Gründen im EU-Ausland: Bürokratie schlägt Finanzrisiko

Gründen im Ausland
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Bürokratische Hürden sind das größte Gründungshemmnis in Deutschland – und immer mehr potenzielle Gründer denken über Alternativen im EU-Ausland nach, Das zeigt eine repräsentative Civey-Studie im Auftrag von e-Residency of Estonia.

Wer in Deutschland ein Unternehmen gründen möchte, kämpft vor allem mit einem Gegner: der Bürokratie. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen, repräsentativen Studie zu Gründen im EU-Ausland des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag von e-Residency of Estonia. Für die Erhebung wurden 1.500 Personen in Deutschland befragt, die konkret planen, innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Unternehmen zu gründen, oder dies ernsthaft in Erwägung ziehen.

Bürokratie vor Finanzrisiko

Das Ergebnis ist eindeutig: 35,6 Prozent der Befragten nennen bürokratische Hürden als entscheidenden Faktor, der sie von einer Gründung abhält. Damit landet Bürokratie noch vor dem finanziellen Risiko, das 33,3 Prozent angeben.

Weitere Hemmnisse sind:

  • Fehlende Zeit durch private Verpflichtungen (12,8 %)
  • Fehlende Geschäftsidee (12,1 %)
  • Mangelnde Erfahrung (11,8 %)

Immerhin rund jeder Fünfte (22,3 %) sieht aktuell keine der genannten Hürden – ein Hinweis darauf, dass die Gründungsbereitschaft durchaus vorhanden ist, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Digitale Gründung: Keine Kür, sondern Pflicht

Ein weiteres klares Signal sendet die Studie in Richtung Digitalisierung: 65,5 Prozent der gründungswilligen Befragten halten es für wichtig, ein Unternehmen vollständig digital und ohne physische Behördentermine gründen zu können. Nur knapp 30 Prozent stufen das als weniger oder gar nicht wichtig ein. Digitale Gründungsprozesse werden von einer klaren Mehrheit also nicht als angenehmes Extra wahrgenommen, sondern als Grundvoraussetzung moderner Gründungsbedingungen.

68,7 % offen für Gründung im EU-Ausland

Die wohl überraschendste Zahl der Studie: 68,7 Prozent der Befragten können sich vorstellen, ihr Unternehmen in einem anderen europäischen Land zu gründen – vollständig digital und ohne ihren Wohnsitz in Deutschland aufgeben zu müssen. Nur 26,7 Prozent schließen das kategorisch aus. Das zeigt einen grundlegenden Wandel in der Wahrnehmung von Unternehmensstandorten. Nicht nationale Zugehörigkeit, sondern die Qualität der Rahmenbedingungen wird zum entscheidenden Kriterium.

Mats Kuuskemaa, Country Manager DACH & Polen bei e-Residency, kommentiert die Zahlen so: „Wenn mehr als zwei Drittel der Gründungswilligen in Deutschland offen dafür sind, ihr Unternehmen in einem anderen EU-Land zu gründen, signalisiert das einen grundlegenden Wandel: Unternehmer:innen wählen einen Unternehmensstandort nicht mehr aus Gewohnheit, sondern sind bereit, digital fortschrittliche Alternativen zu suchen, die für sie funktionieren.“

EU Inc. und das estnische Modell

Die Studienergebnisse fallen in eine politisch relevante Phase: Am 18. März 2026 hat die Europäische Kommission ihren Legislativvorschlag für EU Inc. vorgelegt – eine einheitliche europäische Rechtsform, die vollständig digitale Gründungen innerhalb von 48 Stunden ermöglichen und zentrale Regeln für Start-ups europaweit harmonisieren soll.

Was EU Inc. als Ziel formuliert, existiert in Estland bereits seit über einem Jahrzehnt: Das e-Residency-Programm ermöglicht seit 2014 vollständig digitale Unternehmensgründungen, grenzüberschreitend und innerhalb weniger Stunden. Mehr als 140.000 Personen aus 185 Ländern haben den e-Residenten-Status erhalten, gemeinsam wurden rund 41.000 Unternehmen gegründet.

Deutschland ist dabei ein besonders dynamischer Markt: Über 8.600 deutsche e-Residents haben knapp 3.000 Firmen gegründet – und die Antragszahlen stiegen 2025 um 49 Prozent. Liina Vahtras, Managing Director des e-Residency-Programms, sieht das estnische Modell als funktionierendes Vorbild für die europäische Debatte: „Die Hälfte der e-Residents kommt aus der EU, und bereits knapp die Hälfte aller estnischen Start-ups hat einen e-Residenten an Bord. Wir begrüßen die EU Inc. als Bestätigung des von Estland eingeschlagenen Weges.“

Bürokratieabbau und Digitalisierung ernst nehmen

Die Zahlen sind eine klare Botschaft an die Politik: Wer Gründungsaktivität in Deutschland halten will, muss Bürokratieabbau und Digitalisierung ernst nehmen – und zwar schnell. Der Wettbewerb um gründungswillige Menschen findet längst auf europäischer Ebene statt. Für Gründer, die nicht warten wollen, lohnt bereits heute ein Blick auf die Möglichkeiten der estnischen e-Residency oder die Entwicklungen rund um EU Inc. – denn die Infrastruktur für reibungsloses, digitales Unternehmertum existiert. Nur eben noch nicht überall.

Die Umfrage wurde von Civey im Auftrag von e-Residency of Estonia durchgeführt. Befragungszeitraum: 31. März bis 17. April 2026. Stichprobe: 1.500 gründungswillige Personen in Deutschland. Statistischer Fehler: ca. 5 Prozent.

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