Global Entrepreneurship Monitor: Jede fünfte Gründung in Deutschland hat einen akademischen Hintergrund

GEM-Studie 2025/26: Hochschulen und Forschungseinrichtungen werden zu wichtigen Keimzellen für neue Unternehmen

Rund jede fünfte Gründung in Deutschland hat einen akademischen Hintergrund. Das zeigt der aktuelle Global Entrepreneurship Monitor (GEM) Länderbericht Deutschland 2025/26. Demnach haben 21 Prozent der Gründer und 23 Prozent der Gründerinnen einen Bezug zum Hochschul- oder Wissenschaftsumfeld.

Die Ergebnisse unterstreichen die wachsende Bedeutung von Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen für Innovation und wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass professionelle Gründungsberatung und staatliche Förderprogramme wichtige Voraussetzungen für den erfolgreichen Transfer von Wissen in marktfähige Unternehmen sind.

Der GEM Länderbericht Deutschland wird vom RKW Kompetenzzentrum gemeinsam mit dem Johann Heinrich von Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen erstellt. Der Global Entrepreneurship Monitor untersucht die Gründungsaktivitäten in Deutschland und ermöglicht zugleich einen internationalen Vergleich.

Großes Gründungspotenzial an Hochschulen

Ein erheblicher Teil der akademischen Gründer befindet sich noch am Anfang des Gründungsprozesses. 64,9 Prozent sind laut GEM derzeit noch in der Vorbereitungsphase, während rund 35 Prozent bereits gegründet haben.

Damit zeigt sich ein erhebliches Potenzial für weitere wissensbasierte Unternehmensgründungen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Förderprogramme wie EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE). Sie sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Studierende dabei unterstützen, Forschungsergebnisse und innovative Ideen in Unternehmen zu überführen.

Gendergap bei akademischen Gründungen vergleichsweise klein

Auch bei akademischen Gründungen zeigt sich ein Unterschied zwischen Männern und Frauen – allerdings fällt dieser deutlich geringer aus als bei vielen anderen Gründungsformen.

In den vergangenen dreieinhalb Jahren haben 2,9 Prozent der Männer und 2,3 Prozent der Frauen in Deutschland ein Unternehmen aus einer Hochschule oder Forschungseinrichtung heraus gegründet oder eine solche Gründung geplant. Ziel ist dabei jeweils, zumindest einen Teil des entstandenen Wissens wirtschaftlich zu verwerten.

Der Unterschied beträgt damit lediglich 0,6 Prozentpunkte. Akademische Gründungen weisen somit einen vergleichsweise geringen Gendergap auf.

Frauen nutzen Beratung und Förderung besonders intensiv

Die GEM-Ergebnisse zeigen zudem, wie wichtig externe Unterstützung für akademische Gründerinnen und Gründer ist. Mehr als drei Viertel der Ausgründerinnen und Ausgründer bewerten die Existenz staatlicher Förderprogramme als entscheidend für ihre Gründung.

Bei der tatsächlichen Nutzung zeigt sich ein bemerkenswerter Unterschied zwischen den Geschlechtern: 51,6 Prozent der Frauen nehmen staatliche Förderangebote wahr, bei den Männern sind es 40 Prozent.

Noch deutlicher wird der Unterschied bei der Gründungsberatung. 93,5 Prozent der akademischen Gründerinnen nutzen entsprechende Beratungsangebote, während der Anteil bei den Männern bei 66,7 Prozent liegt.

Auch bei geplanten Patentanmeldungen liegen Frauen vorne: 75 Prozent der Gründerinnen planen innerhalb der kommenden zwei Jahre eine Patentanmeldung, bei den männlichen Kollegen sind es 60 Prozent.

Weniger Bürokratie für mehr Ausgründungen

Aus Sicht des GEM bieten akademische Gründungen erhebliches Potenzial für das deutsche Innovationssystem. Damit aus diesem Potenzial künftig noch mehr erfolgreiche Unternehmen entstehen, sind nach Einschätzung der Studienautoren jedoch bessere Rahmenbedingungen notwendig.

Dazu gehören insbesondere der Abbau administrativer Hürden, schnellere und unkompliziertere Transferprozesse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie leistungsfähige regionale Innovationsökosysteme.

Gerade die Kombination aus wissenschaftlichem Know-how, Gründungsberatung, Förderprogrammen und einem guten Zugang zu Kapital kann entscheidend dafür sein, ob aus einer Forschungsidee ein erfolgreiches Start-up wird.

Fazit für die deutsche Start-up-Szene

Die aktuellen GEM-Zahlen machen deutlich: Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind längst mehr als Orte der Wissensvermittlung und Forschung. Sie entwickeln sich zunehmend zu wichtigen Brutstätten für innovative Unternehmen.

Dass fast zwei Drittel der akademischen Gründer noch in der Vorbereitungsphase stecken, deutet zugleich darauf hin, dass in den kommenden Jahren weitere wissensbasierte Start-ups entstehen könnten. Für Deutschland bietet sich damit die Chance, Forschungsergebnisse stärker zu kommerzialisieren und die eigene Innovationskraft weiter auszubauen.

Weitere Informationen finden Sie auf www.gem-deutschland.de

Bundesregierung beschließt neue Start-up-Strategie: Mehr Wagniskapital, weniger Bürokratie und Fokus auf Defense-Tech

Die Bundesregierung hat eine neue Start-up-Strategie beschlossen, mit der Deutschland als Innovationsstandort gestärkt und junge Wachstumsunternehmen gezielt in ihrer Expansionsphase unterstützt werden sollen. Erstmals rücken dabei auch Unternehmen aus den Bereichen Sicherheit und Verteidigung stärker in den Fokus der staatlichen Förderung, so berichtet „Die Welt“ und die „Tagesschau“.

Ein zentrales Ziel der Strategie sei es, vielversprechende Start-ups in Deutschland zu halten und deren Abwanderung ins Ausland zu verhindern. Dafür soll insbesondere der Zugang zu Wachstumskapital verbessert werden – ein Bereich, der bislang als einer der größten Wettbewerbsnachteile des deutschen Start-up-Ökosystems gilt. „Wichtiger Schritt. Jetzt muss aus dem Papier schnell Realität werden“, sagt Prof. Dr. Helmut Schönenberger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Startup-Verbandes.

Flexibilisierung des Kündigungsschutzes

Darüber hinaus begrüßt der Startup-Verband die angekündigte Flexibilisierung des Kündigungsschutzes für Spitzenkräfte ab 1.1.2027 und das klare Bekenntnis der Bundesregierung zur “EU Inc.”, mit dem Ziel einer Einigung noch in diesem Jahr. Die Strategie kann der aktuellen Gründungsdynamik Rückenwind geben: Im ersten Halbjahr 2026 wurden über 3.000 Startups gegründet – 52 Prozent mehr als im Vorhalbjahr, mehr als im gesamten Jahr 2024. Dafür ist eine zügige Umsetzung erforderlich.

Deutschlandfonds soll bis zu 130 Milliarden Euro mobilisieren

Kernstück der Strategie ist der weitere Ausbau des Deutschlandfonds. Mithilfe staatlicher Garantien sollen private Investitionen angestoßen und langfristig bis zu 130 Milliarden Euro für Zukunfts- und Infrastrukturprojekte mobilisiert werden. Gleichzeitig plant die Bundesregierung, institutionellen Investoren wie Rentenfonds und Stiftungen den Einstieg in Venture-Capital-Investitionen zu erleichtern.

Weniger Bürokratie für Gründer

Neben besseren Finanzierungsmöglichkeiten setzt die Bundesregierung auf den Abbau bürokratischer Hürden. Das Programm „Schneller Gründen“ soll Verwaltungsprozesse vollständig digitalisieren und Unternehmensgründungen deutlich beschleunigen. Darüber hinaus wird auf europäischer Ebene eine einheitliche Rechtsform für Start-ups angestrebt, um grenzüberschreitende Expansionen einfacher zu machen.

Finanzierung bleibt Herausforderung

Die neue Strategie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der deutsche Venture-Capital-Markt ein gemischtes Bild zeigt. Zwar ist das investierte Kapital zuletzt gestiegen, gleichzeitig nimmt jedoch die Zahl der Finanzierungsrunden ab. Investoren konzentrieren sich zunehmend auf größere Finanzierungsrunden und etablierte Wachstumsunternehmen, während junge Start-ups den Zugang zu Kapital häufig als schwierig empfinden.

Signal für den Innovationsstandort Deutschland

Mit der neuen Startup- und Scaleup-Strategie will die Bundesregierung den Innovationsstandort Deutschland langfristig stärken und international wettbewerbsfähiger machen. Neben besseren Finanzierungsbedingungen sollen digitale Verwaltungsprozesse, europäische Harmonisierung und neue Investitionsanreize dazu beitragen, dass mehr innovative Unternehmen in Deutschland gegründet werden und ihre Wachstumsphase erfolgreich im Inland absolvieren.

Helsing sammelt 1,8 Milliarden US-Dollar ein – Europas wertvollstes Defense-Tech-Startup mit 18 Milliarden Bewertung

Das Münchner Defense-Tech-Unternehmen Helsing hat eine Series-E-Finanzierungsrunde in Höhe von 1,8 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Mit der neuen Kapitalaufnahme steigt die Unternehmensbewertung auf 18 Milliarden US-Dollar und macht Helsing zu einem der wertvollsten Technologie-Startups Europas.

An der Finanzierungsrunde beteiligen sich sowohl bestehende als auch neue Investoren. Zu den Geldgebern zählen unter anderem Dragoneer Investment Group, Lightspeed Venture Partners, Disruptive, Iconiq, Growth Equity at Goldman Sachs Alternatives, JPMorganChase, Canada Pension Plan Investment Board (CPP Investments), General Catalyst, Plural und Stepstone.

Nach Angaben des Unternehmens war die Nachfrage der Investoren deutlich höher als das verfügbare Finanzierungsvolumen. Dies unterstreiche das wachsende Vertrauen institutioneller Investoren in KI-gestützte und softwarebasierte Verteidigungstechnologien.

Fokus auf KI für Europas Verteidigung

Helsing entwickelt künstliche Intelligenz für militärische Anwendungen und verfolgt das Ziel, moderne Software- und KI-Plattformen in die Verteidigungsfähigkeiten europäischer und weiterer Partnerstaaten zu integrieren. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen die Entwicklung dieser Technologien weiter beschleunigen und seine internationale Expansion vorantreiben.

Trotz des starken internationalen Investoreninteresses bleibt Helsing nach eigenen Angaben mehrheitlich in europäischem Besitz. Auch die Unternehmensführung bleibt unverändert. Den Co-Vorsitz des Verwaltungsrats übernehmen weiterhin Spotify-Gründer Daniel Ek und der ehemalige Airbus-CEO Tom Enders. Ergänzt wird das Gremium durch Jeannette zu Fürstenberg, Denis Mercier sowie die Gründer des Unternehmens.

Starke Investorenbasis

Bereits vor der aktuellen Finanzierungsrunde wurde Helsing von namhaften Investoren unterstützt. Zu den Bestandsinvestoren zählen unter anderem Prima Materia, Accel und Greenoaks.

Mit der Series-E-Runde festigt Helsing seine Position als einer der führenden europäischen Anbieter von KI-Lösungen für den Verteidigungssektor. Die Finanzierung gilt zugleich als weiteres Signal für das zunehmende Interesse internationaler Kapitalgeber an europäischen Defense-Tech-Unternehmen.

Für eine neue Gründerzeit: Mehr als 100 Stimmen fordern wirtschaftspolitische Wende

Vor der Sitzung des Koalitionsausschusses am 1. Juli richtet das deutsche Startup-Ökosystem einen unmissverständlichen Appell an die Bundesregierung – mit zehn konkreten Forderungen für eine neue Gründerzeit: Mehr als 100 namhafte Persönlichkeiten aus dem deutschen Startup- und Scaleup-Ökosystem haben sich zusammengetan, um laut zu werden – und das mit Nachdruck. Unter dem Titel „Für eine neue Gründerzeit, jetzt“ fordern Gründerinnen und Gründer, darunter allein 11 Unicorn-Gründer, und führende Wirtschaftsköpfe von der Bundesregierung eine echte wirtschaftspolitische Wende. Initiiert wurde der Appell vom Startup-Verband – und er kommt zum richtigen Zeitpunkt: Kurz vor der nächsten Sitzung des Koalitionsausschusses am 1. Juli 2026.

Der Weckruf

Die Botschaft ist klar und dringend. „Der Wegfall von 10.000 Industriearbeitsplätzen pro Monat im vergangenen Jahr ist ein Weckruf und zugleich Handlungsverpflichtung für echte Reformen“, mahnt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbandes. Vage Absichtserklärungen reichten nicht mehr – gefordert seien greifbare Reformansätze, die Deutschlands Stärken endlich konsequent nutzen: Weltklasse-Forschung, hochqualifizierte Talente und eine starke industrielle Basis.

Rund 500.000 Menschen arbeiten heute bereits für deutsche Startups und Scaleups. Der Koalitionsvertrag erkennt das Potenzial an – Startups seien „die Hidden Champions und DAX-Konzerne von morgen“. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz betonte bei den German Startup Awards im Mai 2026 in Berlin: „Ohne Innovationsfähigkeit, ohne Wettbewerbsfähigkeit geht es in unserem Land nicht. […] Dabei haben Sie jede Unterstützung verdient.“

Digitale Souveränität als Überlebensfrage

Besondere Brisanz erhält der Appell durch die aktuelle geopolitische Lage: Die Entscheidung der US-Regierung, Anthropics neueste Softwareentwicklung für Ausländer zu sperren, hat nach Einschätzung von Pausder „nochmals dramatisch deutlich gemacht, dass es bei digitaler Souveränität um unsere wirtschaftliche Lebensfähigkeit geht.“ Die Antwort müsse der konsequente Aufbau einer eigenen europäischen KI-Infrastruktur und die Entwicklung eigenständiger Modelle sein.

Die zehn Forderungen im Überblick

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner haben ihre Forderungen auf zehn konkrete Punkte verdichtet:

  1. Altersvorsorge öffnen für Venture-Capital-Investitionen
  2. Neue Impulse für institutionelle Investoren und Priorisierung der WIN-Initiative
  3. Flexibilisierung des Kündigungsschutzes für Spitzenverdienende
  4. Mitarbeiterkapitalbeteiligungen praxistauglicher gestalten
  5. EU Inc. vorantreiben – die europäische Gesellschaftsform als Standard etablieren
  6. Digital Markets Act (DMA) konsequent durchsetzen
  7. Bürokratierückbau, Belastungsmoratorium und flächendeckende 24-Stunden-Gründung
  8. Mehr Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungsinstituten für DeepTech
  9. Den Staat als Ankerkunden für innovative Unternehmen etablieren
  10. Digitale Souveränität sichern – Investitionen in KI-Infrastruktur und Rechenkapazitäten

Was jetzt zählt

Der Appell ist mehr als ein Forderungskatalog – er ist ein Signal. Ein Signal, dass das deutsche Startup-Ökosystem nicht länger auf Reformen warten, sondern aktiv mitgestalten will. „Für eine neue Gründerzeit brauchen wir Vorfahrt für Innovation und Wachstum. Nur so können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken und damit die Voraussetzung für einen handlungsfähigen Sozialstaat schaffen“, so Pausder.

Die Uhr tickt. Der 1. Juli 2026 ist die nächste Chance – und nach Ansicht der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner eine, die die Bundesregierung nicht verspielen darf.