MUT zeigt starke Gründungen aus NRW: Drei Start-ups überzeugen mit Ideen für Zahntechnik, Bau und Ernährung.
Deutschlands Gründerzeit 2.0
GründerMagazin-Analyse: Warum die kaum bekannte Agentur SPRIN-D die Zukunft des Landes radikal neu denkt – und was das für Gründer bedeutet?
„Wir müssen wieder lernen, groß zu denken – und zu riskieren, grandios zu scheitern.“ So spricht ein Mann, den man kennen sollte, unter Menschen, die sich beruflich mit Innovation beschäftigen. Denn Rafael Laguna de la Vera ist wahrscheinlich eine der wichtigsten Stimmen, wenn es um Deutschlands Zukunftsfähigkeit geht. Deshalb spricht er von nichts Geringerem als einer „Gründerzeit 2.0“.
Die Analyse: Er ist Direktor der Bundesagentur SPRIN-D, offiziell: Agentur für Sprunginnovationen der Bundesrepublik Deutschland. Sitz: Leipzig. Bekanntheitsgrad: viel zu niedrig. Relevanz: enorm. Während Ministerien über Strategiepapiere brüten und Konzerne ihre Effizienz trimmen, versucht Laguna de la Vera etwas, das in Deutschland fast schon revolutionär wirkt: echte, radikale Innovation ermöglichen. Technologie, die nicht nur verbessert, was es schon gibt – sondern etwas völlig Neues schafft. So, wie damals in der Gründerzeit des 19. Jahrhunderts.
Die Idee: mehr Wahnsinn – und weniger Verwaltung
Laguna de la Vera ist einer, der Klartext spricht. Seine Botschaft: Deutschland hat sich zu bequem eingerichtet. Wir optimieren, statt zu erneuern. Wir verwalten, statt zu gestalten. Wir fördern Kleinkram, aber nicht die großen Visionen.
SPRIN-D soll das ändern. Die Agentur ist inspiriert vom US-Vorbild DARPA – jener Organisation, aus der das Internet, GPS, moderne Halbleitertechnologie und vieles mehr hervorgingen. DARPA finanziert Dinge, die so riskant sind, dass keine Firma und kein klassisches Förderprogramm sie anfassen würde. Mit der gleichen Logik will SPRIN-D arbeiten – nur eben made in Germany.
SPRIN-D sitzt nicht in Berlin, nicht in München, nicht in irgendeinem Berliner Industrie-Loft mit Designmobiliar. Sondern in Leipzig. In einem sanierten Backsteinbau. Bewusst abseits des Berliner Politbetriebs. Das ist kein Zufall. Denn laut Laguna de la Vera braucht Innovation Entkopplung: von Lobbydruck, von Tagespolitik, von Verwaltungslogik. Leipzig bietet Raum – mental und geografisch – für genau das.
SPRIN-D finanziert keine klassischen Start-ups. Keine Apps. Keine kopierten Geschäftsmodelle aus den USA. Sondern Sprunginnovationen – also Technologien, die: neue Märkte schaffen, alte Strukturen ersetzen, global relevant sind und potenziell extrem riskant sind. Das können sein:
- neuartige Energiespeicher
- medizinische Verfahren, die Krankheiten grundlegend anders behandeln
- KI-Systeme, die Maschinen zu autonomen Problemlösern machen
- Technologien, die Ressourcen anders denken
- Radikale Ansätze für Mobilität
Kurz: Dinge, die so ambitioniert sind, dass man nicht weiß, ob sie funktionieren – aber wenn sie funktionieren, verändern sie alles. SPRIN-D arbeitet deshalb mit „Challenges“ und „X-Prizes“ – die besten Köpfe, Forscher, Entrepreneure konkurrieren um Lösungen. Für GründerMagazin-Leser heißt das: Hier entstehen die Märkte der Zukunft. Und SPRIN-D öffnet die Tür zu ihnen.
Neue Gründerzeit für Deep Tech
Laguna de la Veras Kernthese ist alarmierend klar: Deutschland droht, den Anschluss an die nächste Welle technologischer Revolution zu verlieren. Während die USA, China, UK und Südkorea Milliarden in Deep Tech, KI und Quantenforschung investieren, verliert Deutschland Zeit – in Debatten, Büros, Gremien.
Die Folge? Weniger Patente, weniger technologische Eigenständigkeit, weniger Wachstum und Weniger internationale Wettbewerbsfähigkeit. Mit anderen Worten: Ohne Sprunginnovationen kein nachhaltiger Wohlstand. Die historische Gründerzeit des 19. Jahrhunderts brachte Deutschland die Chemieindustrie, die Elektrotechnik, die Automobilindustrie und natürlich den den Maschinenbau.
Sie war der Motor der Industrialisierung. Laguna de la Vera fordert eine neue Ära – aber mit Deep Tech als Herzschlag:
- KI
- Quantencomputing
- neue Materialien
- radikale Energie- und Klimatechnologien
- Biotechnologie
- autonomes Systems Engineering
Deutschland muss wieder das Land werden, in dem man nicht fragt: „Darf man das?“
Sondern: „Wie bauen wir es?“
Wollen wir eine Gründerzeit 2.0?
Weil Deutschland historisch immer dann stark war, wenn es neue Technologien früh verstanden und gestaltet hat. Und immer dann schwach, wenn es sich zu sehr auf Bestehendes verlassen hat. Heute stehen wir wieder an so einem Wendepunkt. Die Frage ist nicht: Können wir eine Gründerzeit 2.0 schaffen? Die Frage ist: Wollen wir sie überhaupt?
SPRIN-D, DARPA-inspiriert, exzentrisch, mutig, unbequem – ist einer der wenigen Orte im Land, an dem diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantwortet wird. Und vielleicht ist es genau diese Art von Ja, die Deutschland jetzt braucht.
Was Gründer jetzt tun sollten
Die Gründerzeit 2.0 ist kein staatliches Projekt – sie lebt von denen, die heute gründen.
Drei Impulse aus Laguna de la Veras Denken:
1. Problembasiert gründen, nicht produktbasiert
Die nächste große Welle kommt nicht von Apps, Plattformen oder Convenience-Lösungen.
Sie kommt aus Physik, Materialwissenschaft, KI-Kerntechnologie, Biotech.
2. Radikal denken – und radikal validieren
„Moonshots“ funktionieren nicht, wenn sie zu PowerPoint verkommen.
Man muss sie bauen. Testen. Wieder bauen.
3. Finanzierung diversifizieren
SPRIN-D kann ein Türöffner sein – aber auch internationale Fonds, Stiftungen, Unternehmen.
Deep Tech ist internationaler Wettbewerb. Wer groß denkt, braucht globale Ressourcen.
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Digitale Start-ups des Jahres 2025: Drei junge Unternehmen gewinnen Innovationspreis des BMWi
Im Rahmen der Start-up-Leitmesse Bits & Pretzels in München hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die „Digitale Start-ups des Jahres 2025“ ausgezeichnet.
Die Auszeichnung würdigt innovative Gründerinnen und Gründer, die durch Förderprogramme des Ministeriums unterstützt wurden und sich in kurzer Zeit erfolgreich am Markt etablieren konnten.
Auszeichnung für unternehmerischen Mut und technologische Exzellenz
Mit dem Preis „Digitales Start-up des Jahres“ ehrt das BMWi seit 2013 junge Unternehmen, die digitale Innovationen in marktfähige Geschäftsmodelle überführen.
Voraussetzung: Innerhalb kurzer Zeit muss ein Umsatz von mindestens 100.000 Euro erzielt werden. Über die Auswahl der Preisträger entscheidet eine unabhängige Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft und Start-up-Ökosystem.
Ministerin Katherina Reiche: „Diese Start-ups zeigen, wo Wandel greifbar wird“
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche würdigte die Preisträgerinnen und Preisträger mit deutlichen Worten:
„Diese Start-ups zeigen, wie neue Technologien dort Wirkung entfalten, wo gesellschaftlicher und industrieller Wandel bereits spürbar ist – von der hochpräzisen Laserfertigung über intelligente Maschinensteuerung bis hin zu App-basierter psychologischer Beratung. Solche Lösungen verbinden wirtschaftliche Stärke mit gesellschaftlichem Mehrwert.“
Mit ihren Förderprogrammen unterstützt das Ministerium gezielt Projekte, die schnell aus dem Labor in die Praxis gelangen und technologische Souveränität in Deutschland stärken.
Preisgelder und Auszeichnungen
Die Gewinnerteams erhalten gestaffelte Preisgelder:
- 1. Platz: 50.000 Euro
- 2. Platz: 30.000 Euro
- 3. Platz: 20.000 Euro
- Publikumspreis: 10.000 Euro
Die Preisträger 2025 im Überblick
1. Platz – Layer Performance GmbH (Aachen)
Das Aachener Start-up entwickelt Software zur Erstellung dreidimensionaler Maschinenpfade für 3D-Drucker und Industrieroboter.
Die Technologie verbessert Oberflächengüte und Stabilität von Bauteilen, reduziert Material- und Energieverbrauch und eröffnet neue Anwendungen in der kundenspezifischen Massenfertigung sowie in der industriellen Reparaturtechnik.
Layer Performance zeigt, wie Digitalisierung und Fertigungstechnologie erfolgreich verschmelzen können.
2. Platz – INLEAP Photonics GmbH (Hannover)
Das Spin-off des Laser Zentrums Hannover überzeugt mit der INLEAP® FASTLIGHT® Technologie – einem ultraschnellen, digitalen Laserstrahllenksystem.
Die Innovation steigert Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Fertigung von Batteriezellen, Photovoltaikmodulen und Hightech-Komponenten und leistet damit einen direkten Beitrag zur Energiewende.
3. Platz – grievy GmbH (Köln)
Mit ihrer App für digitale Trauerbegleitung kombiniert grievy Psychologie und Technologie auf neuartige Weise.
Die Plattform bietet personalisiert anpassbare Selbsttherapiepläne, wissenschaftlich fundierte Inhalte sowie Zugang zu Fachleuten und einer unterstützenden Community.
Grievy erhielt zusätzlich den Publikumspreis, nachdem sich das Team im Onlinevoting mit 35 % der Stimmen gegen seine Mitbewerber durchsetzte.
Hintergrund: Wettbewerb „Digitales Start-up des Jahres“
Der Wettbewerb richtet sich an Start-ups, die aus Förderinitiativen des Bundesministeriums hervorgegangen sind – darunter:
- Gründungswettbewerb – Digitale Innovationen
- EXIST – Existenzgründungen aus der Wissenschaft
- Hightech-Gründerfonds (HTGF)
- INVEST – Zuschuss für Wagniskapital
- Digital Hub Initiative
- German Accelerator
Bewerben können sich Start-ups, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens 100.000 Euro Umsatz erzielt haben und deren Geschäftsmodell einen deutlichen digitalen Innovationsgrad aufweist.
Fazit: Digitale Exzellenz mit gesellschaftlichem Mehrwert
Die diesjährigen Preisträger beweisen, dass deutsche Gründerinnen und Gründer nicht nur mit technologischer Stärke, sondern auch mit gesellschaftlicher Verantwortung überzeugen können.
Von Lasertechnik über Robotik bis hin zu mentaler Gesundheit – die Vielfalt der ausgezeichneten Start-ups steht für die Innovationskraft, die Deutschlands Gründerszene prägt.
Ein starkes Signal aus München: Innovation, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit gehören zusammen – und sind die Grundlage für unternehmerischen Erfolg im digitalen Zeitalter.
Berliner Workflow-Startup n8n wird zum Unicorn – Bewertung steigt auf 2,5 Milliarden Dollar
n8n wird zum Unicorn: Das Berliner Startup verbindet Workflow-Automatisierung, KI-Integration und starke Open-Source-Community.
Schnelles Geld im Start-up-Valley Berlin
Das Start-up-Valley Berlin bietet einen großen Fundus an interessanten Gründungen. Faircado ist ein beeindruckendes Förderbeispiel eines erfolgreichen Start-ups , das mit einem KI-basierten Tool fürs Second-Hand-Shoppingrund drei Millionen Euro an Pre-Seed-Finanzierung locker machte. Das GründerMagazin-Special beleuchtet exklusiv die Berliner Förder- Finanz- und Venture-Capital-Szene.
In Berlin, Europas Hauptstadt für kreative Gründungen, stellte ein junges Start-up die Art, wie wir shoppen, auf den Kopf gestellt: Faircado. Die Idee von den Gründern Ali Nezamolmaleki und Evoléna de Wilde d’Estmael klingt simpel – und ist doch revolutionär. Das Unternehmen hat ein KI-basiertes Browser-Plugin entwickelt, das beim Online-Shopping automatisch nachhaltige Second-Hand-Alternativen anzeigt. Wer also ein neues Smartphone, Buch oder Kleidungsstück kaufen möchte, bekommt direkt Vorschläge aus geprüften Second-Hand-Plattformen eingeblendet.
Die Idee für das Secondhand-Plugin hatten das Berliner Gründer-Duo im Jahr 2022. Die Gründer setzen damit auf einen klaren Trend: Nachhaltigkeit trifft digitale Bequemlichkeit. Und der Erfolg gibt ihnen recht. Erst 2024 konnte Faircado nach der Gründungsdförderung eine Pre-Seed-Finanzierung von rund drei Millionen Euro einsammeln – ein wichtiger Schritt, um die Technologie weiter auszubauen und international durchzustarten. Auch das Fin-Tech Forget Finance sammelte jetzt 3,5 Millionen Euro von mehreren Venture-Capital-Fonds aus der Finanz- und Tech-Szene ein (siehe Kasten).
Zwischen Keffeeküche und Pitch-Events
Berlin ist für seine lebendige Start-up-Szene bekannt. Zwischen Co-Working-Spaces, Pitch-Events und Kaffeeküchen entstehen hier Ideen, die internationale Märkte verändern. „Wir wollen den Second-Hand-Markt so einfach und attraktiv machen wie das Kaufen von Neuware“, erklärt Mitgründerin und CEO Evoléna de Wilde d’Estmael: „Dafür braucht es mehr als gute Absichten – es braucht Technologie.“
Faircado bündelt Angebote aus verschiedenen Second-Hand-Plattformen und Online-Shops. Die eigens entwickelte KI sortiert, filtert und empfiehlt Produkte, sodass Nutzer:innen schnell genau das finden, was sie suchen – sei es ein gebrauchtes Smartphone, ein Designerstück oder Möbel.
Besonders spannend: Berlin selbst bot dafür den perfekten Nährboden. Förderprogramme von der IBB Investitionsbank Berlin bis zur KfW und das dichte Netzwerk aus Impact-Investoren, Acceleratoren und Start-up-Hubs halfen dem jungen Team, von der ersten Idee zu einem skalierbaren Geschäftsmodell zu gelangen.
Ein GründungsBONUS in Berlin
So bietet beispielsweise die Investitionsbank Berlin (IBB) für Gründerinnen und Gründer in Berlin verschiedene Förderungen an, darunter zinsgünstige Darlehen und Bürgschaften über die Bürgschaftsbank Berlin-Brandenburg (BBB) sowie Zuschüsse, Wettbewerbe und Beratungsleistungen über ihre Tochtergesellschaft IBB Business Team GmbH. Wichtige Programme sind der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg (BPW), der GründungsBONUS und der Coaching BONUS. Dabei ist der GründungsBONUS ist eines der beliebtesten Förderprogramme für Start-ups in Berlin.
GründerMagazin hat exklusiv recherchiert, wie die Berliner Förderung funktioniert:
Wer kann gefördert werden?
- Start-ups mit Firmensitz in Berlin
- Jungunternehmen (in der Regel nicht älter als 12 Monate)
- Innovative Geschäftsidee (z. B. digitale Technologien, nachhaltige Produkte, neue Geschäftsmodelle)
- Gründer:innen müssen hauptberuflich tätig sein
Förderhöhe
- bis zu 50.000 € Zuschuss (keine Rückzahlung nötig)
- Förderquote: bis zu 50 % der förderfähigen Ausgaben
- GründungsBONUS Plus: für besonders innovative Projekte oder soziale/ökologische Wirkung – hier sind höhere Summen möglich
förderfähige Kosten
- Personalkosten (eigene Gehälter, Mitarbeiter:innen)
- Sachkosten (z. B. Miete, Hardware, Software, Marketing, Prototypenbau)
- Beratungskosten (Coaching, Rechtsberatung, Marketing, Patente usw.)
Der perfekte Nährboden für Gründer
Viele Berliner Start-ups liessen sich entweder über direkte regionale Zuschüsse, Hilfsprogramme wie GründungsBONUS oder EXIST, EFRE-Förderung oder mFUND-Anschub unterstützen. Diese Förderungen ermöglichten:
- Entwicklung ihrer Produkte bis zur Marktreife
- Professionalisierung (Marktzugang, Branding, Infrastruktur, Coaching)
- Folgefinanzierungen (z. B. Seed-Runden, große öffentliche Investitionen)
Heute gilt Faircado als Finanzierungs-Paradebeispiel, wie Innovation und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Ein Berliner Start-up, das dank Finanzierung und Förderung nicht nur wachsen will, sondern auch die Konsumkultur in Richtung Kreislaufwirtschaft verändert. (Start-up-Valley Berlin Special im GründerMagazin 06.25)
Parloa: Mit KI-Voicebot zum Unicorn
Parloa wird zum Unicorn: Das Berliner KI-Start-up automatisiert Kundenservice mit Voicebots und erreicht Milliardenbewertung.
500 Millionen-Bewertung für Münchner Drohnenhersteller Stark
Stark erreicht 500 Millionen Dollar Bewertung: Das Münchner Start-up entwickelt Drohnensysteme für Europa und die NATO.
Wie KI die Industrie verändert
KI verändert Industrie und Arbeitswelt: GenAI bringt neue Chancen, aber auch Fragen zu Regulierung, Vertrauen und Weiterbildung.
Digitale Zukunft KI
Digitale Zukunft KI: Unternehmen gewinnen Effizienz, bessere Entscheidungen und neue Services – wenn sie KI bewusst einsetzen.
KfW-Gründungsmonitor 2025: Gründungstätigkeit 2024 leicht gestiegen – Politik ist gefragt
Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor zeigt für 2024 einen erneuten leichten Anstieg der Gründungstätigkeit in Deutschland, doch diese bleibt weiterhin in einem Seitwärtstrend auf niedrigem Niveau (KfW). Die Gründungsintensität stieg von 110 auf 115 Gründungen pro 10.000 Erwerbsfähige – insgesamt rund 585.000 Existenzgründungen, ein Plus von 17.000 bzw. 3 % im Vergleich zum Vorjahr.
Nebenerwerbsgründungen liegen vorn
Der Zuwachs ist fast ausschließlich auf Nebenerwerbsgründungen zurückzuführen: mit 382.000 Fällen stieg ihre Zahl um 5 % gegenüber 2023, während Vollerwerbsgründungen leicht zurückgingen (203.000, –1 %).
Digitalisierung & Arbeitsmarkt im Fokus
- Digitalisierung: Erstmals sind 36 % der Gründungen digitale Geschäftsmodelle – ein neuer Höchstwert (Industrie- und Handelskammer).
- ** Arbeitsmarktunsicherheit:** Die konjunkturellen Rahmenbedingungen verschlechterten sich; dies dürfte den Run auf Selbstständigkeit teils befördert haben.
Kommentar des Chefvolkswirts der KfW
„Die Gründungsneigung in Deutschland ist gering. Das lag in den vergangenen Jahren sicher auch an der gut laufenden Wirtschaft, die Menschen haben sich für die Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses entschieden. Das ist eine Mentalitätsfrage. Es geht aber auch um Bildung. Mehr Zutrauen bei finanziellen Themen erhöht die Wahrscheinlichkeit zu gründen. Von daher ist es positiv, dass die neue Regierung in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten hat, Entrepreneurship Education als Ziel für Schulqualität und Lehrerbildung zu ergänzen. Wir erwarten für 2025 leicht steigende Gründungszahlen.“
Dr. Dirk Schumacher
Demografie & Finanzwissen entscheidend
Die Megatrends Arbeitskräftemangel, demografischer Wandel und Digitalisierung prägen das Gründungsgeschehen. Besonders bei Jüngeren (18–29 Jahre) ist die Gründerbereitschaft auffallend hoch: 36 % ziehen selbstständige Arbeit einer Anstellung vor. Gleichzeitig zeigt sich: Wer finanzielle Bildung besitzt, traut sich eher zu gründen.
Kapital & Start-ups
- Finanzierung: 75 % der Gründer decken ihren Kapitalbedarf ausschließlich aus Eigenmitteln – der höchste Anteil seit Beginn der Erhebung.
- Start up Begriff: Nur rund 6 % der Gründungen erfüllen klassische Start up Kriterien, doch subjektiv betrachten 27 % ihr Vorhaben als Start up.
Ausblick & Forderungen
„Wir erwarten für 2025 leicht steigende Gründungszahlen“, erklärt KfW Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher. Er fordert mehr Entrepreneurship Education in Schulen und Finanzkompetenz Förderung, um Gründerneigungen langfristig zu stärken.
Fazit: Zwar bewegt sich Deutschland in puncto Gründungsaktivität auf niedrigem Niveau, doch positive Signale – vor allem im Nebenerwerb, bei digitalen Konzepten und jugendlichem Gründergeist – setzen Impulse. Für langfristige Dynamik sind jedoch strukturelle Maßnahmen in Bildung und Finanzierung notwendig.
3,2 Millionen Euro Seed-Finanzierung für nuwacoms Enterprise-Plattform
nuwacom erhält 3,2 Millionen Euro Seed-Kapital. Das KI-Startup entwickelt eine Enterprise-Plattform für sichere Zusammenarbeit mit KI.
Quantum Systems zum Einhorn gekürt
Quantum steigt mit 160 Millionen Euro Finanzierung zum Unicorn auf und baut KI-gestützte Drohnen für Aufklärung und Datenerfassung.
Existenzgründer blicken positiver auf 2025
„Unabhängigkeit ist ein starkes Gründungsmotiv“, sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. „Verantwortlich für seine eigenen Geschicke zu sein, trägt zur Selbsterfüllung bei .“ Menschen, die erst vor kurzem ein Unternehmen gegründet haben oder ihre Selbstständigkeit derzeit planen, blicken deutlich optimistischer auf die eigene Zukunft als die deutsche Bevölkerung insgesamt. In einer Blitzumfrage unter Nutzerinnen und Nutzern der Gründerplattform stimmten 67 Prozent der Teilnehmenden der Aussage zu, dass 2025 für sie selbst und ihre Familie besser wird als 2024. In der Gesamtbevölkerung sagten das nur 56 Prozent. Zudem bejahten lediglich 38 Prozent der jungen und werdenden Selbstständigen die Aussage, dass 2024 ein schlechtes Jahr für sie und ihre Familie war. In der Gesamtbevölkerung waren das mit 47 Prozent deutlich mehr. Als Vergleich zu der Befragung auf der Gründerplattform wurden für die Gesamtbevölkerung Fragestellungen aus dem Ipsos Predictions Report 2025 herangezogen.
Gründungsstandort Deutschland Note 4.0
Obwohl die Gründerinnen und Gründer ihre persönliche Situation eher positiv einschätzten, bewerteten sie den Gründungsstandort Deutschland eher negativ. Im Durchschnitt verteilten sie in der Umfrage die Note 4.0 – das war die schlechteste Note der vergangenen zehn Jahre. Befragt danach, welche Verbesserungsmaßnahmen sie sich wünschen, nannten 45 Prozent Bürokratieabbau – etwa eine Vereinfachung von Steuergesetzen und ein schnelleres Bearbeiten von Anträgen. Ein Viertel der Befragten wünscht sich Maßnahmen, die zu finanziellen Entlastungen führen, wie einen niedrigeren Steuersatz für Gründende und eine Senkung der Mindestbeiträge zur Krankenversicherung. Info Fokus Volkswirtschaft | KfW
Zugang zu Bankkrediten immer schwieriger
Bankkredite werden für KMU schwerer zugänglich. Factoring und Sale-and-Lease-Back bieten zusätzliche Finanzierungsspielräume.
Studie enthüllt schwache Passwörter, die Unternehmen in Gefahr bringen
Millionen von Passwörtern – und trotzdem unsicher? Ein Paradoxon der Unternehmenssicherheit
Unternehmen geben viel Geld für Werbung, Branding und bahnbrechende Innovationen aus, um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein. Doch wenn es um Cybersicherheit geht, vernachlässigen viele eine der grundlegendsten Sicherheitsmaßnahmen – starke Passwörter. Die jüngste Studie von NordPass zeigt, dass Passwörter von Unternehmen in allen Branchen erschreckend vorhersehbar sind, was sie zu einem leichten Ziel für Cyberkriminelle macht.
NordPass hat in Zusammenarbeit mit NordStellar die verwendeten Passwörter in 11 Branchen analysiert und eine beunruhigende Tatsache aufgedeckt: Mitarbeiter nutzen immer noch schwache, leicht zu knackende Passwörter, die Unternehmen angreifbar machen. Vom Gesundheits- bis zum Finanzwesen, von Tech-Firmen bis zum Bildungswesen verlassen sich Unternehmen aller Branchen nach wie vor auf Zugangsdaten, die von Hackern in Sekundenschnelle erraten werden können.
„Es ist erschreckend, dass Unternehmen trotz jahrelanger Warnungen immer noch diese schwachen Passwörter verwenden, die von Hackern superleicht geknackt werden können. Cyberkriminelle brauchen dann nämlich keine ausgeklügelten Tools, um in die Unternehmenssysteme einzudringen, wenn die Mitarbeiter „passwort“ oder ihren eigenen Namen verwenden, um sensible Daten zu schützen“, sagt Karolis Arbaciauskas, Head of Business Product bei NordPass.
Unterschiedliche Branchen – gleiche Fehler
Die Untersuchung ergab, dass Mitarbeiter in allen untersuchten Branchen dazu neigen, die gleichen schwachen Passwörter zu verwenden – insbesondere einfache Zahlenfolgen wie „123456“ und „123456789“ führen die Liste an. Dieser Trend ist nicht auf eine bestimmte Branche beschränkt. Ob im Einzelhandel, in der Automobilindustrie oder im Hotel- und Gastgewerbe, die am häufigsten verwendeten Passwörter sind dieselben, was auf ein grundlegendes Problem in der Sicherheitskultur vieler Unternehmen hindeutet.
Ein weiteres alarmierendes Ergebnis ist die häufige Verwendung von Personennamen in Firmenpasswörtern. Namen wie „John“, „Michael“ und „Anna“ tauchen immer wieder auf, was sie zu einem leichten Ziel für Brute-Force-Angriffe macht.
Die Studie hat auch gezeigt, dass Mitarbeiter häufig ihre Firmen-E-Mail-Adressen als Passwörter nutzen – eine äußerst riskante Praxis, die Hackern quasi die Hälfte der Zugangsdaten liefert, die sie für den Zugriff auf sensible Daten benötigen. Unternehmen investieren in komplexe Sicherheitstools und millionenschwere Cybersicherheitskampagnen, versäumen es aber, strenge Passwortrichtlinien durchzusetzen und öffnen damit Angreifern die digitale Tür.
„Passwörter sind die erste Sicherheitsbarriere, aber sie sind nach wie vor das schwächste Glied in der Unternehmenssicherheit. Hacker benötigen keine ausgeklügelten Techniken, wenn Unternehmen ihnen einfache Einstiegspunkte bieten. Solange Unternehmen die Passwortsicherheit nicht priorisieren, sind sie anfällig für Angriffe“, sagt Arbaciauskas.
Ein globales Problem
Die NordPass-Studie analysierte die am häufigsten verwendeten Unternehmenspasswörter in 44 Ländern und stellte fest, dass schwache Passwortgewohnheiten nicht auf eine bestimmte Region beschränkt sind. In allen untersuchten Ländern machen vorhersehbare Anmeldeinformationen – wie einfache Zahlenfolgen, allgemein gebräuchliche Wörter und sogar unternehmensbezogene Begriffe – Unternehmen anfällig für Cyberbedrohungen.
Die Experten beobachteten dabei einen weiteren besorgniserregenden Trend: Standardpasswörter wie „newmember“, „admin“, „newuser“ und „welcome“ werden häufig für Geschäftskonten verwendet. Darüber hinaus werden temporäre Platzhalter wie „newpass“ und „temppass“ genutzt, die eigentlich geändert werden müssen, da sie sonst Cyberkriminellen einen einfachen Zugang bieten.
Über alle Branchen und Regionen hinweg zeigen die am häufigsten geknackten Firmenpasswörter ein klares Muster: Die Mitarbeiter verlassen sich nach wie vor auf leicht zu erratende Anmeldedaten. Hier sind die TOP 20 der besonders unsicheren Firmenpasswörter in Deutschland:
- 123456
- 123456789
- 12345678
- password
- 1234567890
- 1234567
- 111111
- 123123
- abc123
- 000000
- password1
- iloveyou
- dragon
- 1g2w3e4r
- zag12wsx
- gwerty123
- target123
- monkey
- gwerty
- asdfghjkl
Datenleck vorprogrammiert: die fatale Rolle schwacher Passwörter im Unternehmen
- Wiederverwendete Passwörter: Mitarbeiter verwenden oft dieselben Passwörter für mehrere Konten, was Hackern den Zugriff erleichtert.
- Risiko bei der Weitergabe von Passwörtern: Die Weitergabe per E-Mail oder Messaging-Apps erhöht die Wahrscheinlichkeit von Datenschutzverletzungen.
- Fehlverhalten: Viele Datenschutzverletzungen sind auf einfache Fehler zurückzuführen, was die Notwendigkeit besserer Schulungen zum Thema Cybersicherheit verdeutlicht.
- Fehlende sichere Infrastruktur: Unternehmen ohne robuste Systeme und strikte Sicherheitsrichtlinien sind einfache Ziele für Cyberkriminelle.
Laut Arbaciauskas müssen Unternehmen der Cybersicherheit höchste Priorität einräumen, indem sie Pläne für mehr Cyber-Resilienz, Mitarbeiterschulungen und Netzwerksicherheitslösungen wie Business-VPNs implementieren. Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) ist ein weiterer wichtiger Schutz, der das Risiko eines unbefugten Zugriffs verringert. Eine schwerwiegende Schwachstelle ist nach wie vor die unzureichende Verwaltung von Passwörtern, denn viele Datenschutzverletzungen werden durch kompromittierte Anmeldedaten verursacht. Arbaciauskas empfiehlt die Verwendung von Passwort-Managern zur sicheren Speicherung von Passwörtern. Zudem sollten Unternehmen prüfen, ob der Einsatz von Passkeys möglich ist – Branchenführer wie Google und Apple haben sie bereits als sicherere Alternative zu herkömmlichen Passwörtern eingeführt.
Zepta sichert sich Millionen-Investment
Zepta macht Schädlingsbekämpfung smarter: IoT-Sensoren überwachen Befall in Echtzeit und reduzieren unnötige Einsätze.