Neue Gründerzeit: Startup-Verband legt zehn konkrete Reformvorschläge vor

Alexander Artopé Gründer und CEO smava
Alexander Artopé, Gründer und CEO smava, Mitunterzeichner des Papers "Neue Gründerzeit jetzt"


Mehr Kapital, weniger Bürokratie und bessere Bedingungen für wachstumsstarke Start-ups: Mit einem neuen E-Paper konkretisiert der Startup-Verband seine Initiative „Für eine neue Gründerzeit, jetzt!“. 35 Expertinnen und Experten zeigen, wie Deutschland seine Gründungsdynamik in nachhaltiges Wachstum und international erfolgreiche Unternehmen verwandeln könnte.

Start-up-Boom braucht bessere Rahmenbedingungen

Deutschland erlebt eine dynamische Entwicklung bei technologieorientierten Gründungen. Nach Angaben des Startup-Verbands entstanden allein im ersten Halbjahr 2026 rund 3.000 neue Tech-Start-ups. Zugleich floss mit rund acht Milliarden Euro bereits mehr Kapital in Start-ups als im gesamten Vorjahr. Auch zehn neue Unicorns – also Start-ups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar – seien 2026 bereits hinzugekommen.

Doch aus steigenden Gründungszahlen und mehr Investitionen entstehen nicht automatisch langfristig erfolgreiche Unternehmen. Entscheidend ist, ob junge Firmen ausreichend Kapital erhalten, qualifizierte Mitarbeitende gewinnen und ihre Geschäftsmodelle schnell skalieren können.

Genau hier setzt die Initiative „Für eine neue Gründerzeit, jetzt!“ des Startup-Verbands an. Ein am 14. Oktober veröffentlichtes E-Paper vertieft die zehn Forderungen an die Politik und ergänzt sie um konkrete Handlungsempfehlungen. Die Beiträge stammen von 35 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Finanzwirtschaft, Rechtspraxis und Unternehmen.

Zehn Forderungen als neue Gründerzeit für bessere Bedingungen für Gründer

Im Mittelpunkt stehen politische und regulatorische Veränderungen, die Gründungen erleichtern und das Wachstum junger Unternehmen beschleunigen sollen. Die Vorschläge reichen von der Mobilisierung privaten Kapitals bis zur digitalen Souveränität Europas.

1. Mehr Wagniskapital aus der Altersvorsorge

Kapitalgedeckte Elemente der Altersvorsorge sollen gestärkt und Investitionen in Venture Capital erleichtert werden. Ziel ist es, mehr langfristiges Kapital für innovative Unternehmen und deren Wachstum zu mobilisieren.

2. Die WIN-Initiative stärken

Der Startup-Verband fordert, die WIN-Initiative stärker in der Regierungspolitik zu verankern und steuerliche sowie regulatorische Hürden für institutionelle Investoren abzubauen. Auch die europäische Kapitalmarktunion soll vorankommen.

3. Arbeitsrecht für Spitzenpositionen flexibilisieren

Für gut bezahlte Beschäftigte in Spitzenpositionen schlägt der Verband eine gezielte Flexibilisierung des Kündigungsschutzes vor. Damit sollen Unternehmen bei der Besetzung und Anpassung wichtiger Führungspositionen mehr Handlungsspielraum erhalten.

4. Mitarbeiterbeteiligungen vereinfachen

Mitarbeiterbeteiligungen gelten als wichtiges Instrument, um Talente zu gewinnen und langfristig an junge Unternehmen zu binden. Der Verband fordert, Sozialabgaben auf Beteiligungen grundsätzlich erst dann fällig werden zu lassen, wenn Mitarbeitende tatsächlich Geld erhalten. Außerdem soll das GmbH-Recht um eine eigene Anteilsklasse für Beschäftigte ergänzt werden.

5. Mit „EU Inc.“ die Expansion erleichtern

Eine europäische Gesellschaftsform soll es Unternehmen erleichtern, grenzüberschreitend zu wachsen. Der Startup-Verband fordert, dass die Bundesregierung den europäischen Gesetzgebungsprozess aktiv mitgestaltet und auf eine ambitionierte Ausgestaltung hinwirkt.

6. Digitale Märkte fairer gestalten

Der Digital Markets Act (DMA) soll konsequent durchgesetzt werden. Die Regelungen sollen den Wettbewerb auf digitalen Märkten stärken und europäischen Unternehmen bessere Chancen gegenüber marktmächtigen Plattformanbietern eröffnen.

7. Bürokratie abbauen und Gründungen beschleunigen

Die Initiative verlangt eine flächendeckende Umsetzung der 24-Stunden-Gründung sowie ein Moratorium für neue bürokratische Belastungen. Weniger Verwaltungsaufwand soll Gründern mehr Zeit für Kunden, Produkte und den Aufbau ihres Unternehmens verschaffen.

8. Ausgründungen aus der Forschung fördern

Deutschland verfügt über eine starke Forschungslandschaft. Nach Ansicht des Startup-Verbands müssen jedoch mehr wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Unternehmen überführt werden. Dafür sollen Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen gezielt gefördert und Entrepreneurship Education gestärkt werden. Besonders im DeepTech-Bereich sieht der Verband großes Potenzial.

9. Den Staat als Kunden für Innovationen gewinnen

Öffentliche Aufträge können jungen Unternehmen helfen, ihre Produkte und Technologien unter realen Bedingungen zu erproben und weiterzuentwickeln. Der Verband fordert deshalb, die öffentliche Beschaffung stärker für innovative Unternehmen zu öffnen und DeepTech-Start-ups über geeignete Aufträge den Weg zur Marktreife zu erleichtern.

10. Digitale Souveränität und KI-Infrastruktur stärken

Europäische Start-ups sollen besseren Zugang zu Rechenkapazitäten und leistungsfähiger digitaler Infrastruktur erhalten. Dazu fordert der Verband Investitionen in Rechenzentren und faire Zugangsbedingungen. Ziel ist es, die Abhängigkeit von außereuropäischen Hyperscalern zu verringern und die Entwicklung eigener KI-Anwendungen zu unterstützen.

Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzwelt

Das E-Paper bündelt unterschiedliche Perspektiven auf die Zukunft des deutschen Start-up-Standorts. Zu den Mitwirkenden gehören unter anderem Thomas Book von der Deutschen Börse, Florian Seibel von Quantum Systems, Stefan Wintels von der KfW Bankengruppe und Professor Jörg Rocholl von der ESMT.

Auch Gründer und Investoren wie Robert Gentz von Zalando, Hanno Renner von Personio und Miriam Wohlfarth von Banxware kommen mit Einschätzungen zu den Herausforderungen des Ökosystems zu Wort.

Die Initiative hatte der Startup-Verband im Juni 2026 gestartet. Mehr als 100 Persönlichkeiten aus dem Start-up- und Scale-up-Ökosystem sowie aus der etablierten Wirtschaft unterstützten den ursprünglichen Appell. Inzwischen geht es vor allem darum, die Forderungen in konkrete politische Maßnahmen zu übersetzen.

Jetzt entscheidet die Umsetzung

Die Initiative macht deutlich, an welchen Stellschrauben sich aus Sicht des Startup-Verbands die Bedingungen für Gründung und Wachstum verbessern lassen. Viele Vorschläge betreffen allerdings komplexe politische und regulatorische Fragen – von der Altersvorsorge über das Arbeitsrecht bis zur europäischen Digitalpolitik.

Für Gründer und junge Unternehmen wird deshalb entscheidend sein, welche Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und wann sie in der Praxis greifen. Das E-Paper liefert dafür konkrete Vorschläge und bringt die Perspektive des Start-up-Ökosystems in die politische Debatte ein.

Das vollständige E-Paper „Für eine neue Gründerzeit, jetzt!“ steht auf der Website des Startup-Verbands zur Verfügung.

Info: Quellen der Redaktion: Initiative „Für eine neue Gründerzeit, jetzt!“ · Pressemitteilung zum E-Paper vom 14. Oktober 2026.

Redaktioneller Hinweis: Die zehn Punkte sind Forderungen des Startup-Verbands, keine bereits beschlossenen Reformen. Die genannten Gründungs-, Finanzierungs- und Unicorn-Zahlen werden dem Verband zugeschrieben.

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