Aktuelle Franchise-Trends

Torben Leif Brodersen, Hauptgeschäftsführer Deutscher Franchiseverband.
Torben Leif Brodersen, Hauptgeschäftsführer Deutscher Franchiseverband.

Interview mit Torben Leif Brodersen, Hauptgeschäftsführer Deutscher Franchiseverband, zu aktuellen Franchise-Trends.

Franchising.mag: Herr Brodersen, wie hat sich die Franchisewirtschaft in den vergangenen Jahren verändert?

Brodersen: Sie hat dynamisch an Fahrt aufgenommen. Das zeigt die aktuelle Statistik deutlich. Lag die Anzahl der Franchisepartner vor zehn Jahren noch bei etwa 57.000 so hat sich dieser Wert im vergangenen Jahr mit 128.000 mehr als verdoppelt. Noch enormer fällt die Entwicklung bei den Umsatzzahlen auf. Waren es 2008 noch 47 Milliarden Euro Umsatz so sind es in 2018 knapp 123 Milliarden Euro. Das sind enorme Werte, die für eine außerordentliche Dynamik unseres Wirtschaftszweiges sprechen.

Das sind die Zahlen. Doch wohin treiben die Franchise-Trends?

Dahintreiben tut sie sicherlich nicht. Vielmehr hat sie das Ruder fest in der Hand und hat sich entschieden, die Expansionsrichtung selbst zu bestimmen. Würde sie sich nämlich mit den Rahmenbedingungen abgeben, so wäre ein solches Wachstum sicherlich nicht möglich. Ganz konkret: Der Arbeitsmarkt ist gesättigt. Die Vollbeschäftigung ist nicht mehr weit. Für Arbeitnehmer gibt es kaum eine Motivation, den sicheren Hafen des Angestelltendaseins zu verlassen. Dementsprechend gering ist deren Bereitschaft den mitunter risikobehafteten Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Die, die es dennoch tun, erfüllen sich ihren sehnlichen Wunsch nach Eigenständigkeit. Notgründungen sind also sehr selten geworden – eine gute, reinigende Entwicklung wie ich finde.

Ja, aber wie expandieren denn die Systeme dann?

Es gibt viele Formen des Wachstums. Multi-Unit ist bereits gut etabliert. Hier übernimmt ein Franchisepartner mehrerer Standorte. Auch Multi-Brand wird zunehmen wichtiger. Aber auch die Tatsache, dass Konzerne als Franchisenehmer agieren wird häufiger.

Haben Sie dafür Beispiele?

Sicher. Da ist beispielsweise die Deutsche Bahn, die Franchisenehmer vieler Gastronomiekonzepte am Berliner Hauptbahnhof ist. Oder auch Amrest oder die SSP Germany, die sich als führender Anbieter für Verkehrsgastronomie versteht und als Franchisenehmer bekannte Marken an u.a. Flughäfen und Bahnhöfen betreibt. Das kann sicherlich eine Lösung für den spürbaren Gründermangel sein.

Also ist die Gastronomie die führende Franchisebranche?

Nein, nicht ganz. Zwar gibt es aktuell viele spannende Konzepte in der Gastronomie – Burger bleiben, hinzukommen Süßspeisen wie Waffeln aber auch Healtyfood und Cross-over-Kitchen mit asiatischem Schwerpunkt – dennoch bleibt der Dienstleistungssektor vorn. Spannend ist im Übrigen die Entwicklung im Handwerk. Hier verzeichnen wir ein spürbares Wachstum auf 12 Prozent. Ich bin mir sicher, dass sich dies künftig noch weiter entwickeln wird, denn schließlich sind viele Handwerksunternehmen mit den bürokratischen Anforderungen überfordert. Da liegt die Lösung quasi auf der Hand, sich einem Franchisesystem anzuschließen und sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Beobachten Sie sonst noch spannende Entwicklungen?

Das ist das Spannende an der Franchisewirtschaft – die Entwicklungen sind dynamisch und es kommen immer wieder neue Strömungen hinzu. Als besonders interessant empfinde ich derzeit die Entwicklung des Social Franchising. Es gib immer mehr Systeme aus dem sozialen Sektor, die die Skalierbarkeit im Franchise für die Multiplikation ihres Konzeptes nutzen. Und das in erster Linie um die gute Idee weiterzutragen. Ein Mitglied ist Rock Your Life, ein Mentorenprogramm, dass Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien auf ihrem schulischen und beruflichen Weg unterstützt. Oder CAP Lebensmittelmärkte, deren Mitarbeiter auf dem freien Arbeitsmarkt kaum Chancen hätten. Das sind nur zwei Beispiele, doch ich bin mir sicher, dass viele weitere soziale Konzepte folgen. Darum erarbeiten wir aktuell in einer Fokusgruppe auch einen Leitfaden zum Aufbau eines Social Franchisesystems und diskutieren darüber wie Inklusion in Mitgliedsunternehmen gefördert werden kann. Eine sinnstiftende Diskussion, die zeigt, dass kommerzielles und soziales Franchising stark voneinander profitieren kann. mehr

Wir danken für das Gespräch.

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