Neue Gründerwelle rollt an

Ein Grund für den Zuwachs bei den Gründungszahlen ist, dass zu den Gründern des vergangenen Jahres vor allem diejenigen zählen, die entweder in der Finanz- und Wirtschaftskrise arbeitslos geworden sind oder von Arbeitslosigkeit bedroht waren. „Ein deutlicher Beleg für diese Annahme ist“, so Frank Wallau, stellvertretender Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) im Gespräch mit den VDI-Nachrichten, „dass sowohl der Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit als auch das Einstiegsgeld, das die Träger der Grundsicherung anbieten, 2009 deutlich häufiger in Anspruch genommen wurden als im Vorjahreszeitraum: insgesamt rund 13.500 Mal.“ Im Gegensatz zu 2008 habe es in 2009 nämlich kaum Stellenangebote als attraktive Alternativen zur Selbständigkeit gegeben.

Gleichzeitig hat sich zumindest in der ersten Jahreshälfte 2009 der Anteil der Kleinbetriebsgründungen wie bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit leicht auf rund 131.000 verringert. Die meisten Existenzgründungen finden im Handel, gefolgt vom Bau- und Gastgewerbe, statt. Einen Zusammenhang mit den krisengeschüttelten aktuellen Marktbedingungen gibt es dabei, so das IfM Bonn, nicht. „Diese Branchen zeichnen sich eigentlich immer durch viele Gründungen aus. Und durch eine hohe Fluktuation. Deshalb haben wir hier in 2009 auch die meisten Liquidationen registriert.“

Denn die Zahl der Liquidationen ist in 2009 zwar gesunken. Aber: „Bei Liquidationen geht es ja um die Abwicklung der Geschäfte, also um die vollständige Auflösung und Abmeldung des Unternehmens. Das kann freiwillig oder zwangsweise geschehen. Freiwillig zu schließen: Diesen Weg aus dem Markt haben in 2009 sehr viel weniger Unternehmerinnen und Unternehmer gewählt als noch in 2008.“ Grund dafür sei, dass bei vielen der über vier Millionen Selbständigen gerade in Krisenzeiten die Geschäfte zwar mehr schlecht als recht liefen und ihnen das Wasser bis zum Hals stehe. Dennoch komme ein Ausstieg aus der Selbständigkeit für sie nicht in Frage. „Im Jahr 2008, als wir den niedrigsten Arbeitslosenstand seit Jahren hatten, sind viele derjenigen, die heute als Selbständige so gerade über die Runden kommen, in einen Angestelltenjob gewechselt. Deshalb war damals auch die Zahl der Liquidationen höher. Diese Jobs gab es in 2009 aber nicht mehr. Und aufzuhören und in die Arbeitslosigkeit zu gehen, ist für sie auch keine Option, da sie nicht freiwillig in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung versichert sind. Sie bleiben also lieber selbständig und machen wohl oder übel weiter.“

Dass vielen Unternehmern das Wasser schon höher als bis zum Hals stehe, lasse sich deutlich an der Zunahme der Insolvenzen ablesen. „Hier scheiden die Unternehmen in den allermeisten Fällen zwangsweise aus dem Markt aus“, erklärt Wallau. „Und zwar wegen Überschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens. Die Zahl der Insolvenzen ist im Jahr 2009 um rund 17% auf ca. 34.300 gestiegen. Es ist ganz offensichtlich so, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise verstärkt zu einer Überschuldung bzw. Zahlungsunfähigkeit geführt hat.“

Für das Jahr 2010 erwarten die Bonner Mittelstandsforscher wie auch immerhin 93% aller IHK-Gründungsexperten, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) im November 2009 befragt hat: Sie rechnen mit mehr Existenzgründungen in den nächsten zwölf Monaten. Dabei verweisen die IHK-Berater auf einen „Webfehler“ des eigentlich erfreulichen Anstiegs: „Viele Arbeitslose sehen in der Selbständigkeit einen Ausweg, um die Erwerbslosigkeit zu beenden. Das Not-Motiv überdeckt oft die wirtschaftliche Perspektive, denn die Aussichten für Existenzgründer bleiben schwierig.“ Viele Gründer aus der Arbeitslosigkeit starten nach DIHK-Gründerreport 2009 Einschätzung mangels besserer Alternative ohne wasserdichtes Gründungskonzept: „Die Gefahr besteht, dass viele der Gründungen nur von kurzer Dauer sein werden: Zum einen verschärfen viele Kreditinstitute ihre Anforderungen an die Vergabe von Fremdkapital. Zum anderen begeben sich gerade arbeitslose Gründer häufig mangelhaft vorbereitet in das Abenteuer „Selbständigkeit“: Fast 40% der Gründer können ihre Geschäftsidee nicht einmal klar beschreiben.

Info
link zur Studie: https://www.ifm-bonn.org/index.php?id=612

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