bekleidungsgeschäft suchen oder einen kurzen Blick auf die aktuellen Nachrichten werfen: All dies soll schnell gehen. Dies spiegelt sich auch in den Ergebnissen der Studie wider. Dabei fand die Studie unter anderem heraus, dass sich Nutzer auf dem Smartphone schneller orientieren als auf dem Desktop-PC. So beträgt die durchschnittliche Betrachtungsdauer der Suchergebnisseite bis zur Entscheidung (Klick) auf dem Mobilgerät 13,7 Sekunden. Auf dem Desktop liegt sie hingegen bei 15,4 Sekunden. Damit ist die Betrachtungsdauer um 11 Prozent kürzer als auf dem Desktop.

Auf mobilen Geräten ist der Fokus auf die Top-Position besonders ausgeprägt: Im Durchschnitt entfallen 54 Prozent der Betrachtungsdauer auf die ersten drei Positionen.

Erste Position wird mit starken Marken assoziiert

Ein weiteres Ergebnis: Die erste Position wird mit starken Marken assoziiert. Jeder zweiter Befragte ist der Meinung, auf der obersten Position stehe die bekannteste (63 %) bzw. beliebteste Marke (51 %). Nahezu die Hälfte der Nutzer verbindet die Top-Position mit der relevantesten Marke (47 %).

Das größte Klickvolumen auf Smartphones wird durch eine Kombination aus Suchmaschinenoptimierung (SEO) und Suchmaschinenmarketing (SEM) generiert. Während die organischen und bezahlten Einzeleinblendungen jeweils 14 Prozent bzw. 32 Prozent aller gemessenen Klicks verzeichneten, erhielt eine gleichzeitige Präsenz in den organischen und bezahlten Ergebnissen 49 Prozent. Dies entspricht somit +3 Prozent im Vergleich zu den separaten Einzeleinblendungen.

Doppelter Markenkontakt bleibt im Gedächtnis

Ein weiteres zentrales Ergebnis: Die Kombination aus bezahlten und organischen Ergebnissen erzielt auch die stärksten Effekte bei Erinnerung und Kaufimpuls. Wenn Nutzer zweifachen Kontakt zur Marke haben, festigt dies die Erinnerung an die Marke und die Kaufabsicht wird positiv beeinflusst. Bei den Werbewirkungsindikatoren Werbeerinnerung und Markenbekanntheit liegt die Kombination aus bezahlten und organischen Ergebnissen signifikant vor den anderen Ergebnissen, bei denen entweder nur organische oder nur bezahlte Anzeigen zu sehen sind.

Der Kaufimpuls kann sogar nur durch die Kombination aus bezahlten und organischen Ergebnissen signifikant gesteigert werden. In Bezug auf das Relevant Set, sprich die in Erwägung gezogenen Produkte oder Marken, konnte die Studie einen erhöhten Wert um 20 % im Vergleich zur Kontrollgruppe feststellen, in Bezug auf “First Choice”, also das Produkt bzw. die Marke erster Wahl, hat sich dieser Wert um mehr als 50 Prozent erhöht.