Angel Investments versorgen junge Start-ups nicht nur mit Kapital, sondern auch mit unternehmerischer Erfahrung, strategischer Unterstützung und wertvollen Kontakten. Frauen sind unter den privaten Frühphaseninvestierenden allerdings weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Das wirkt sich auch auf die Vielfalt der finanzierten Gründungsteams und Geschäftsmodelle aus.
Hinweis zur Aktualität vom 12. September 2026: Dieser Beitrag wurde ursprünglich anlässlich einer Veranstaltung von hannoverimpuls im Jahr 2020 veröffentlicht. Die statistischen Angaben wurden aktualisiert. Aussagen zur Veranstaltung und zu den damals vorgestellten Projekten beziehen sich weiterhin auf den ursprünglichen Zeitpunkt.
Angel Investments: Warum mehr Investorinnen wichtig sind
Business Angels investieren eigenes Kapital in junge Unternehmen. Ihr Engagement beginnt häufig in einer Phase, in der klassische Banken wegen fehlender Sicherheiten zurückhaltend sind und institutionelle Venture-Capital-Gesellschaften noch nicht einsteigen.
Neben der Finanzierung bringen Business Angels meistens eigene unternehmerische Erfahrungen, Branchenkenntnisse und persönliche Netzwerke ein. Sie unterstützen die Gründungsteams beispielsweise bei der Weiterentwicklung des Geschäftsmodells, beim Aufbau des Vertriebs oder bei der Vorbereitung weiterer Finanzierungsrunden.
Nach aktuellen Angaben von Business Angels Deutschland gibt es bundesweit rund 11.000 aktive Business Angels. Innerhalb des Verbands liegt der Frauenanteil bei 13 Prozent. Investorinnen bleiben damit auch auf dem Markt für private Frühphasenfinanzierungen deutlich in der Minderheit.
Mehr Frauen als Business Angels können zusätzliche Erfahrungen und Perspektiven in Investitionsentscheidungen einbringen. Gleichzeitig entstehen neue Zugänge zu Kapital, Netzwerken und unternehmerischem Know-how.
Eine Initiative für mehr weibliche Business Angels
Bereits 2020 machte hannoverimpuls mit einer Online-Veranstaltung auf die geringe Zahl weiblicher Business Angels aufmerksam. Interessierte Frauen erhielten Einblicke in die Chancen und Risiken von Start-up-Investitionen. Außerdem erfuhren sie, wie junge Unternehmen bewertet und mögliche Beteiligungen vorbereitet werden.
„Wer das Start-up-Ökosystem vielfältiger und gerechter gestalten will, muss Investorinnen fördern“, erklärte Doris Petersen, Geschäftsführerin von hannoverimpuls, anlässlich der damaligen Veranstaltung. Investorinnen könnten einen wichtigen Beitrag dazu leisten, mehr Gründerinnen den Zugang zu Kapital zu ermöglichen.
Auch Dr. Ute Günther von Business Angels Deutschland verwies damals auf die geringe Beteiligung von Frauen: „Es gibt sie, die weiblichen Business Angels, die innovativen Start-ups mit Kapital und unternehmerischem Know-how unter die Arme greifen, aber sie sind viel zu wenige.“
Die Veranstaltung sollte Frauen deshalb nicht nur über Angel Investments informieren, sondern auch Berührungsängste abbauen. Praktische Einblicke gab unter anderem die Angel-Investorin Juliane Schiefer. Darüber hinaus stellten sich Netzwerke und Institutionen vor, die Kontakte zu Start-ups vermitteln und Beteiligungen begleiten.
Gründerinnen erhalten weiterhin weniger Kapital
Die Unterrepräsentation von Investorinnen trifft auf eine weiterhin ungleiche Finanzierungssituation bei Gründungsteams. Laut dem Female Founders Monitor 2025 beträgt der Frauenanteil unter den Start-up-Gründenden in Deutschland lediglich 18,8 Prozent.
Bei der Finanzierung gibt es zwar Fortschritte: Seit 2017 hat sich die Zahl der Venture-Capital-Finanzierungen für Start-ups mit mindestens einer Gründerin nahezu verdoppelt. Das insgesamt investierte Kapital hat sich im gleichen Zeitraum fast vervierfacht. Dennoch fließen weiterhin 91 Prozent des untersuchten Kapitals an rein männliche Gründungsteams.
Die Zahlen beziehen sich auf den gesamten Venture-Capital-Markt und nicht ausschließlich auf Angel Investments. Sie zeigen aber, dass Gründerinnen beim Zugang zu Wachstumskapital weiterhin strukturelle Nachteile haben. Mehr Investorinnen allein lösen dieses Problem nicht, können jedoch zu vielfältigeren Netzwerken und Entscheidungsstrukturen beitragen.
Wie sich der Kapitalzugang für Gründerinnen entwickelt, zeigt auch unser Beitrag über Female Founders.
Das wirtschaftliche Potenzial vielfältiger Gründungsteams
Eine häufig zitierte Analyse der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2018 untersuchte die Finanzierung und Umsatzentwicklung von Start-ups mit Frauen und Männern in den Gründungsteams.
Demnach erhielten die untersuchten Unternehmen mit Gründerinnen im Durchschnitt weniger Kapital. Gleichzeitig erzielten sie pro investiertem Dollar höhere Umsätze: Start-ups mit Frauen in den Gründungsteams erwirtschafteten durchschnittlich 78 Cent Umsatz je investiertem Dollar, während die Vergleichsgruppe mit männlichen Gründern auf 31 Cent kam.
Diese Ergebnisse stammen aus einer begrenzten Untersuchung und lassen sich nicht ohne Weiteres auf jedes Start-up übertragen. Sie liefern jedoch einen deutlichen Hinweis darauf, dass einseitige Investitionsentscheidungen wirtschaftliches Potenzial ungenutzt lassen können.
Femtech und Digital Health als Beispiele
Geschlechterbezogene Unterschiede bei Investitionsentscheidungen werden insbesondere im Gesundheitsbereich sichtbar. Geschäftsmodelle rund um Schwangerschaft, Menstruation, Frauengesundheit und andere Femtech-Themen wurden lange Zeit nur unzureichend berücksichtigt.
Im Zusammenhang mit der Veranstaltung stellte hannoverimpuls 2020 auch den damals gestarteten „Female Health Incubator“ vor. Das Projekt sollte Frauen dabei unterstützen, innovative Geschäftsmodelle in den Bereichen Femtech und Digital Health zu entwickeln und umzusetzen.
Solche Angebote können dazu beitragen, dass Probleme und Bedürfnisse stärker berücksichtigt werden, die in bislang überwiegend männlich geprägten Gründungs- und Investitionsstrukturen weniger Aufmerksamkeit erhalten haben.
Gründerinnen-Consult unterstützt weiterhin Frauen
Das bei hannoverimpuls angesiedelte Gründerinnen-Consult ist weiterhin aktiv. Das Angebot begleitet Frauen vor und nach der Gründung mit individueller Beratung, Veranstaltungen, Wissen und Kontakten zu relevanten Netzwerken.
Der Ansatz beschränkt sich dabei nicht auf technologieorientierte Start-ups. Unterstützt werden Frauen aus unterschiedlichen Branchen und in verschiedenen Phasen ihrer Gründungsreise.
Mehr Frauen als Gründerinnen und Investorinnen können das deutsche Start-up-Ökosystem vielfältiger und leistungsfähiger machen. Dafür braucht es einen besseren Zugang zu Kapital, mehr sichtbare Vorbilder und Netzwerke, die interessierte Investorinnen an Angel Investments heranführen. Business Angels spielen dabei eine wichtige Rolle – als Kapitalgeberinnen, Mentorinnen und erfahrene Sparringspartnerinnen für junge Unternehmen.


