Für eine neue Gründerzeit: Mehr als 100 Stimmen fordern wirtschaftspolitische Wende

Verena Pausder, Vorstand des Start-up Verbandes
Verena Pausder, Vorstand des Start-up Verbandes

Vor der Sitzung des Koalitionsausschusses am 1. Juli richtet das deutsche Startup-Ökosystem einen unmissverständlichen Appell an die Bundesregierung – mit zehn konkreten Forderungen für eine neue Gründerzeit: Mehr als 100 namhafte Persönlichkeiten aus dem deutschen Startup- und Scaleup-Ökosystem haben sich zusammengetan, um laut zu werden – und das mit Nachdruck. Unter dem Titel „Für eine neue Gründerzeit, jetzt“ fordern Gründerinnen und Gründer, darunter allein 11 Unicorn-Gründer, und führende Wirtschaftsköpfe von der Bundesregierung eine echte wirtschaftspolitische Wende. Initiiert wurde der Appell vom Startup-Verband – und er kommt zum richtigen Zeitpunkt: Kurz vor der nächsten Sitzung des Koalitionsausschusses am 1. Juli 2026.

Der Weckruf

Die Botschaft ist klar und dringend. „Der Wegfall von 10.000 Industriearbeitsplätzen pro Monat im vergangenen Jahr ist ein Weckruf und zugleich Handlungsverpflichtung für echte Reformen“, mahnt Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbandes. Vage Absichtserklärungen reichten nicht mehr – gefordert seien greifbare Reformansätze, die Deutschlands Stärken endlich konsequent nutzen: Weltklasse-Forschung, hochqualifizierte Talente und eine starke industrielle Basis.

Rund 500.000 Menschen arbeiten heute bereits für deutsche Startups und Scaleups. Der Koalitionsvertrag erkennt das Potenzial an – Startups seien „die Hidden Champions und DAX-Konzerne von morgen“. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz betonte bei den German Startup Awards im Mai 2026 in Berlin: „Ohne Innovationsfähigkeit, ohne Wettbewerbsfähigkeit geht es in unserem Land nicht. […] Dabei haben Sie jede Unterstützung verdient.“

Digitale Souveränität als Überlebensfrage

Besondere Brisanz erhält der Appell durch die aktuelle geopolitische Lage: Die Entscheidung der US-Regierung, Anthropics neueste Softwareentwicklung für Ausländer zu sperren, hat nach Einschätzung von Pausder „nochmals dramatisch deutlich gemacht, dass es bei digitaler Souveränität um unsere wirtschaftliche Lebensfähigkeit geht.“ Die Antwort müsse der konsequente Aufbau einer eigenen europäischen KI-Infrastruktur und die Entwicklung eigenständiger Modelle sein.

Die zehn Forderungen im Überblick

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner haben ihre Forderungen auf zehn konkrete Punkte verdichtet:

  1. Altersvorsorge öffnen für Venture-Capital-Investitionen
  2. Neue Impulse für institutionelle Investoren und Priorisierung der WIN-Initiative
  3. Flexibilisierung des Kündigungsschutzes für Spitzenverdienende
  4. Mitarbeiterkapitalbeteiligungen praxistauglicher gestalten
  5. EU Inc. vorantreiben – die europäische Gesellschaftsform als Standard etablieren
  6. Digital Markets Act (DMA) konsequent durchsetzen
  7. Bürokratierückbau, Belastungsmoratorium und flächendeckende 24-Stunden-Gründung
  8. Mehr Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungsinstituten für DeepTech
  9. Den Staat als Ankerkunden für innovative Unternehmen etablieren
  10. Digitale Souveränität sichern – Investitionen in KI-Infrastruktur und Rechenkapazitäten

Was jetzt zählt

Der Appell ist mehr als ein Forderungskatalog – er ist ein Signal. Ein Signal, dass das deutsche Startup-Ökosystem nicht länger auf Reformen warten, sondern aktiv mitgestalten will. „Für eine neue Gründerzeit brauchen wir Vorfahrt für Innovation und Wachstum. Nur so können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken und damit die Voraussetzung für einen handlungsfähigen Sozialstaat schaffen“, so Pausder.

Die Uhr tickt. Der 1. Juli 2026 ist die nächste Chance – und nach Ansicht der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner eine, die die Bundesregierung nicht verspielen darf.

Verwandte Artikel

GründerMagazin​

Newsletter Abonnieren​

Folgen Sie uns

10 Punkte für eine sichere Existenzgründung!

KOSTENLOS

Ihr Weg zur eigenen Geschäftsidee

Download